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22.03.2026
18:18 Uhr
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Nach den Vorwürfen gegen den TV-Produzenten Christian Ulmen geht auch sein langjähriger Freund auf Distanz. Bei Gewalt ende alles, schreibt der Autor Stuckrad-Barre.

Der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre hat auf die schweren Vorwürfe gegen den TV-Produzenten Christian Ulmen reagiert, mit dem er nach eigener Aussage jahrzehntelang eng befreundet war. In einem Statement, das der ZEIT vorliegt, schreibt Stuckrad-Barre: "Ich muss mich hier ganz klar von meinem Freund Christian distanzieren." Sein Mitgefühl, seine Solidarität, schreibt Stuckrad-Barre, gehörten "alleiniglich" Collien Fernandes. Der Spiegel hatte am Donnerstag eine Recherche veröffentlicht, in der die Schauspielerin Fernandes ihrem Ex-Mann langjährige sexualisierte Gewalt vorwirft . In dem Artikel und in einem Instagram-Post berichtet sie, dass unter ihrem Namen über Jahre hinweg Fake-Profile auf verschiedenen Onlineplattformen erstellt worden seien. Über diese Profile seien Männer aus ihrem beruflichen Umfeld kontaktiert worden und hätten unter anderem angebliche Nacktfotos und Sexvideos von ihr geschickt bekommen. Erst als sie eine Anzeige gegen unbekannt erstattet habe, sei Ulmen ihr gegenüber geständig gewesen und habe unter anderem vorgebracht, er habe "aus einer Art Besitzdenken heraus" so gehandelt. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung" handle. Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet". "Bei Gewalt endet alles, wirklich alles" In seinem Statement schreibt Stuckrad-Barre, dass er sich öffentlich äußern müsse, "weil Christian mein Freund war, bis zum vergangenen Donnerstag". Schweigen könne daher als Billigung aufgefasst werden. Er und Ulmen lernten sich vor fast 30 Jahren bei einem Fernsehauftritt kennen. Von 2010 bis 2013 produzierte Ulmen eine Politiktalkshow des Schriftstellers, in der ZEIT gaben sie dazu ein gemeinsames Interview . Die Schilderungen Colliens hätten ihn erschüttert, schreibt Stuckrad-Barre weiter. "Digitale sexualisierte Gewalt ist Gewalt. Und bei Gewalt endet alles, wirklich alles." Er halte die Schilderungen für gut belegt, so Stuckrad-Barre in seiner Stellungname. So schwer es ihm falle, er müsse die Vorwürfe mit Ulmen zusammenbringen. Einen Satz müssten sich vor allem Männer abgewöhnen: "Das kann ich mir nicht vorstellen." Stattdessen sehe er es als Aufgabe von Männern, "festzustellen, anzuerkennen und zu verurteilen, dass die allermeisten Gewalttaten gegenüber Frauen innerhalb von Beziehungen stattfinden. Und dass die Täter eben nicht nur irgendwelche düsteren Gestalten aus Statistiken sind, sondern dass darunter auch Menschen sind, die wir bewundern oder lieben." Stuckrad-Barre hatte Ulmen schon früher kritisiert Der Spiegel weist darauf hin, dass Stuckrad-Barre sich schon einmal kritisch zu Ulmen geäußert hatte. Als dieser 2013 einen frauenverachtenden Proll spielte, setzte sich Stuckrad-Barre in der Welt mit der Frage auseinander, warum sich sein Freund ausgerechnet in dieser Figur so wohlfühlte . Der Titel des Essays: "Christian Ulmen – mein Freund, das Monster". Laut dem Spiegel hatte Ulmen noch 2023 für Stuckrad-Barres Roman "Noch wach?" geworben, in dem es um sexuelle Übergriffe in einem Medienhaus geht. Das Video sei aber inzwischen auf Instagram nicht mehr abrufbar. Bei der Veröffentlichung des Romans sprach Stuckrad-Barre in Interviews darüber, dass er selbst als 19-Jähriger sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch erlebt habe.