Zeit 23.03.2026
14:25 Uhr

Israel: Johann Wadephul verteidigt Steffen Seibert gegen israelische Kritik


Nach Kritik aus Israel hat sich der Außenminister hinter Steffen Seibert gestellt. Dessen Aufgabe sei es, auch Themen anzusprechen, "bei denen wir Differenzen haben".

Israel: Johann Wadephul verteidigt Steffen Seibert gegen israelische Kritik
Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat dem deutschen Botschafter in Tel Aviv, Steffen Seibert, nach Kritik aus Israel den Rücken gestärkt. "Es ist ganz klar, dass es auch die Aufgabe unseres Botschafters ist, Themen anzusprechen, bei denen wir Differenzen haben", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Wadephul habe am Sonntagabend mit seinem israelischen Amtskollegen telefoniert und ihn überzeugt, dass der Botschafter ein deutlicher Unterstützer Israels sei und Deutschland fest an der Seite Israels stehe. Gleichzeitig sagte Wadephul, dass Israel entschiedener gegen Siedlergewalt vorgehen müsse. Israels Außenminister Gideon Saar hatte Seibert vorgeworfen, zu einseitig Siedlergewalt in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten im Westjordanland zu kritisieren. Seibert hatte am Sonntag in einem Beitrag auf X den Opfern eines Raketenangriffs der Hisbollah im Norden Israels sein Mitgefühl ausgesprochen, bei dem ein Mensch getötet und viele Menschen verletzt worden waren. Gleichzeitig kritisierte er die Gewalt israelischer Siedler in palästinensischen Dörfern. "Gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter kommt" "Seine Fixierung auf die in Judäa und Samaria lebenden Juden hindert ihn daran, auch nur den Tod eines Juden durch einen Palästinenser zu verurteilen," schrieb Außenminister Saar daraufhin. Judäa und Samaria sind die biblischen Namen für das Westjordanland. Es sei gut zu wissen, dass Seibert bald durch einen neuen Botschafter ersetzt werde, "der die deutsch-israelischen Beziehungen stärken wird", schrieb Saar weiter. Das israelische Außenministerium warf Seibert fehlende Empathie für Israel vor. Seiberts Amtszeit endet im Sommer. Der Sprecher des Auswärtigen Amts teilte derweil mit, die deutsch-israelischen Beziehungen stünden auf einer sehr breiten Basis und seien von großem gegenseitigen Vertrauen geprägt, auch zwischen den beiden Außenministern . Wadephul habe in dem Gespräch mit seinem Amtskollegen auch Anteilnahme für die vielen Opfer durch die iranischen Raketenangriffe ausgedrückt. Gewalt israelischer Siedler nimmt zu Das Westjordanland gehört zu den Gebieten, die nach dem Wunsch der Palästinenser künftig als Teil einer Zweistaatenlösung in einem eigenständigen Palästinenserstaat neben Israel aufgehen sollen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu , der sich dieses Jahr Parlamentswahlen stellen muss, lehnt ein eigenständiges Palästina ab. Hardliner seiner Regierungskoalition beanspruchen das Westjordanland für sich. Das israelische Sicherheitskabinett hatte zuletzt eine Ausweitung israelischer Siedlungen im Westjordanland genehmigt. Die Entscheidung widerspreche "Israels völkerrechtlichen Verpflichtungen", hatte ein Sprecher des Auswärtigen Amts damals kritisiert. Auch die Vereinten Nationen, die Europäische Union sowie zahlreiche Länder, darunter Kanada und Australien, prangerten den Beschluss an. In dem Gebiet leben neben drei Millionen Palästinensern etwa 500.000 Menschen aus Israel in Siedlungen, die nach internationalem Recht illegal sind. Die Gewalt durch israelische Siedler gegen Palästinenser nahm 2025 laut der israelischen Armee deutlich zu.