Zeit 27.03.2026
13:07 Uhr

Invasive Art: Nadelameise aus Asien erstmals in Deutschland entdeckt


Sie kann heimische Insekten verdrängen und Menschen schmerzhafte Stiche zufügen: Biologen haben in Stuttgart eine Kolonie der Asiatischen Nadelameise gefunden.

Invasive Art: Nadelameise aus Asien erstmals in Deutschland entdeckt
Diese Ameisenart ist gefürchtet. Nicht nur in Deutschland, wo sie heimische Ameisen verdrängen könnte. Sondern auch in Ostasien, wo sie ursprünglich herkommt. Denn ihre Bisse können bei Menschen heftige Reaktionen auslösen – bis zum allergischen Schock. Was Forschende schon länger gefürchtet hatten, ist nun eingetreten: Die Asiatische Nadelameise (Brachyponera chinensis) ist bis nach Deutschland vorgerückt. In einem Park in Stuttgart fanden Biologen eine ganze Kolonie der invasiven Ameisenart. Bereits im letzten Sommer, im Juni 2025, entdeckten Insektenforscher um Brendon Boudinot vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt die Nadelameise im Stuttgarter Rosensteinpark, der das Naturkundemuseum der Stadt beherbergt und an einen Botanischen Garten grenzt. Jetzt erschien im Fachjournal Zootaxa die wissenschaftliche Arbeit zu dem Fund. Erster gesicherter Nachweis in Deutschland "Wir konnten in dem Park eine vollständige Kolonie der Asiatischen Nadelameise mit Nachwuchs entdecken", berichtet Boudinot in einer Pressemitteilung des Senckenberg Forschungsinstituts : "Das zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne eingeschleppte Tiere handelt, sondern sehr wahrscheinlich um eine lokale überwinterungsfähige Population." Damit liege der erste gesicherte Nachweis dieser Art in Deutschland vor. Und es bedeute, dass sich die Ameise hierzulande bereits etabliert habe. Die Asiatische Nadelameise stammt aus Ostasien. Im Südosten der Vereinigten Staaten wurde sie 1932 zum ersten Mal außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraums gefunden. Vermutlich reiste sie mit dem Warenverkehr von Pflanzen, etwa auf Frachtschiffen, übers Meer auf andere Kontinente. Seitdem hat sie sich in mehreren US-Bundesstaaten ausgebreitet und dort auch einheimische Ameisenarten zurückgedrängt. In Europa wurde die Ameise erstmals 2020 in Neapel nachgewiesen, später wurden weitere Exemplare in Italien, unter anderem am Comer See, entdeckt. Die Europäische Union nahm die Asiatische Nadelameise 2025 in ihre Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten auf, die eine Gefährdung für Mensch und Umwelt darstellen können – und deshalb aktiv an einer weiteren Ausbreitung gehindert werden sollen. Gerade invasive Ameisen richten weltweit große Schäden an: Sie untergraben Parks, Bauwerke und Gärten, greifen Nutztiere an, verdrängen heimische Tiere und Pflanzen. Einige sind so giftig, dass sie auch Menschen gefährlich werden. Als blinde Passagierin eingereist Auch nach Stuttgart könnte es die Nadelameise als Mitreisende in Topfpflanzen geschafft haben, vermuten die Wissenschaftlerinnen und Forscher. "Dass wir im Rosensteinpark geflügelte Königinnen gefunden haben, zeigt, dass sich die Ameisen hier bereits selbst weiter verbreiten könnten", sagte Maura Haas-Renninger vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, eine der Mitautorinnen der Arbeit. Dass sie jetzt überhaupt entdeckt wurde, begann mit einem Zufallsfund. Bei einem Besuch im Stuttgarter Zoo Wilhelma, knapp zwei Kilometer vom Rosensteingarten, fielen dem Biologiestudenten Max Härtel und seiner Mutter eine ungewöhnlich aussehende Ameise auf. Zurück an der Universität Hohenheim bestimmte Härtel seinen Fund als Asiatische Nadelameise. Einige Zeit später fanden die Senckenbergforscher, unter anderem mithilfe von Hinweisen aus der Bevölkerung, auch die Kolonie in dem Stuttgarter Park. Wer eine ungewöhnliche Ameise – oder andere, seltsam aussehende Tiere und Pflanzen entdeckt – kann diese Forschenden melden. Die Bundesländer bieten dazu jeweils eigene Citizen-Science-Portale im Netz an. Mit Material der Nachrichtenagentur dpa