Zeit 30.09.2026
16:02 Uhr

VW: Volkswagen kündigt fast alle Tarifverträge


Aus Kostengründen hat der Autokonzern VW einen Großteil seiner Tarifverträge gekündigt. Auch der Manteltarifvertrag ist von der Kündigung betroffen.

VW: Volkswagen kündigt fast alle Tarifverträge
Im Ringen um schärfere Sparmaßnahmen hat Volkswagen eine Reihe von Tarifverträgen gekündigt, unter anderem den Manteltarifvertrag. Aus Sicht des Unternehmens seien verschiedene Regelungen in diesen Verträgen mit Blick auf den aktuellen Kostendruck anzupassen, teilte der Autohersteller in Hannover mit. Ein Sprecher wollte sich zur genauen Zahl der gekündigten Verträge nicht äußern. Nach IG-Metall-Angaben handelt es sich um insgesamt zehn Tarifverträge. Das wirtschaftliche Umfeld habe sich für die Autoindustrie und damit auch für Volkswagen gravierend verschärft, teilte Personalvorstand Arne Meiswinkel mit. »Diese Marktveränderungen sind strukturell und tiefgreifend. Unter anderem drängen chinesische Hersteller mit günstigen Exporten nach Europa.« Das erhöhe den Preis- und Wettbewerbsdruck enorm. Die Maßnahmen aus dem Zukunftsplan 2030 müssten daher schnell und konsequent umgesetzt werden. Die Kündigungen erfolgen fristgerecht zum 31. Dezember 2026. Der Manteltarifvertrag bündelt zahlreiche grundlegende Regelungen für die mehr als 100.000 Beschäftigten in Deutschland. Insgesamt besteht der VW-Haustarif aus 13 einzelnen Verträgen. Sie regeln unter anderem Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Zulagen. Nicht betroffen sind der Zukunftstarifvertrag 2024 und die darin vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. »Der Vorstand glaubt offenbar, uns erpressen zu können« Die Forderung der IG ​Metall, bei Volkswagen wie auch im Flächentarifvertrag die Entgelte um fünf Prozent zu erhöhen, wies Meiswinkel zurück. »Es gilt sogar ​mehr als zuvor, dass Volkswagen seine Kosten ⁠senken ​und auf ein wettbewerbsfähiges ‌Niveau bringen muss.« IG Metall und Betriebsrat lehnen den ‌Vorstoß entschieden ab und kündigten Widerstand an. »Der Vorstand glaubt offenbar, uns erpressen zu können«, sagte Daniela Cavallo, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Volkswagen AG. Man bedrohe Werke mit dem Aus und wolle dann die nächsten Tarifeinschnitte durchsetzen. »Aber diese Rechnung wird nicht aufgehen.« Sie rief dazu auf, den Vorstand in der Tarifrunde spüren zu lassen, »dass er auf der falschen Spur unterwegs ist«. Thorsten Gröger, Verhandlungsführer der IG Metall, sprach von einem »üblen Foul an der Belegschaft«. Volkswagen versuche, die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns »bei denen abzuladen, die das Unternehmen jeden Tag am Laufen halten«. Gewinne würden privatisiert, unternehmerische Kosten und Risiken sollten nun auf die Belegschaft verlagert werden. Das werde man nicht hinnehmen. Der Tarifabschluss 2024 war hart erkämpft worden. Erst nach Warnstreiks und einem einwöchigen Verhandlungsmarathon kurz vor Weihnachten hatte es eine Einigung gegeben. Der Kompromiss sieht den Abbau von 35.000 VW-Jobs in Deutschland bis 2030 vor. Außerdem wurden Boni und Zulagen gekürzt und Lohnerhöhungen auf Eis gelegt. Europas größter Autobauer verzichtete im Gegenzug auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen und sagte Investitionen und neue Produkte für die deutschen Standorte zu. Vertreterinnen und Vertreter von IG Metall, Betriebsrat und VW-Management hatten sich am Mittwoch in Hannover zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch getroffen. Nachdem der Konzernvorstand seinen verschärften Sparkurs vorgestellt hatte, beriefen sich die Arbeitnehmervertreter Mitte September auf eine Klausel des Tarifvertrags von 2024 und erzwangen so das Gespräch . Der Autobauer und die Gewerkschaft vereinbarten nach VW-Angaben, sich zu weiteren Gesprächen in der zweiten Oktoberhälfte zu treffen. Der Sparplan des Konzerns sieht die Streichung von 50.000 Stellen und die Schließung mehrerer Werke vor. Für die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könne keine wettbewerbsfähige Folgebelegung, gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034, gewährleistet werden.