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23.09.2026
20:13 Uhr
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Für Anime- und Taktik-Nerds ist das neue »Fire Emblem« ein Geschenk. Wer das Ensemble-Epos auf der Switch 2 erleben will, muss aber erstmal viel lernen.

Viele Herausforderungen in diesem Spiel sind eine Frage von Taktik und Training. Es geht um Schlachten, die richtigen Waffen und die perfekt abgestimmte Kampftruppe. Wirklich schwierig ist aber der Kampf um die perfekte Vogelzeit: Als Vögelchen gilt es, an der richtigen Stelle zu zwitschern oder die Flügel auszubreiten, um einer Königin ein gutes Gefühl zu geben. Einen zwitschernden Vogel zu spielen, während man in der Rahmenhandlung einen bereits passierten Weltuntergang nachträglich zu verhindern versucht – das ist für japanische Rollenspiele gar nicht ungewöhnlich. In Fire Emblem: Fortune’s Weave lohnt es sich, für beides Zeit aufzubringen. Denn wenn man wendungsreiche Fantasyschmöker und taktische Brettspiele mag, ist es eines der besten Videospiele des Jahres. Vier Fäuste für die Fortsetzung Fire Emblem ist eine der weniger bekannten Serien, mit denen Nintendo die eigenen Konsolen und Handhelds bespielt. Die Spielidee: Fantasy-Ensemblegeschichte trifft Taktikschlachten. Die Schlachten laufen als eine Art Brettspiel gegen den Computer, Spielfiguren werden auf einem Raster bewegt, um Monster und Bösewichte Zug für Zug zu besiegen. Dazwischen quatschen die Heldinnen und Helden miteinander oder beschäftigen sich mit anderen Dingen, wie etwa mit Vogelgezwitscher. Jahrzehnte lang kam das bei einem eher kleinen Fankreis gut an, bevor 2019 das Switch-Spiel Fire Emblem: Three Houses Verkaufsrekorde brach und bewies, dass die Spielidee mit einer lebendigeren Präsentation für ein Millionenpublikum taugt. Wer Mangas und Brettspiele mag, gehört auch bei Fire Emblem: Fortune’s Weave zur Zielgruppe. Die Fortsetzung ist jetzt für die Nintendo Switch 2 erschienen und versucht, die Erfolgsformel zu steigern. Statt drei großer Handlungsstränge wie in Three Houses gibt es in Fortune’s Weave folgerichtig vier verschiedene Versionen des ersten Aktes, die man für optimale Ergebnisse auch alle hintereinander durchspielen kann. Und dann folgen noch zwei weitere Akte. Die Menge an Zwischensequenzen, Nebenplots, rekrutierbaren Charakteren, aufeinandergehäuften Spielsystemen ist üppig, kann zwischendurch auch überfordernd sein. Für Genrefans fühlt sich das Ganze dagegen wie eine Buchungsbestätigung an. Die nächsten Wochen sind im Wesentlichen verplant. Das überraschende zweite Brettspiel Das Herzstück von Fire Emblem waren schon immer die Gefechte. Jede Spielfigur ist ein eigenständiger Charakter mit Freundschaften, einer Kampfklasse, Ausrüstung und Eigenschaftswerten. Anfangs dirigiert man Kleingruppen über das Schlachtfeld, im Lauf der Partie steigert sich aber der Maßstab. Abwechselnd mit dem Gegner zieht man Figuren und achtet dabei auf die Platzierung. Das Terrain beeinflusst die Trefferchancen, bestimmte Waffentypen passen zu bestimmten Gegnern, soziale Verbindungen zwischen den Charakteren sowie verschiedene Arten von Spezialattacken sollte man auch im Blick behalten. Dazu kommen viele Spielfelder mit Gimmicks wie zerstörbaren Barrieren, einschaltbaren Windmaschinen, herumliegenden Stachelfallen. Beim Spielen erinnern die Kämpfe mal an abstraktes Chancenabwägen wie in Risiko , mal an trashige Dungeon-Brettspiele wie Hero Quest . Es bleibt launig und abwechslungsreich. Es dauert aber mehrere Stunden, bis das Spiel auch nur die wesentlichen Elemente eingeführt hat. Wenn man aufmerksam mitliest, ist nichts davon schwer zu verstehen. Aber praktisch der komplette erste Akt fühlt sich wie eine Art Tutorial für die kommenden Herausforderungen an. So wichtig die Gefechte auch sind, sie belegen je nach Spielstil nur etwa die Hälfte der Spielzeit. Neu an Fortune’s Weave ist ein zweites ausladendes Brettspiel. Hier zoomt die Kamera heraus, es geht nicht um kleine Schlachten, sondern um große Wanderungen. Was genau auf der Landkarte getan wird, hängt von den vier wählbaren Hauptcharakteren ab; immer aber muss man Missionen erledigen und Ressourcen verdienen, um das eigene Team zu verstärken. Dieser Modus fühlt sich wie eine Zerstreuung an, bevor man bei der nächsten großen Schlacht wieder aufpassen muss. Und viele Stunden kann man nur dasitzen und zuhören. Mancher Spieler mag bei den ausladenden Zwischensequenzen und üppigen Erzählstrecken mit sprechenden Porträts vor Texttafeln ungeduldig werden.