Zeit 27.03.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Überlegen Sie noch, was Gamefish ist? Oder bestellen Sie schon?


Die Elbvertiefung am Freitag – Mit Collien Fernandes bei der Demo auf dem Hamburger Rathausmarkt, weniger Gewinn für die HHLA und einer Zeitreise mit unerwartetem Ende

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Überlegen Sie noch, was Gamefish ist? Oder bestellen Sie schon?
Liebe Leserin, lieber Leser, wir machen jetzt mal einen Persönlichkeitstest. Sagen wir, Sie lesen dies auf einer Speisekarte: Gamefish mit Kokos-Tamarinden-Dressing, Koriander, Curry-Emulsion, Safran, Gurken, Jalapeño und Curryblättern. Überlegen Sie noch, was Gamefish ist? Oder winken Sie schon dem Kellner, weil Sie das unbedingt probieren möchten? Wenn Sie wie ich Typ 2 sind, lohnt ein Besuch im Chefs (kein Apostroph!) Warehouse, das vor ein paar Wochen eröffnet hat. Das Konzept stammt aus Kapstadt, aber die Küche fährt keinen Springbock oder Kingfish auf. Sie ist nur in dem Sinn südafrikanisch, dass sich verschiedenste Einflüsse mischen. Spektakulär ist schon die Location: eine aufwendig renovierte Maschinenzentralstation, die die Speicherstadt mit Energie versorgte, bis sie 1943 durch eine Fliegerbombe beschädigt wurde. Das Areal ist riesig, aber es hat Atmosphäre. Man meint noch immer, das Stampfen der Dampfmaschinen zu hören. Das Restaurant selbst ist eher neo-rustikal eingerichtet: große Tische, reichlich Holz, eine offene Küche mit Köchen in Lederschürzen. Die hohe Bartquote mag Zufall sein, passt aber gut dazu. Zurück zum Gamefish, was diesmal für eine Gelbflossenmakrele steht. Sie kommt roh, in marinierten Streifen, ähnlich einem Tiradito aus der peruanisch-japanischen Nikkei-Küche. Nur kommen hier auch noch reichlich indische Aromen hinzu – ein Triple-Fusion-Gericht. Da ist, um es floskelhaft zu sagen, für jeden Geschmack etwas dabei. So sind anscheinend alle Gerichte im Chefs Warehouse: die gut abgeschmeckte irische Auster mit Rindertartar, Schnittlauch, einem Chip und Tabasco zum Nachwürzen. Das Huhn mit Birne, Topinambur, etwas laschen Trüffeln, dafür prägnanten Haselnüssen. Zu dolle wurde es mir erst beim Rotkohl, gegart in Soja- und veganer Fischsauce, dazu Sesam, diverse Zitrusfrüchte und frittierte Rosenkohlblätter. Jeden Tag möchte man so was nicht essen. Bei den Preisen (um die 25 Euro für einen Vorspeisenteller) drängt sich das allerdings auch nicht auf. Und gerade jetzt, wo der Winter nach Hamburg zurückkehrt, macht diese kunterbunte Küche Spaß. Gästetyp 2 jedenfalls. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Was heute wichtig ist Eine neue psychiatrische Schwerpunktambulanz am Drogenbrennpunkt rund um den Hauptbahnhof soll Erkrankten helfen und das Viertel entlasten. Die Einrichtung im Münzviertel soll ab April das bestehende Angebot für suchtkranke und obdachlose Menschen ergänzen, sagte Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer bei der Vorstellung der Räumlichkeiten. Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) hat 2025 mehr Umsatz gemacht und dennoch deutlich weniger Gewinn eingefahren. Der Konzern-Umsatz stieg im Vergleich zu 2024 um knapp zehn Prozent auf rund 1,76 Milliarden Euro, teilte die HHLA mit. Trotzdem lag der Gewinn am Ende bei nur rund 9,8 Millionen Euro (2024: 32,5 Millionen Euro). Der Grund: steuerliche Einmaleffekte. Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd hat 2025 wegen niedrigerer Frachtraten und gestiegener Kosten deutlich weniger verdient . Einem Umsatz von 18,6 Milliarden Euro standen 924 Millionen Euro Gewinn gegenüber. 