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25.03.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Mittwoch – Mit einem Rekord an Gewerbesteuereinnahmen, dem "Bau-Turbo" und einer Schildkröte bei der Polizei

Liebe Leserin, lieber Leser, der Michel hat ein Problem. Normalerweise schlägt eine Glocke des Kirchturms zu jeder vollen Stunde so oft, wie es die Uhrzeit verlangt: Um neun Uhr also neunmal, um zehn Uhr zehnmal, und wie oft die Glocke um elf schlägt, können Sie sich bestimmt denken. Zumindest theoretisch! Denn aktuell schlägt die betreffende Glocke zu jeder Uhrzeit nullmal. Eine Glocke ist ja ein recht simples Instrument, wie kann die kaputt gehen? Das habe ich mich gefragt und deshalb gestern René Zetlitzer besucht, der bei der Hauptkirche St. Michaelis im Gebäudemanagement arbeitet. Am vergangenen Mittwoch, so erzählte mir Zetlitzer, sei dem Türmer Josef Thöne das Problem zuerst aufgefallen. Der stand wie jeden Werktag um zehn Uhr oben am Ostfenster des siebten Bodens der Kirche, um nach zehn Glockenschlägen in seine Trompete zu blasen. Aber das Läuten blieb aus. Mit dem Gebäudemanager René Zetlitzer nahm ich im Michel den Fahrstuhl, stieg Treppen hinauf, öffnete auf dem Weg nach oben Türen und Gitter, bis wir direkt über den Glocken standen, in einem Raum, der für Touristen geschlossen ist, 95 Meter über dem Kirchenboden. Die Glocke, die nicht mehr tönt, ist 1,53 Meter im Durchmesser, 2,5 Tonnen schwer und wurde 1974 von einer Heidelberger Gießerei angefertigt. Aber sie ist nicht das Problem. An ihrer Seite ist ein Hämmerchen angebracht, das über Stangen und Verbindungselemente mit einem Motor verbunden ist, der den Hammer zum Schlagen bringt. Kaputt ist eines der Verbindungselemente: Ein Gewinde, nur rund vier Zentimeter lang, ist aus der Fassung gebrochen. Allein deshalb bleibt die große Stundenglocke der riesigen Kirche derzeit still. "Wenn ein Waschbecken kaputt ist, geht man in den Baumarkt und kauft ein neues", sagt Zetlitzer. "Hier ist das anders." Eine Hamburger Firma müsse nun erst ein neues Gewinde maßanfertigen. Bis Ostern ist es fertig, hofft Zetlitzer. Dann käme es, sozusagen, zur Wiederauferstehung der Stundenglocke. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Yannick Ramsel Was heute wichtig ist Die Gewerbesteuereinnahmen in Hamburg sind 2025 auf einen neuen Rekord gestiegen und erhöhten sich um 11,1 Prozent. Es seien gut 3,5 Milliarden Euro eingenommen worden, teilte das Statistikamt Nord mit. Die Summe liegt 0,7 Prozent über dem bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2023. Im Jahr 2024 waren die Einnahmen um 9,3 Prozent eingebrochen. Die vom Bund verabschiedeten Erleichterungen beim Wohnungsbau haben in Hamburg zu Hunderten zusätzlichen Baugenehmigungen geführt. Insgesamt konnten durch den "Bau-Turbo" innerhalb von vier Monaten fast 750 Bauvorbescheide und Baugenehmigungen für Projekte erteilt werden, die vorher nicht genehmigungsfähig waren, teilte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) mit. Christian Dobrick, Trainer der U19 beim FC St. Pauli, hat seine Homosexualität öffentlich gemacht und dies mit harter Kritik am männlichen Spitzenfußball verknüpft. Im Profifußball würden Schwule noch immer als Außerirdische gelten, sagte der Nachwuchs-Coach des Hamburger Bundesligisten. Zwei unter anderem wegen wiederholter Körperverletzung verurteilte afghanische Straftäter sind am vergangenen Freitag und am Montag aus Hamburg abgeschoben worden. Die Rückführungen erfolgten laut Innenbehörde jeweils aus Haft und per Linienflug nach Kabul über Istanbul. Im Zuge der Ermittlungen nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof wurden auch in Hamburg zwei Wohnungen durchsucht. Am 9. September 2025 hatte ein nächtliches Feuer Starkstromkabel im Südosten der Hauptstadt weitgehend zerstört. Aus Hamburg Wo starb Störtebeker? Die Enthauptung des Seeräubers ist legendär. Jetzt sagt ein Amateurhistoriker, er habe ihren Schauplatz aufgespürt: zwischen Luxuswohnungen in der Hamburger HafenCity. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa. Von der Enthauptung Klaus Störtebekers erfuhr Stefan Ziemendorff, als er noch ein Kind war. "Mein Vater kommt von der Insel Rügen", sagt Ziemendorff, also von dort, wo jeden Sommer die Störtebeker-Festspiele begangen werden: "Und die Legende der Köpfung ist doch die bekannteste an Nord- und Ostsee." Vor mehr als 600 Jahren, so erzählt man es, segelte Klaus Störtebeker als Seeräuber vor der deutschen Küste. Er war der Schrecken der Hanse, bis er gefasst und im Jahr 1401 in Hamburg mitsamt seiner Mannschaft zum Tode verurteilt wurde. Die Legende besagt, dass man Störtebeker versprochen habe, alle seiner Männer freizulassen, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeilaufen könne. Da sei Störtebeker gelaufen – ohne Kopf, aber mit übermenschlichen Kräften und so lange, bis ihm schließlich der Henker den Richtblock vor die Füße warf. Auch Stefan Ziemendorff erzählte seinen Kindern von Störtebeker, als er vor einigen Jahren einen Besuch in Hamburg plante. Gemeinsam wollten sie das Museum für Hamburgische Geschichte besuchen und sich das berühmteste Ausstellungsstück anschauen: einen Schädel, der mutmaßlich einem Piraten abgeschlagen worden war. Anschließend sollte es weitergehen in Richtung Hafen, zum Hinrichtungsort. "Dabei habe ich das Problem erkannt", sagt Ziemendorff: "Es ist nämlich gar nicht bekannt, wo genau Störtebeker geköpft wurde. Das fand ich seltsam." Diese Frage habe ihn nicht losgelassen. Und so begann der Familienvater, selbst Nachforschungen anzustellen. Heute, rund vier Jahre später, glaubt er, den Ort der Hinrichtungsstätte eingrenzen zu können: Dieser habe sich dort befunden, wo die Straße Am Strandkai verläuft, an einer Uferkante der Elbe von etwa 100 Metern Länge, zwischen den Wohnhäusern The Crown und Fifty9 in der HafenCity. Welchen Spuren Stefan Ziemendorff bei seinen Recherchen gefolgt ist , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? Sie fanden es witzig Drei junge Leute warfen in Hamburg Flaschen von einer Fußgängerbrücke auf ein Auto. Nun stehen sie vor Gericht – wegen versuchten Mordes. ZEIT-Autorin Elke Spanner war bei der Verhandlung dabei. → Zum Artikel (Z+) Das könnte Sie interessieren Der nächste Jüdische Salon findet am kommenden Freitag im Warburg-Haus statt. An dem Abend stellt der serbisch-österreichische Autor Marko Dinić seinen Roman "Buch der Gesichter" vor. Um seine Hauptfigur Isak Ras erzählt er die Geschichte der serbischen Juden und ihres Verschwindens. Serbien galt im Sommer 1942 als eines der ersten Länder Europas als "judenfrei". Die Journalistin Vivian Perkovic, die selber slowenisch-serbische Wurzeln hat, moderiert den Abend. Der Roman stand 2025 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Gastgeberin ist Barbara Guggenheim. "Buch der Gesichter", Lesung und Gespräch, 27.3., 19.30 Uhr; Warburg-Haus; Heilwigstraße 116; weitere Informationen Meine Stadt Hamburger Schnack Aufregung auf dem Budni-Parkplatz in Fuhlsbüttel. Eine Schildkröte hat sich verirrt. Unsere Nachbarin nimmt sie auf ihrer Terrasse auf. Schnell bekommt sie einen Namen und Salat. "Schildi, was machen wir mit Dir?" Das überfüllte Tierheim verweist an die Polizei. Im Polizeirevier schauen sie verdutzt: "So einen Fall hatten wir noch nie!" Unsere Nachbarin: "Na dann haben Sie ja heute zu Hause was zu erzählen." Erlebt von Nora Augustin Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. 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