Zeit 07.10.2026
16:37 Uhr

Russland: Gerhard Schröder trifft Mitarbeiter von Supermarktkette in Moskau


Altkanzler Schröder wurde im September Aufsichtsrat beim russischen Ableger der deutschen Marktkette Globus. In Moskau ließ er sich von Mitarbeitern mit Applaus begrüßen.

Russland: Gerhard Schröder trifft Mitarbeiter von Supermarktkette in Moskau
Altkanzler Gerhard Schröder hat sich nach Antritt eines Postens im Aufsichtsrat beim russischen Ableger der deutschen Einzelhandelskette Globus in Moskau mit Mitarbeitern eines Supermarkts getroffen. Ein Video des Treffens veröffentlichte unter anderem das russische Wirtschaftsnachrichten-Portal RBK. Darauf ist zu sehen, wie Schröder mit Applaus von Beschäftigten des Supermarkts begrüßt wird und eine kurze Ansprache vor ihnen hält. Der ehemalige Kanzler verwies dabei auf seine Lehre als Einzelhandelskaufmann, die er nach der Volksschule absolviert hatte. »Ich bin also Kollege«, sagte Schröder. Die Beschäftigten rief er dazu auf, auch wenn Kunden »immer mehr erwarten, als man geben kann (...), die Nerven (zu) behalten und eisern das Interesse, ihr eigenes und das des Unternehmens, im Auge (zu) behalten.« Vergangene Woche war bekannt geworden , dass der ehemalige SPD-Politiker im Aufsichtsrat von Globus die strategische Entwicklung des Unternehmens unterstützen soll. Den Posten trat Schröder bereits am 30. September an. Hyperglobus, wie der russische Ableger der deutschen Globus-Kette heißt, war ursprünglich eine Tochterfirma des deutschen Globus-Konzerns, spaltete sich aber 2025 ab. Schröder könnte bei Abwendung staatlicher Zwangsmaßnahmen helfen Allerdings heißen die Supermärkte der Kette in Russland weiterhin Globus. Zudem ist der Inhaber des Ablegers der deutsche Unternehmer Thomas Bruch, der ehemals Geschäftsführer der Globus-Gruppe war und der Inhaberfamilie des deutschen Unternehmens angehört. Bruch gehörte weiterhin einer Gruppe deutscher Unternehmer an, die im Mai an einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg teilnahmen und damit Kritik aus Deutschland auf sich zogen. Schröder pflegt seit seiner Kanzlerschaft zwischen 1998 und 2005 ein enges Verhältnis zum russischen Staatschef Wladimir Putin. Nach seiner politischen Karriere war Schröder für mehrere russische Staatskonzerne tätig. Im Mai 2022, drei Monate nach Beginn der russischen Invasion der Ukraine, legte er den Aufsichtsratsvorsitz des Energiekonzerns Rosneft ab – unter Androhung von EU-Sanktionen, falls er den Posten behalten sollte. Seit Kriegsbeginn traf sich Schröder mehrfach mit Putin und wurde vom russischen Staatschef auch als möglicher Vermittler in Friedensgesprächen genannt. Die Globus-Kette dürfte sich von der Nominierung Schröders als Aufsichtsrat vor allem erhoffen , dem Vorgehen der russischen Regierung gegen westliche Unternehmen in Russland zu entgehen. Zuletzt hatte die Regierung die russischen Vermögenswerte des deutschen Handelskonzerns Metro und des französischen Einzelhändlers Auchan unter staatliche Verwaltung gestellt. Globus, nunmehr das größte deutsche Unternehmen in Russland, könnte womöglich versuchen, mit dem Engagement des Putin-Vertrauten sein Geschäft vor staatlichem Zugriff zu schützen.