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24.03.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Dienstag – Mit den Nöten einer Apothekerin aus Steilshoop, einem Interview zu digitaler Gewalt gegen Frauen und Strafen nach Sturz vom Hochhausbalkon

Liebe Leserin, lieber Leser, etwa 20.000 Menschen sitzen seit Beginn des Irankriegs auf mehr als 2.000 Handelsschiffen im Persischen Golf fest. Bei der Jahresbilanz des Verbands Deutscher Reeder habe ich gestern etwas dazu gehört, das mich erschüttert: "27 Schiffe wurden bereits direkt angegriffen", sagte Verbands-Präsidentin Gaby Bornheim. Das war mir neu. Bisher hatte es oft geheißen, dass zivile Schiffe im Golf allenfalls unbeabsichtigt von Granatsplittern getroffen worden seien. Das ist kürzlich einem Frachter der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd passiert. Dort brannte es im Maschinenraum, das Feuer wurde gelöscht, die Crew kam mit einem Schrecken davon. Der Kriegsalltag auf See scheint aber weitaus gefährlicher zu sein. Laut VDR beschießt das iranische Militär auch Schiffe unbeteiligter Nationen mit Raketen und Drohnen aus der Luft und sogar mit Unterwasserdrohnen. "Es hat Verletzte und Tote gegeben", sagte Bornheim. Auf den Schiffen im Golf liegt nachts die Angst mit in den Kojen. Gaby Bornheim muss die Lage täglich neu bewerten und managen. Sie sitzt in der Geschäftsführung der Peter Döhle Schiffahrts-KG. Drei Containerschiffe der Hamburger Traditionsreederei hängen im Golf fest. In einem Gebiet so groß wie England versuchen die Kapitäne seit Ende Februar, ihre Schiffe vor den Aggressoren zu verstecken. Und so ankern die Frachter mal in Küstennähe auf See, mal driften sie weite Strecken, mal fahren sie ein paar Seemeilen weiter. Alles, um nicht ins Visier des Iran zu geraten. "Um nicht gesehen zu werden, fahren die Schiffe teilweise ohne GPS", sagte Bornheim. Aussicht auf Besserung besteht kaum. Am Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump damit gedroht, er werde Irans Atomkraftwerke zerstören, wenn der Iran nicht binnen 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig für den Schiffsverkehr öffne. Diese Meerenge ist die einzige Zufahrt in den Golf und de facto gesperrt. Der Iran reagierte scharf: Man werde in diesem Fall Seeminen auf allen Zugangswegen zum Persischen Golf auslegen. Gestern Mittag machte Trump einen Rückzieher und verlängerte sein Ultimatum. Die aktuelle Lage im Irankrieg können Sie nachlesen im Liveblog der ZEIT . Auf den Schiffen im Golf geht das Bangen weiter. "Wenn Besatzungsmitglieder psychisch am Ende sind, würden wir alles tun, um sie auszufliegen", sagte Gaby Bornheim. Noch aber harren die Seeleute aus. Ich wünsche Ihnen trotz allem einen schönen Tag! Ihre Kristina Läsker Was heute wichtig ist Das Pik As öffnet von Dienstag an wieder seine Türen für obdachlose Männer. Die Notübernachtungsstätte in der Neustadt wurde für knapp 30 Millionen Euro umgebaut und erweitert . Das Hauptgebäude bietet laut Sozialbehörde bis zu 330 Plätze. Zusätzlich sind im Neubau Plätze mit dauerhafter Bleibe für ältere und kranke Obdachlose entstanden. Die Zahl der Gäste in Hamburg ist im Januar gestiegen . Hotels und Pensionen meldeten einen Anstieg um 2,9 Prozent auf 499.189 Gäste, verglichen mit Dezember. 16,2 Prozent der Besucher kamen aus dem Ausland. Die meisten stammten aus Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Die schleswig-holsteinische Landesregierung richtet drei neue Meeresschutzzonen in der Ostsee ein. An der Hohwachter Bucht trete die Neuregelung heute in Kraft, kündigte das Umweltministerium in Kiel an. Die anderen zwei Schutzzonen an der Geltinger Bucht bis zur Schleimündung und westlich von Fehmarn folgen im Laufe dieser Woche. Im April war ein 15-Jähriger in Hamburg-Wilstorf von einem Hochhausbalkon in den Tod gestürzt – offenbar auf der Flucht vor den Angeklagten . Nun hat das Hamburger Landgericht mehrere junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren zu Haftstrafen zwischen zwei und sechs Jahren verurteilt. Hamburgs Verkehrsbehörde geht gegen das Chaos beim Abstellen von E-Scootern vor. Dazu hat sie an 100 Haltestellen von U-Bahnen, S-Bahnen und Bussen digitale Abstellflächen eingerichtet. Die Roller müssen genau dort abgestellt werden, ansonsten läuft die Bezahluhr weiter. Aus Hamburg "Ich weiß nicht, wie lange ich das hier noch durchhalte" Dorothea Metzner versorgt in Steilshoop mit ihrer Apotheke etwa 20.000 Menschen. Weil es dort zu wenig Hausärzte gibt, ist sie oft die einzige Ansprechpartnerin. Und am Limit. