Zeit 25.03.2026
11:19 Uhr

ifo-Index: Irankrieg bremst wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland


Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im März auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gesunken. Ökonomen nennen den Krieg im Iran als Grund für die Wirtschaftslage.

ifo-Index: Irankrieg bremst wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland
Die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs zeigen einen deutlichen Effekt auf deutsche Unternehmen . Der ifo-Geschäftsklimaindex sank im März auf 86,4 Punkte, nach 88,4 im Februar, wie ​das Münchner ifo Institut aufgrund seiner Umfrage unter rund ⁠9.000 Führungskräften mitteilte. Dies ist der tiefste Stand seit ​Februar 2025. Die Firmen blickten ‌demnach ähnlich skeptisch ⁠wie zuletzt auf ihre aktuelle Lage, ​bewerteten ihre Aussichten aber spürbar schlechter. "Der Krieg im Iran beendet vorerst die Hoffnung auf einen Aufschwung", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. Industrie leidet an hohen Energiekosten Im zu Ende ​gehenden ersten Quartal dürfte es dem Institut zufolge bestenfalls zu ⁠einem Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent kommen, dem ​im Frühjahr eine Stagnation folgen dürfte. In der zweiten Jahreshälfte sei dann ‌wieder ⁠mit Wachstum zu rechnen, angetrieben ​von staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Aufrüstung in Milliardenhöhe, erwartet das ifo Institut. " Der Aufschwung verschiebt sich ein Stück nach hinten", sagte der Umfragechef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts, Klaus Wohlrabe. In der Industrie litten vor allem die energieintensiven Branchen wie Chemie ⁠und Kunststoffe unter ​gestiegenen Kosten. Bei den Dienstleistern ist der Bereich Transport und Logistik von ‌höheren Benzin- und Dieselpreisen ‌besonders betroffen. "Der Handel wiederum befürchtet einen Kaufkraftverlust seiner ​Kunden infolge einer höheren Inflation", sagte Wohlrabe. Auch im Tourismus sei demnach kein positiver Trend zu erwarten. Die Bauwirtschaft wiederum befürchte steigende Zinsen, ​was die Finanzierung von Bauprojekten teurer machen würde. Sorgen vor Lieferengpässen und Inflation Viele Fachleute hatten den Rückgang des Geschäftsklimaindex erwartet. Der Einbruch der ‌Geschäftserwartungen spiegele die Sorgen der deutschen ‌Unternehmen über den Irankrieg wider, sagte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. "Wenn der Krieg und ​die Sperrung der Straße von Hormus noch ein, zwei Monate anhalten, wäre der wirtschaftliche Schaden für Deutschland deutlich spürbar." Die Angriffe Israels und der USA auf den Iran und die darauffolgenden iranischen Attacken auf die Ölwirtschaft in mehreren Golfstaaten haben die Energiepreise deutlich in die Höhe getrieben. Dieser Anstieg schürt Sorgen vor Lieferengpässen und steigender Inflation und bremst die Wirtschaft in Deutschland und der Eurozone. Ökonomen haben bereits ‌ihre Prognosen für die Konjunktur 2026 in Deutschland gesenkt. Eigentlich sollten die ​Mehrausgaben des Staatshaushalts für Infrastruktur und Verteidigung der Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren und einem Miniwachstum im letzten Jahr wieder zulegen. ​Die erhoffte Erholung der deutschen Wirtschaft dürfte demnach je nach Dauer des Irankriegs schwächer ausfallen oder nicht eintreffen. Am Bau verschlechterten sich die Aussichten so deutlich wie seit Beginn des Ukrainekriegs im März 2022 nicht mehr, sagte ifo-Präsident Fuest.