Zeit 27.03.2026
18:14 Uhr

Kritik am Kulturstaatsminister: Weimer soll erneut in Jury-Entscheidung eingegriffen haben


Bei der Vergabe von Fördergeldern soll der Kulturstaatsminister erneut eine Jury übergangen haben. Grüne und Linke sprechen von einem Eingriff in die Kunstfreiheit.

Kritik am Kulturstaatsminister: Weimer soll erneut in Jury-Entscheidung eingegriffen haben
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat einem Medienbericht zufolge erneut in die unabhängige Entscheidung einer Jury im Kulturbereich eingegriffen. Einer Recherche der Süddeutschen Zeitung zufolge revidierten Vertreter des Beauftragten für Kultur und Medien die Auswahl der Jury des Hauptstadtkulturfonds (HKF). Sie stellten demnach die von der Jury gewollte Förderung eines Übersetzungsprojekts palästinensischer Autoren zurück. Eine Sprecherin Weimers sagte, man könne sich nicht zu Einzelfallentscheidungen äußern. Grundsätzlich gelte, dass die Empfehlungen der Jury des Hauptstadtkulturfonds nicht bindend seien. Die Jury des HKF hatte ohne Nennung des genauen Falls am Donnerstag eine Stellungnahme veröffentlicht. "Unabhängige Jurys sind in der öffentlichen Kulturförderung kein symbolisches Beiwerk, sondern ein institutioneller Schutz der Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 GG", heißt es darin. "Wer solche Jurys nachträglich korrigiert, delegitimiert oder politisch übersteuert, greift nicht nur einzelne Entscheidungen an, sondern unterläuft den Schutzraum freier Kunst." Der Fonds fördert kulturelle Projekte und Veranstaltungen in verschiedenen künstlerischen Bereichen. Die Kulturminister und -senatoren aus Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Saarland (alle SPD) forderten in einer gemeinsamen Erklärung, bei Förderentscheidungen auf öffentliche Richtlinien und unabhängige Jurys zu vertrauen. "So wird sichergestellt, dass die staatliche Kulturverwaltung nicht inhaltlich auf die konkreten Projekte oder die Förderentscheidungen Einfluss nimmt", schrieben sie. Kritik aus der Opposition Sven Lehmann (Grüne), der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, kritisierte Weimer für den Eingriff in die Jury-Entscheidung. "Damit höhlt er den Grundsatz der Staatsferne aus, der für die Kulturförderung in einer Demokratie überlebenswichtig ist", sagte er. Solange die Kunstfreiheit gelte, habe sich der Kulturstaatsminister zurückzuhalten. "Die derzeit stattfindenden Eingriffe sind mehr als nur punktuelle Zufälle. Es entsteht der Eindruck, die Regierung versuche, unliebsame Akteure auszusortieren." Das unterwandere etablierte Instrumente staatsferner Kunstförderung und schaffe ein Klima von Angst, Misstrauen und Selbstzensur. Linken-Politiker David Schliesing sagte, Weimer greife gezielt und systematisch in die Kunstfreiheit ein. "Ich erwarte, dass jetzt endlich die SPD auf den Tisch haut und den Bundeskanzler dazu zwingt, Weimer zu stoppen." Die Regierung müsse sich jetzt klar und unmissverständlich dazu bekennen, jegliche politische Einflussnahme in der Kulturförderung zu unterlassen. Weimer stand zuletzt in der Kritik, weil er drei linke Buchläden wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" von der Liste des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen hatte. Die Auswahl hatte ebenfalls eine unabhängige Jury getroffen. Daraufhin wurde er auf der Leipziger Buchmesse ausgebuht . Ein Buchladen forderte eine Unterlassungserklärung und stellte einen Eilantrag gegen Weimer .