Zeit 26.03.2026
15:32 Uhr

Güterverkehr: Keine Schwerlasttransporte mehr über die Köhlbrandbrücke


Güterverkehr: Keine Schwerlasttransporte mehr über die Köhlbrandbrücke
Über die Hamburger Köhlbrandbrücke dürfen ab 1. Mai keine genehmigungspflichtigen Schwertransporte mit einem Gewicht von über 44 Tonnen mehr fahren. Die Belastung der 1974 eröffneten Brücke müsse verringert werden, teilte die Wirtschaftsbehörde mit. Ziel sei es, bis zur Inbetriebnahme einer neuen Brücke den Weiterbetrieb für den Güterverkehr aufrechtzuerhalten. Einschränkungen für Autos und Lastwagen mit einem Gewicht von unter 44 Tonnen ergäben sich daraus nicht. Die für den Hafen wichtige Köhlbrandbrücke wird täglich von rund 32.000 Fahrzeugen genutzt. Seit 2012 gilt auf der Brücke bereits ein Überholverbot für Lastwagen, Anfang 2019 ordnete die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) zudem ein Abstandsgebot für Lkw von 50 Metern an. Bedenkliche Zunahme von Schäden Die Ergebnisse der aktuellen Bauwerksprüfung zeigten eine bedenkliche Zunahme der Schadensdynamik an den Längsrippen der Brücke. Auch im Bereich der Rampen seien vermehrt Risse und Abplatzungen sowie deutlich verschlechterte Materialeigenschaften festgestellt worden. Ein einziger Schwerlasttransport könne eine mehr als tausendfache Schädigung eines normalen Lastwagens verursachen, hieß es. Basierend auf einer umfangreichen fachlichen Bewertung durch die HPA und externer Fachleute sei die Verringerung der Belastung zwingend, um den Weiterbetrieb der Köhlbrandbrücke zu gewährleisten. Tausende Containertransporter nutzen die Brücke täglich auf ihrem Weg von den Hafenterminals zur A7 oder zur A1. Lastwagen mit Ladung dürfen normalerweise nicht schwerer als 40 Tonnen sein. Im sogenannten kombinierten Verkehr, bei dem Güter überwiegend mit der Bahn oder dem Schiff und nur eine kurze Strecke mit dem Lkw transportiert werden, beträgt das zulässige Gesamtgewicht nach Angaben des Bundesamtes für Logistik und Verkehr 44 Tonnen. Transporte, die noch schwerer sind, brauchen eine besondere Genehmigung und dürfen nur bestimmte Strecken nutzen. Unternehmer: Einschränkung gravierend und dramatisch Die Einschränkung stelle Unternehmen, die sich auf den Umschlag von schweren Stückgütern spezialisiert haben, vor große Herausforderungen, erklärte der Unternehmensverband Hafen Hamburg. Die wichtigste und kürzeste Verbindung zwischen dem östlichen und westlichen Hafen stehe für den genehmigungspflichtigen Schwerlastverkehr nicht mehr zur Verfügung. "Die erneuten gravierenden Einschränkungen an der Köhlbrandbrücke sind für den Hafen dramatisch und machen deutlich, dass wir schnell handeln müssen und zeitnah eine neue Köhlbrandbrücke dringend brauchen", erklärte Verbandspräsident Rainer Fabian. Weitere Einschränkungen wären für den gesamten Wirtschaftsverkehr fatal und würden zu einem Verkehrskollaps führen. CDU fordert mehr Tempo bei Neubau-Planung "Der Senat muss jetzt noch dringender dafür sorgen, die neue Köhlbrandbrücke schnellstmöglich fertig zu planen und den Bau umzusetzen", erklärte der Vorsitzende des Industrieverbands Hamburg, Andreas Pfannenberg. Die Unterhaltungskosten für die alte Köhlbrandbrücke werden nach seiner Einschätzung enorm ansteigen. "Dieses Geld ist sinnvoller in den schnelleren Neubau investiert", meinte Pfannenberg. CDU-Fraktionschef Dennis Thering erklärte: "Wenn man sieht, wie langsam der notwendige Neubau von diesem rot-grünen Senat und der SPD-geführten Wirtschaftsbehörde vorangetrieben wird, kann einem nur angst und bange werden." Der Senat müsse die Planungen drastisch beschleunigen. "Wenn es so weitergeht, steht am Ende im schlechtesten Fall noch eine komplette Sperrung der Köhlbrandbrücke und ein Neubau, der weiterhin auf sich warten lässt", befürchtet der Oppositionschef. Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne), der am Donnerstag an einer Ministerkonferenz am Bodensee teilnahm, wollte sich zur Köhlbrandbrücke nicht äußern. Für die Brücke sei die Wirtschaftsbehörde zuständig, erklärte ein Sprecher von Tjarks. Die HPA hat für dieses Jahr sechs Wochenend-Vollsperrungen der Brücke für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten angekündigt. Die erste Sperrung ist für das Wochenende 15. bis 18. Mai geplant. © dpa-infocom, dpa:260326-930-868869/3