Zeit 29.03.2026
08:07 Uhr

No Kings: Millionen US-Amerikaner protestieren gegen die Regierung


Unter dem Motto "No Kings" haben in den USA erneut landesweit Menschen gegen die Trump-Regierung protestiert. Die Veranstalter sprachen von acht Millionen Teilnehmern.

No Kings: Millionen US-Amerikaner protestieren gegen die Regierung
In den USA haben unter dem Motto "No Kings" (Keine Könige) abermals landesweit Hunderttausende Menschen gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump protestiert. In mehr als 3.000 Orten über alle 50 Bundesstaaten hinweg gab es nach Angaben der Organisatoren Protestmärsche. Zwei Drittel der Kundgebungen fanden demnach außerhalb ⁠der Großstädte statt. Die Veranstalter sprachen von insgesamt mindestens acht Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die US-Behörden haben bisher keine Schätzung über die Teilnehmerzahlen veröffentlicht. Es waren die dritten landesweiten Demonstrationen unter diesem Motto seit dem Amtsantritt Trumps im Januar vergangenen Jahres. Proteste in zahlreichen US-Städten Ein Zentrum der Proteste waren die Zwillingsstädte Minneapolis und St. Paul im Bundesstaat Minnesota. Auch der Rockstar Bruce Springsteen trat dort auf und sang vor Zehntausenden Menschen seinen Protestsong Streets of Minneapolis im Gedenken an die Tötung der beiden US-Bürger Renée Good und Alex Pretti durch Beamte der Einwanderungspolizei ICE und des US-Grenzschutzes. "Ihre Tapferkeit, ihr Opfer und ihre Namen werden nicht vergessen werden", sagte Springsteen an die Menge gerichtet. Tim Walz, Gouverneur von Minnesota und demokratischer Vize-Präsidentschaftskandidat von 2024, sagte auf der Kundgebung, die Demonstranten seien mit ihrem Widerstand gegen Trump "das ​Herz und die Seele" von allem Guten in den USA. Auch Senator Bernie Sanders trat auf. "Wir werden nicht zulassen, dass dieses Land in Autoritarismus oder Oligarchie versinkt", sagte er. "Wir, das Volk, werden herrschen." "Bedrohung für unsere Freiheiten und unsere Sicherheit" In der US-Hauptstadt Washington, D. C. waren bereits am Morgen Zehntausende Menschen über die Memorial Bridge in Richtung Innenstadt gezogen. Viele versammelten sich am Lincoln Memorial, wo einst auch der Bürgerrechtler Martin Luther King seine berühmte Rede mit dem Ausruf "I Have a Dream" gehalten hatte. In New York versammelten sich in Manhattan Zehntausende Menschen. Der Schauspieler und Mitorganisator Robert De Niro sagte dort: "Es gab andere Präsidenten, die die verfassungsmäßigen Grenzen ihrer Macht ausgetestet haben. Aber keiner war eine derart existenzielle Bedrohung für unsere Freiheiten und unsere Sicherheit." Die Organisatoren, ein Bündnis verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen, sprachen laut Medienberichten von einer der größten Protestmobilisierungen in der Geschichte des Landes. An den letzten "No Kings"-Demonstrationen im Oktober sollen Schätzungen zufolge rund sieben Millionen Menschen teilgenommen haben. Viele Teilnehmende brachten ihre Unzufriedenheit mit der rigorosen Abschiebepolitik der Regierung und den umstrittenen ICE-Einsätzen zum Ausdruck. Auch der Krieg gegen den Iran stand im Zentrum der Proteste. Wie schon bei den vergangenen "No Kings"-Märschen richtete sich der Unmut der Demonstrantinnen und Demonstranten auch gegen Korruption und die Aushöhlung der Demokratie in den USA. "Trump will wie ein Tyrann über uns herrschen. Aber dies ist Amerika, und die Macht liegt beim Volk – nicht bei Möchtegernkönigen oder ihren milliardenschweren Kumpanen", teilten die Organisatoren vorab mit. Zusammenstöße am Rande der Proteste In Dallas kam es zu Zusammenstößen zwischen "No Kings"-Demonstranten und Gegendemonstranten. ​Eine Gruppe von Gegendemonstranten wurde von Enrique Tarrio angeführt, dem früheren Chef der rechtsextremen Organisation Proud Boys. Als einige von ihnen Straßen blockierten, entwickelten sich kleinere Handgemenge, die Polizei nahm daraufhin mehrere ‌Personen fest. Auch in Los Angeles kam es nach Angaben ‌der Behörden zu Ausschreitungen am Rande der Proteste. Laut dem Heimatschutzministerium umstellten rund 1.000 Demonstranten ein Bundesgebäude. Zwei Personen seien in Gewahrsam genommen ​worden, nachdem sie Beamte mit Betonsteinen angegriffen und verletzt hätten. Die Polizei von Los Angeles meldete zudem weitere Festnahmen in der Nähe eines Bundesgefängnisses. Sicherheitskräfte hätten dort Tränengas eingesetzt, nachdem Demonstranten Gegenstände über einen Zaun geworfen hätten. US-Regierung verunglimpft Demonstrierende Die US-Regierung spielte die Bedeutung der Proteste herunter. Sprecherin Abigail Jackson teilte mit, nur Journalisten interessierten sich dafür. Es ‌handele sich um Therapiesitzungen für Menschen, die am sogenannten Trump-Derangement-Syndrom litten. Mit dem Begriff unterstellen Trump-Anhänger Kritikern des Präsidenten, ​dass diese jegliches Urteilsvermögen verloren hätten und Trump daher irrational und geradezu hysterisch ablehnten. Auch außerhalb der USA gab es Solidaritätskundgebungen. In Deutschland fanden unter anderem Demonstrationen in Berlin, Hamburg und München statt. Auch in Paris, Rom und Madrid protestierten Menschen gegen die US-Regierung.