|
22.03.2026
09:50 Uhr
|
Seit Ende 2015 ist die Zahl der Geschäfte in Deutschland um rund 70.000 zurückgegangen. Die Menschen sparten, sagen die Händler. Und der Onlinehandel setzt vielen zu.

Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland dürfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. Das zeigt eine Schätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE). Für 2026 erwartet der Verband einen Rückgang um weitere 4.900 auf dann noch 296.600. In der Prognose sind Schließungen und Neueröffnungen berücksichtigt. Seit der Wiedervereinigung lag die Zahl der Geschäfte laut HDE nie unter 300.000. Ende 2015 gab es noch etwa 372.000 Läden. Besonders während der Coronapandemie sank die Zahl: 2021 um 11.500, 2022 um 11.000. Im vergangenen Jahr ging sie um 4.500 auf rund 301.500 zurück. Auch der Onlinehandel setzt den stationären Händlern zu. Verbraucher weiterhin zurückhaltend Die Branche hat ein durchwachsenes Jahr hinter sich: Der Onlinehandel legte 2025 laut HDE preisbereinigt um 3,5 Prozent zu, doch die Umsätze im stationären Handel stagnierten. Einer Händlerumfrage des Verbandes aus dem Januar zufolge schätzen nur 14 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut ein. Jedes Zweite erwartet 2026 sinkende Umsätze. Das größte Problem ist der Befragung nach, dass viele Menschen beim Einkaufen weiterhin zurückhaltend seien. HDE-Präsident Alexander von Preen warnt: "Viele Innenstädte leiden heute schon sichtlich unter Leerständen . So kann und darf es nicht weitergehen." Die Lage sei vor allem bei vielen mittelständischen Händlern ernst. "Das Umfeld mit der seit Jahren vor sich hin dümpelnden Konsumlaune ist schwierig", so von Preen. Die Politik sei in der Pflicht, Kosten bei Energie und Beschäftigung zu senken. Die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel befindet sich auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. 2025 verzeichnete der Kreditversicherer Allianz Trade 2.571 Insolvenzen, im Vorjahr waren es noch 2.291. Zuletzt waren unter anderem der Schuhhändler Görtz, der Modehersteller Gerry Weber und der Herrenausstatter Wormland betroffen. Der Hemdenhersteller Eterna stellt im Sommer insolvenzbedingt seinen Betrieb ein. Andere Unternehmen wie der Dekohändler Depot und der Discounter Kodi haben ihre Filialnetze deutlich verkleinert.