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29.09.2026
00:48 Uhr
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Nach Massenprotesten gegen Wohnungsmangel haben Behörden in Madrid eine Zwangsräumung rückgängig gemacht. Der Fall der Rentnerin setzt Spaniens Regierung unter Druck.

Behörden der spanischen Hauptstadt Madrid haben nach Massenprotesten gegen Zwangsräumungen und Wohnungsnot einer 87-Jährigen die Rückkehr in ihre Wohnung zugestanden. Das sagte die Anwältin der Rentnerin Maricarmen Abascal am Montagabend vor Journalisten. Der Fall hatte das ganze Land bewegt und eine neue Debatte über bezahlbaren Wohnraum ausgelöst. »Wenn diese Einigung, die wir erreicht haben, unterzeichnet wird«, werde das »für alle ein besseres und erfreulicheres Ergebnis sein«, sagte die Anwältin, Beatriz Duro, nach einem mehrstündigen Treffen mit Vertretern der Stadt Madrid. Die gehbehinderte Seniorin habe eine Situation durchgemacht, die keine Person jemals durchmachen dürfe , zitierte der spanische Sender RTVE die Anwältin. Abascal war am Mittwoch auf einer Trage aus ihrer zwangsgeräumten Wohnung in Madrid geholt worden, in der sie 70 Jahre lang zur Miete gewohnt hatte. Ein Investor hatte die Immobilie gekauft und den Mietpreis nach Angaben des Mieterverbands um 275 Prozent auf 2.650 Euro erhöht. Die Rentnerin ist in ihrer Mobilität eingeschränkt und hat einen Grad der Behinderung von 50 Prozent. Der Fall hatte Proteste in ganz Spanien ausgelöst. Tausende Menschen fordern Maßnahmen gegen Wohnungsnot Am Montag versammelten sich in Barcelona erneut rund 2.000 Demonstrierende und forderten wirksame Maßnahmen der Regierung gegen die Wohnungsnot. »Wir wollen kein Trostpflaster, sondern angemessenen Wohnraum«, sagte die Sprecherin der katalanischen Mietervereinigung, Carme Arcarazo. Sie verlangte einen Stopp für Mieterhöhungen, ein Verbot befristeter Mietverträge und Maßnahmen gegen Zwangsräumungen. Damit spielte sie auf ein Gesetzespaket an, das das Kabinett von Ministerpräsident Pedro Sánchez am heutigen Dienstag beschließen will. Die Regierung arbeite »mit Hochdruck« an einem Maßnahmenpaket, hatte Sánchez angekündigt. Allerdings fehlt der linksgerichteten Regierungskoalition dafür zurzeit eine Mehrheit im Parlament. Zuvor war bereits ein ähnliches Gesetz im Parlament gescheitert. Drastisch gestiegene Mieten und Wohnraummangel sind Umfragen zufolge für die spanische Bevölkerung seit geraumer Zeit das größte Problem im Land. Laut dem Immobilienportal Idealista haben sich die Durchschnittsmieten in Spanien in zehn Jahren fast verdoppelt. Kritiker machen unter anderem Immobilienfonds sowie Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb für steigende Preise und die Knappheit von verfügbarem Wohnraum in Spanien verantwortlich. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen.