Zeit 25.03.2026
17:39 Uhr

Großbritannien: Ex-Google-Manager wird Senderchef der BBC


Matt Brittin übernimmt die Leitung der britischen Rundfunkanstalt BBC. Der frühere Manager tritt die Nachfolge von Tim Davie an, der nach einer Kontroverse zurücktrat.

Großbritannien: Ex-Google-Manager wird Senderchef der BBC
Der frühere Manager des US-Konzerns Google, Matt Brittin, wird neuer Senderchef der britischen Rundfunkanstalt BBC . Der 57-Jährige soll das Amt im Mai übernehmen, teilte die BBC mit. Brittin tritt die Nachfolge von Tim Davie an, der im November zurückgetreten war. Auslöser des Rücktritts war eine Kontroverse um die Bearbeitung einer Rede von US-Präsident Donald Trump. Eine damit zusammenhängende Klage auf zehn Milliarden US-Dollar Schadenersatz soll 2027 in den USA verhandelt werden. "Gerade jetzt brauchen wir mehr denn je eine florierende BBC, die für alle in einer komplexen, unsicheren und sich schnell verändernden Welt funktioniert", zitierte die BBC Brittin. Die Rundfunkanstalt sei "ein außergewöhnliches, einzigartiges britisches Gut"; er fühle sich geehrt, die Leitung zu übernehmen. Der Brite arbeitete den Angaben zufolge seit 2007 bei Google und war ab 2014 als Präsident für den Bereich Business & Operations für Europa, den Nahen Osten und Afrika zuständig. 2025 trat er von seinem Posten zurück und nahm sich nach eigenen Worten eine Auszeit. Arbeitserfahrung bei Rundfunk und Fernsehen hat er nicht. Krise bei der BBC nach US-Klage In den vergangenen Monaten steckte die BBC in einer schweren Führungskrise. Für einen Dokumentarfilm über den Sturm auf das Kapitol in Washington, D. C. in der BBC-Sendung Panorama waren unterschiedliche Passagen von Trumps Rede vom 6. Januar 2021 zusammengeschnitten worden . Den Fehler räumte der Sender später ein. Der irreführende Schnitt des Videomaterials gilt als zentraler Auslöser für den Rücktritt Davies sowie für den Abgang der für das Nachrichtengeschäft verantwortlichen Journalistin Deborah Turness. Im Zuge des Skandals reichte der US-Präsident eine Klage über zehn Milliarden Dollar gegen die BBC ein. Er wirft dem Sender eine "falsche, verleumderische, irreführende, herabsetzende, aufrührerische und böswillige Darstellung" vor. Die BBC hat sich bei Trump für die Bearbeitung der Rede entschuldigt und eingeräumt, "den Eindruck eines direkten Aufrufs zu gewalttätigen Aktionen" erweckt zu haben. Den Vorwurf der Verleumdung weist sie jedoch zurück. Für diese habe es von Anfang an keine Grundlage gegeben. Der bisherige Senderchef Davie verlässt die BBC den Angaben zufolge im April. Übergangsweise übernimmt Rhodri Talfan Davies die Leitung, bevor Brittin am 18. Mai offiziell ins Amt kommt.