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview; die Fragen stellte ZEIT-Redakteurin Annika Lasarzik. Bundesweit blieben am Montag viele Apotheken geschlossen. Sie protestierten gegen seit Jahren stagnierende Honorare, steigende Kosten und eine wachsende Zahl unbezahlter Zusatzaufgaben. Wie das aussieht, zeigt sich in Hamburg-Steilshoop: In der Hochhaussiedlung im Nordosten der Stadt ist die ambulante Versorgung stark eingebrochen, es gibt nur noch eine Hausarztpraxis für 20.000 Menschen. Für viele Menschen ist Dorothea Metzner in ihrer Apotheke inzwischen die einzige Ansprechpartnerin vor Ort – und die erste Anlaufstelle. Metzner organisiert, vermittelt, improvisiert – und erlebt täglich, wie sich die Lücken im Gesundheitssystem im Alltag der Menschen niederschlagen. DIE ZEIT: Frau Metzner, Sie werden heute beim bundesweiten Protesttag der Apotheken mitdemonstrieren – allerdings nicht auf der Straße, sondern vor Ihrer Tür, weil Sie Ihre Apotheke nicht allein lassen wollen. Warum? Dorothea Metzner: Wenn wir einfach schließen, könnten die Menschen sich hier im Stadtteil Sorgen machen und denken: Jetzt macht auch noch die Apotheke dicht. Das wollen wir vermeiden, denn die Verunsicherung ist ohnehin groß genug. Wir protestieren deshalb vor dem Eingang, mit Flyern, und erklären den Menschen, worum es geht – ohne dass sie das Gefühl haben, dass hier noch mehr wegbricht. ZEIT: Sie arbeiten in Steilshoop, einem der ärmsten Stadtteile Hamburgs. Auf 20.000 Einwohner kommt dort nur eine Hausarztpraxis mit zwei Ärzten sowie einem Kinderarzt. Sie führen die einzige Apotheke. Was macht das mit den Menschen? Metzner: Viele Menschen haben keinen Hausarzt mehr oder suchen verzweifelt eine Praxis, die sie noch aufnimmt. Der Frust ist groß und entlädt sich bei uns. Wir erklären viel, versuchen zu helfen. Meistens versuchen wir dann noch, die Menschen zu motivieren, sich zu beschweren und Mails an Politiker zu schreiben, ihre Stimme zu nutzen. Aber man spürt auch Resignation. Es gibt Leute, die sagen: Uns hilft hier sowieso niemand mehr. ZEIT: Mit welchen gesundheitlichen Problemen haben die Menschen in Steilshoop häufig zu tun? Metzner: Hier leben viele ältere Menschen und chronisch Kranke, die regelmäßig betreut werden müssten – etwa weil sie blutverdünnende Medikamente nehmen und ihre Werte kontrolliert werden müssen. Wenn das ausbleibt, kann das im schlimmsten Fall lebensgefährlich werden. Häufig sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck, aber auch Diabetes, zunehmend auch bei Jüngeren. Und psychische Erkrankungen spielen eine große Rolle. Seit der Pandemie geben wir sehr viele Antidepressiva aus. Wie Dorothea Metzner versucht, auf die Versorgungslücke in Steilshoop zu reagieren , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? "Gerade im Internet fühlen sich Täter sehr sicher – oft zu Recht" Die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes wirft ihrem Ex-Mann Christian Ulmen sexualisierte Gewalt vor, unter anderem durch Videos, die mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden. Bisher gibt es in Deutschland kein Gesetz, das sogenannte Deepfakes strafbar macht. Die Juristin Ronja Sanow spricht im Interview über digitale Gewalt und wie sich Frauen wehren können. → Zum Artikel (Z+) Darauf können Sie sich freuen Ein paar Tickets gibt es noch: Am 25.3. lesen Sylvie Gühmann und Sebastian Stuertz im Büchercafé Kapitel Drei Texte aus der bei Diogenes erschienenen Sammlung "Nordsee". Die Veranstaltung trägt das Motto "Texte mit T" und wird mit ostfriesischer Teetied, plattdeutsch für "Teezeit", begleitet. Auch Siegfried Lenz ist im Buch vertreten, sein Text wird in einer szenischen Lesung von den beiden Autoren und von Kurator Adrian Asllani präsentiert. Texte mit T – Gühmann und Stuertz lesen Lenz und eigene Texte, 25.3., 19 h (Einlass 18.30h); Büchercafé Kapitel Drei, Hospitalstraße 3; Tickets online Meine Stadt Hamburger Schnack Großvater zur 12-jährigen Enkelin: "Derzeit haben wir die besten Aussichten: Vor uns liegen jetzt zwei Sommer und nur ein Winter." Gehört von Monika Schleith Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .