Zeit 24.03.2026
16:27 Uhr

Reform der Riester-Rente: Koalition einigt sich auf neue Förderungen für private Altersvorsorge


Die staatlich geförderte Altersvorsorge wird reformiert. Schwarz-Rot will unter anderem Menschen besser unterstützen, die nur wenig fürs Alter zurücklegen können.

Reform der Riester-Rente: Koalition einigt sich auf neue Förderungen für private Altersvorsorge
Union und SPD haben sich auf Details für eine neue, staatlich geförderte private Altersvorsorge geeinigt. Ein entsprechendes Papier liegt der ZEIT vor. Wie Finanzpolitiker der beiden Fraktionen mitteilten, soll es für Menschen, die nur wenig ansparen können, künftig höhere Zuschüsse geben als bisher geplant. Außerdem sollen auch Selbstständige eine Förderung erhalten können. Die derzeitige Riester-Vorsorge sei "reformbedürftig, für viele Menschen zu intransparent, zu teuer und auch nicht nachvollziehbar", sagte die Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Frauke Heiligenstadt. Mit dem neuen Modell werde die Riester-Rente "vom Kopf auf die Füße" gestellt, indem es für mehr Transparenz, für einen einfacheren Abschluss und zielgenaue Förderung sorge. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte einen ersten Reformentwurf vorgelegt , im Bundestag gab es daran noch einige Änderungen. So soll es weiterhin eine private Altersvorsorge geben, bei der 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert auch ausgezahlt werden – wie bei der bisherigen Riester-Rente . Dazu kommt eine Variante mit 80-prozentiger Garantie. Damit können die Versicherer die Beiträge schon etwas gewinnbringender am Kapitalmarkt anlegen. Neu eingeführt wird nun auch ein Altersvorsorgedepot, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht, aber keine Garantien gibt. Dadurch hätten "Bürgerinnen und Bürger mehr Wahlfreiheit und zusätzliche Renditemöglichkeiten", heißt es in dem Papier. Standarddepot für Menschen mit wenig Vorwissen Altersvorsorgeverträge sollen demnach künftig auch als einfacheres, sogenanntes Standardprodukt abgeschlossen werden können. Dieses soll von einem öffentlichen Träger angeboten werden und den Einstieg in die private Vorsorge für Menschen mit wenig Wissen über den Kapitalmarkt erleichtern. Die Kosten aller Standarddepots über die gesamte Vertragslaufzeit sollen auf ein Prozent der Effektivkosten gedeckelt werden. Im ursprünglichen Entwurf war noch von 1,5 Prozent die Rede gewesen. Die genaue Ausgestaltung des Produkts soll in weiteren Beratungen bestimmt werden. Der Hauptgeschäftsführer des Versicherungsverbandes GDV, Jörg Asmussen, kritisierte, private Vorsorgeprodukte sollten nicht durch einen Staatsfonds verdrängt werden. ​Thomas Richter vom Fondsverband BVI äußerte sich ähnlich. Es sei kein fairer Wettbewerb möglich, ⁠wenn Verwaltung und Vertrieb mit Steuergeldern ​quersubventioniert würden. Die Verbraucherzentrale Bundesverband sprach dagegen von einem Meilenstein und teilte mit: "Ab jetzt ‌muss es bei der Umsetzung darum gehen, das neue Standardprodukt und den Zugang dazu so verbraucherfreundlich wie möglich zu machen." Start für 2027 geplant In Zukunft soll bei einem monatlichen Ansparbetrag von bis zu 30 Euro eine Grundzulage von 50 Cent pro angespartem Euro vom Staat bezuschusst werden. Für höhere Sparbeträge bis 150 Euro sind 25 Cent Grundzulage vorgesehen. Schon ab einem monatlichen Sparbetrag von 25 Euro soll es demnach den vollen Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr geben. Bereits am Donnerstag soll das Gesetz im Bundestag beschlossen werden. Ab Januar 2027 sollen die neuen Vorsorgeverträge abgeschlossen werden können. In Deutschland gibt es rund ​15 Millionen Verträge zur privaten Altersvorsorge. Seit 2018 ist die Zahl leicht rückläufig. Nachfrage gab es vor allem in der ‌Zeit nach der Einführung im Jahr 2002. Die ‌bisherigen Riester-Policen gelten als wenig flexibel, mit vergleichsweise hohen Nebenkosten und geringen Renditen.