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23.03.2026
17:14 Uhr
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In Griechenland hat drei Jahre nach dem schweren Zugunglück 2023 der Prozess begonnen. Wegen Tumulten wurde die Verhandlung nur wenige Stunden nach Beginn unterbrochen.

Unter chaotischen Szenen hat in Griechenland der Prozess um das schwere Zugunglück vor drei Jahren mit 57 Toten begonnen. Nur wenige Stunden nach Beginn der Verhandlung wurde diese wieder vertagt. Zuvor hatten sich Hunderte Menschen in einen zum Gerichtssaal umgebauten Hörsaal der Universität von Larisa gedrängt. Opferangehörige riefen immer wieder "Schande über euch". Es kam zu chaotischen Szenen. Die Angehörigen seien "wie Sardinen in der Dose zusammengepfercht" worden, sagte Maria Karystianou vom Verband der Opferfamilien. Dies sei eine "absolute Schande und eine Missachtung". Nach der Vertagung soll die Verhandlung nun erst am 1. April fortgesetzt werden. Regierungssprecher Pavlos Marinakis teilte hingegen mit, dass der umgebaute Hörsaal einer der beiden größten Gerichtssäle Griechenlands sei. In dem Hörsaal war Platz für mehrere Hundert Menschen, dieser reichte aber nicht aus. Dutzende Angehörige mussten vor der Tür warten. Im Februar 2023 war in Tempi in der Nähe von Larisa ein Passagierzug auf dem Weg von Athen nach Thessaloniki frontal mit einem Güterzug zusammengeprallt. 57 Menschen starben. "Dieser Prozess beginnt mit großer Verspätung" Hunderte Angehörige der Opfer sowie Überlebende der Katastrophe wollten in Larisa dem Prozess beiwohnen. Der Ort liegt etwa 30 Kilometer vom Unglücksort entfernt. Mehr als 350 Zeuginnen und Zeugen sollen im Laufe des Verfahrens aussagen. "Dieser Prozess beginnt mit großer Verspätung", sagte der Vorsitzende des Hinterbliebenenverbandes, Pavlos Aslanidis, dessen 26-jähriger Sohn bei dem Unglück gestorben war. "Was wir wollen, ist eine beispielhafte Bestrafung der Verantwortlichen." Angeklagt sind 36 mutmaßlich Verantwortliche für die Katastrophe. Neben Bahnmanagern und Beamten muss sich auch der diensthabende Bahnhofsvorsteher aus der Nacht des Unglücks verantworten. Die Angeklagten sind derzeit alle auf freiem Fuß. Die meisten von ihnen erschienen nicht zum Prozessbeginn. Bei einer Verurteilung drohen teils lebenslange Haftstrafen. Der Prozess könnte mehrere Jahre dauern. Die Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis führte den Unfall offiziell auf menschliches Versagen und schwerwiegende strukturelle Mängel bei der griechischen Bahn zurück. Sie steht wegen ihres Umgangs mit dem Unglück aber auch selbst in der Kritik. Dass in Larisa kein Politiker vor Gericht steht, sorgt in Griechenland für großen Unmut.