Zeit 26.03.2026
16:40 Uhr

KI im Alltag der Zukunft: Die Sicherheitslücke in der Hosentasche


Elon Musk plant mit Science-Fiction. Der Digitalminister denkt über Grundeinkommen nach. Und KI-Agenten lassen sich jetzt auch übers Smartphone steuern. Der KI-Newsletter

KI im Alltag der Zukunft: Die Sicherheitslücke in der Hosentasche
Es überrascht Sie sicherlich nicht, dass wir auch heute wieder AGI erreicht haben, also die generelle künstliche Intelligenz, die mindestens ebenso schlau ist wie Menschen und die uns wahlweise die Arbeit wegnimmt oder auch die Welt in den Untergang führt. Fast jeder KI-Promi hat schon vor ihr gewarnt oder verkündet, dass sie schon da sei. Diese Woche Jensen Huang, der CEO von Nvidia, der in einem Podcast sagte : "Ich denke, wir haben AGI erreicht." Und ja klar: Nvidia muss an die große KI-Zukunft glauben, schließlich stellt es die Chips her, auf deren Basis künstliche Intelligenz (KI) trainiert wird. Klar ist aber auch: Das ist Unsinn. Es zeigt vor allem, dass in der KI-Branche derzeit nicht in Jahren gedacht wird (und ja, auch das hat schon fast jeder gesagt, der etwas auf sich hält) – sondern in Schlagzeilen. Bevor es weitergeht, eine Frage: Gefällt Ihnen "Natürlich intelligent"? Wir freuen uns über Ihre Meinung! Zu einer kurzen Umfrage geht es hier . Das müssen Sie wissen: Musk will eine riesige Chipfabrik bauen Das mit den Schlagzeilen hat auch Elon Musk verinnerlicht. Er hat angekündigt, dass seine Firma künftig selbst Computerchips produzieren will. Das Projekt ist so abenteuerlich, dass man sich fragt, ob es aus einem Science-Fiction-Roman stammt. In seiner "Terafab" sollen Chips entstehen, die die "Grenzen der Physik verschieben"; es gebe da "interessante Ideen", sagte Musk, als er den Bau der Fab in Austin ankündigte . Es sei "das grandioseste (most epic) Chip-Bauvorhaben der Geschichte." Doch damit nicht genug. Ein erheblicher Teil dieser Rechenleistung soll laut Musk gleich ins All verlagert werden. Es gehe darum, die Menschheit in eine "galaktische Zivilisation" zu verwandeln. Also ja, Science-Fiction. Und das zeigt sich auch bei den Zahlen. Musk spricht von einem Terawatt Rechenkapazität pro Jahr, angeblich mehr, als die gesamte Chipindustrie heute produziert. Spätestens hier wird klar, dass das nicht passieren wird. Wer sich einmal ernsthaft mit der Halbleiterproduktion beschäftigt hat – etwa in Taiwan, wo die modernsten Chips entstehen –, weiß, wie extrem komplex, teuer und fragil diese Lieferketten sind. Fabriken kosten Milliarden, sie brauchen Jahre bis zur Fertigstellung und hängen an hochspezialisierten Maschinen, Materialien und Know-how, das sich nicht einfach einkaufen lässt. Hier wird bereits an der Grenze der Physik gearbeitet. Elon Musk hingegen ist bisher nicht mit besonders tiefgehenden Physikkenntnissen aufgefallen. Darüber sollten Sie nachdenken: Digitalminister bringt das Grundeinkommen ins Spiel Einen überraschenden Meinungsumschwung hat Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) hingelegt. Er erwarte dramatische Veränderungen in der Arbeitswelt in Deutschland durch KI, sagte er vor ein paar Tagen in einem Interview . Und: Ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte diese Umwälzungen zumindest teilweise auffangen. Wer hat ihn auf diese Idee gebracht? Noch im Dezember hatte Wildberger im ZEIT-Interview auf die Frage, ob es ein bedingungsloses Grundeinkommen brauche, ausweichend geantwortet: "Auf der Suche nach Lösungen darf es keine Denkverbote geben." Möglicherweise hat er daraufhin seine eigenen Denkverbote aufgeweicht. Vielleicht hat er auch den Leitartikel meines Kollegen Jakob von Lindern gelesen, der Ende Februar schrieb: "Man mag Ideen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen oder eine Robotersteuer für naiv halten, aber dann muss man andere Antworten finden auf die Frage, wie ein neuer Gesellschaftsvertrag aussehen soll, der alle an den Vorteilen beteiligt." Sollte Wildberger in den vergangenen drei Wochen über diese Antworten nachgedacht haben und zu dem Schluss gekommen sein, dass die Idee mit dem Grundeinkommen vielleicht doch einer der naheliegendsten Lösungsansätze ist? Allein ausreichen würde das allerdings nicht, warnt der Digitalminister. Schließlich brauche der Mensch eine sinnstiftende Tätigkeit. "Kaum jemand kann doch nur zu Hause sitzen und Videos schauen, ohne verrückt zu werden." Das können Sie ausprobieren (sollten Sie aber vielleicht nicht): Claude Dispatch KI macht die Arbeit für uns, und wir müssen nicht einmal mehr vor dem Computer sitzen! So klingt die aktuelle Meldung der US-Firma Anthropic: Deren Tool Claude Cowork, "die agentische KI für Wissensarbeit", wie die Firma großspurig schreibt, kann man jetzt vom Handy aus steuern. Das heißt, wenn Sie künftig gemütlich im Café in der Sonne sitzen, während Ihr Heer von KI-Agenten für Sie arbeitet, müssen Sie nicht einmal mehr den Laptop öffnen. "Dispatch" auf dem Handy einrichten, und alles ist gut. Gut, eventuell bekommen Sie dann nicht mit, wenn Ihr Agent falsch abbiegt, sich von einem Prompt-Injection-Angriff in die Irre führen lässt und Ihre sensiblen Daten an den chinesischen Geheimdienst schickt. Aber na ja, mit Nichtwissen schmeckt wenigstens der Kaffee besser. Im Ernst: Szenarien wie sogenannte Prompt-Injection-Angriffe sind keine Schwarzmalerei. Wieder und wieder demonstrieren ethische Hackerinnen und Hacker, dass sich generative KI-Systeme mittels manipulierter Webseiten oder E-Mails übernehmen lassen. Je mehr Zugriff Agenten auf Daten und Systeme haben, umso einfacher ist es für Angreifer, Agenten zu "überreden", die Daten weiterzureichen. Dieses Problem, so sagte mir ein Sicherheitsforscher schon ganz zu Beginn des KI-Hypes, liege in der Natur der Systeme und sei nie gänzlich auszumerzen. Jedes Mal, wenn ich seither hingeschaut habe, hat das noch gestimmt . Erst kürzlich haben Wissenschaftler ein großes Chaos mit KI-Agenten angerichtet, die private Informationen leakten, ungefragt E-Mails verschickten und schließlich einen ganzen E-Mail-Server löschten. Insofern würde ich Ihnen raten, KI-Agenten besser nicht zu viel Zugriff zu geben. Das heißt allerdings auch, dass Sie vorerst Ihre Arbeit selbst erledigen müssen. Auf den Platz an der Sonne müssen Sie deshalb noch lange nicht verzichten. Ich persönlich sitze ganz gerne mit Laptop im Café.