Zeit 22.03.2026
19:43 Uhr

Vorwürfe gegen Christian Ulmen: Tausende demonstrieren in Berlin gegen sexualisierte Gewalt


Am Brandenburger Tor haben sich mehrere tausend Menschen mit Collien Fernandes solidarisiert. Sie wirft dem Produzenten Christian Ulmen digitale Gewalt vor.

Vorwürfe gegen Christian Ulmen: Tausende demonstrieren in Berlin gegen sexualisierte Gewalt
Wenige Tage nach den schweren Vorwürfen gegen den TV-Produzenten Christian Ulmen haben Tausende Menschen in Berlin gegen sexualisierte digitale Gewalt protestiert und bessere Gesetze gefordert. Sie versammelten sich am Nachmittag am Brandenburger Tor auf dem vollständig gefüllten Pariser Platz. Auf Plakaten stand unter anderem "Die Scham muss die Seiten wechseln" - der Spruch der Französin Gisèle Pelicot, die nach dem öffentlichen Prozess gegen ihre Peiniger zur Ikone geworden war. Die Veranstalter sprachen von 13.000 Menschen. Zur Demonstration aufgerufen hatte das neu gegründete Bündnis "Feminist Fight Club!". Aktueller Hintergrund sind die schweren Vorwürfe der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Ulmen, über die zuerst der Spiegel berichtet hatte . Unter ihrem Namen sollen demnach jahrelang Fake-Profile auf verschiedenen Onlineplattformen erstellt worden sein. Darüber seien Männer aus ihrem beruflichen Umfeld kontaktiert worden, sie hätten unter anderem angebliche Nacktfotos und Sexvideos von ihr geschickt bekommen. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung" handle. Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet". Luisa Neubauer berichtet von Drohungen und Fakebildern Auf der Demo trat auch die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer auf. In ihrer Rede sagte sie: "Ich würde mich gerne nur ums Klima kümmern. Aber es geht nicht. Nicht in dieser Gesellschaft und dieser Zeit und bei diesen Männern." Seit fünf Jahren brauche sie Personenschutz der Polizei, wenn sie zu Demonstrationen gehe, weil Männer sie bedrohten, sagte Neubauer weiter. Immer wieder melde sich das LKA bei ihr, weil Stalker ihr digital und vor Ort nachstellen. Von einer Hilfsorganisation habe sie gehört, dass das Internet voll sei mit sexualisierten Fakebildern von ihr, die offenbar von kontrollsüchtigen Männern mit Gewaltfantasien erstellt worden seien. Neubauer forderte Gesetze, die die Opfer schützen und nicht die Täter. Gewalt "bleibt in den Suchmaschinen, in den Köpfen" Auf der Demo sagte die Klimaschutzaktivistin Theresia Crone: "Digitale Gewalt endet nicht so richtig. Sie bleibt in den Suchmaschinen, in den Köpfen." Sie berichtete von einem Fake-Profil mit ihrem Namen und Gesicht und Fotos von sexuellen Situationen und Gewalt. Sehr lange habe es gedauert, bis ein Täter bestraft worden sei. Und so etwas passiere tausendfach. Angekündigt war auch die bekannte Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer. Fernandes warb ebenfalls für die Demonstration und schrieb bei Instagram: "Sexuelle Gewalt, physische und psychische Gewalt sind weiter verbreitet, als man ahnen mag. Sie finden statt, in der Mitte unserer Gesellschaft." Cyberstrafrecht soll reformiert werden Auf Bundesebene hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das Cyberstrafrecht zu reformieren und Strafbarkeitslücken zu schließen, etwa "bei bildbasierter sexualisierter Gewalt. Dabei erfassen wir auch Deep Fakes", heißt es darin. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hatte angekündigt, noch im Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen.