Zeit 26.03.2026
14:59 Uhr

Internationales Olympisches Komitee: IOC schließt trans Frauen von olympischen Frauenwettbewerben aus


Das IOC will die Frauenkategorie im Olympischen Sport nach eigener Darstellung "schützen". Dafür sollen Sportlerinnen künftig einen Geschlechtertest durchlaufen müssen.

Internationales Olympisches Komitee: IOC schließt trans Frauen von olympischen Frauenwettbewerben aus
Sportlerinnen müssen sich dem Internationalen Olympischen Komitee zufolge künftig Geschlechtertests unterziehen, um an internationalen Frauen-Wettbewerben teilnehmen zu dürfen. Trans Frauen werde ein Start in der Frauenkategorie künftig untersagt, teilte das IOC mit. Die neue Richtlinie ist das Ergebnis einer von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry eingesetzten Arbeitsgruppe zum "Schutz der Frauenkategorie". Das Komitee stellte die Maßnahmen vor, die die Frauenkategorien im olympischen Sport "schützen" sollen. Demnach dürften nur noch "biologische Frauen" in der entsprechenden Kategorie teilnehmen, was durch einen einmaligen SRY-Gentest ermittelt werde. Die Richtlinie soll ab den Olympischen Spielen 2028 gelten. Sie gelte jedoch nicht rückwirkend und finde keine Anwendung im Breiten- oder Freizeitsport, teilte das IOC mit. Das IOC ist der Ansicht, dass das "Vorhandensein des SRY-Gens lebenslang unverändert bleibt" und einen zuverlässigen Nachweis darstelle, ob ein Athlet eine "männliche Geschlechtsentwicklung" durchlaufen habe. Weiter sei die Untersuchung auf das SRY-Gen mittels Speichel, Wangenabstrich oder Blutprobe im Vergleich zu anderen möglichen Methoden nicht invasiv, teilte das IOC mit. Debatte um Imane Khelif und Lin Yu-ting Auslöser für die verschärfte Politik der olympischen Dachorganisation war die Debatte um Wettbewerbe im Boxen der Frauen bei den Sommerspielen in Paris 2024. Im Zentrum standen die Olympiasiegerinnen Imane Khelif und Lin Yu-ting. Beide waren zuvor vom Weltverband IBA von der WM ausgeschlossen worden, da sie auf der Basis eines nicht näher erklärten Geschlechtertests angeblich die Teilnahmekriterien nicht erfüllt hatten. Bei Olympia durften beide jedoch starten. Der damalige IOC-Präsident Thomas Bach sagte unter Verweis auf die damals geltenden Regeln: "Es bestand nie ein Zweifel daran, dass sie Frauen sind." Khelif betonte zuletzt auch: "Ich bin keine Transsexuelle, ich bin ein Mädchen." Khelif kündigte bereits vor der Neuregelung des IOC an, sich vor Olympia 2028 in Los Angeles einem Geschlechtertest zu unterziehen. Laut der neuen IOC-Richtlinie müssen Athletinnen nur einmal den Test vornehmen lassen, sofern es keine Zweifel am Ergebnis gibt. Danach seien sie dauerhaft für Wettbewerbe zugelassen, hieß es. Kritik an den Tests Unter den Athletinnen gehen die Meinungen über das Vorgehen auseinander, viele deutsche Sportlerinnen äußerten sich kritisch. Eine große Gruppe von Menschenrechtsorganisationen hatte das IOC schon vorab mit scharfen Worten aufgefordert, die Regel nicht in Kraft zu setzen. Die Kritiker verweisen darauf, dass die Tests die Privatsphäre verletzen würden. Die bloße Fokussierung auf biologische Merkmale werde zudem der Komplexität der Geschlechtsidentität nicht gerecht. "Geschlechtsspezifische Kontrollen und Ausgrenzung schaden allen Frauen und Mädchen und untergraben genau jene Würde und Fairness, für die sich das IOC angeblich einsetzt", sagte die Direktorin der Sport & Rights Alliance, Andrea Flores. Schon früher gab es in der olympischen Welt Geschlechtertests. So führte das IOC vor den Olympischen Spielen 1968 Abstrich-Tests zur Bestimmung der Geschlechts-Chromosomen ein. Nach Problemen und Widerständen stellte das IOC die generelle Testung 1999 ein.