2024 waren es 2,4 Milliarden Euro Gewinn bei rund 19 Milliarden Euro Umsatz. In der Drosselstraße in Barmbek-Nord sind bei einem schweren Busunfall mindestens 16 Menschen verletzt worden . Ersten Erkenntnissen zufolge stieß der Bus am Donnerstagnachmittag aus bisher ungeklärter Ursache mit einem Baum zusammen, teilte die Feuerwehr mit. Unter den Verletzten war auch der Busfahrer, der von Rettungskräften aus dem Fahrzeug befreit werden musste. Ab 1. Mai wird die Köhlbrandbrücke für Schwertransporte mit einem Gewicht von über 44 Tonnen gesperrt . Die Belastung der 1974 eröffneten Brücke müsse verringert werden, teilte die Wirtschaftsbehörde mit. Eine Bauwerksprüfung zeigte eine Zunahme von Schäden. Nachricht des Tages Mehrere Tausend Menschen sind gestern Abend auf dem Hamburger Rathausmarkt zusammengekommen, um gegen sexualisierte Gewalt zu demonstrieren. Sie forderten besseren Schutz für Betroffene, schärfere Gesetze und mehr Konsequenzen für Täter. Die Polizei zählte 7.500 Menschen, laut den Veranstalterinnen waren es 22.000. Überraschend trat auch die Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes auf, deren Fall die Proteste ausgelöst hatte . Fernandes, die ihre Teilnahme zuvor aus Sicherheitsgründen abgesagt hatte, sprach auf der Bühne. "Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste, mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme", sagte sie. Die Kundgebung begann um 17.30 Uhr und wurde von der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Annika Urbanski angemeldet. Unterstützt wurde sie unter anderem von der Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Kolumnistin Alexandra Zykunov. Als Rednerinnen traten auch die Podcasterin Lensi Schmidt sowie Zara Canbay vom Bundesverband der Migrantinnen auf. Auslöser der Proteste sind schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der Spiegel berichtet hatte. Fernandes hat auf Mallorca Anzeige erstattet. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung" handle. Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet". Die Hamburger Demonstration reiht sich in eine bundesweite Protestwelle ein. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bereitet unterdessen ein Gesetz vor, das das Erstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen soll. Mehr über die gestrige Demo können Sie in diesem Artikel auf zeit.de lesen Miriam Amro Aus Hamburg "Wenn das Tier tot ist, wenn es zu Ende ist, dann ist da diese Leere" Pferde einschläfern, sich von Hundebesitzern beschimpfen lassen: Tierärzte gelten als psychisch besonders belastet. ZEIT-Autorin Dorothea Heintze hat eine Hamburger Medizinerin begleitet. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel. Henry kann kaum noch laufen. Mit hängendem Kopf und zittrigen Beinen steht er in einer großen Box, bis an die Ohren in eine Pferdedecke gepackt. Durch den dichten Stoff stechen seine Knochen hervor. Der Wallach ist 32 Jahre alt, blind, vermutlich stocktaub. Die Box ist dick ausgepolstert, damit sich das Tier nicht verletzt. Draußen an der Boxentür hängen Tüten und Gefäße mit Zusatzfutter, Vitaminen, aufgeweichten Heupellets. Anderes kann Henry nicht mehr fressen, nicht mehr verdauen. Christina Becker sagt: "Das Leben von diesem Pferd ist eigentlich zu Ende." Die 67-Jährige ist seit 42 Jahren Tiermedizinerin. Sie sagt: "Ich kann einem Pferd ansehen, wenn es nur noch vegetiert." 21 Pferde hat Becker im vergangenen Jahr eingeschläfert. Anders als bei Humanmedizinern gehört aktive Sterbehilfe bei Tierärzten zum Alltag. Euthanasieren heißt das in der Fachsprache der Veterinärmedizin. Und jedes Mal ist es hart für Christina Becker, sagt sie. Tiere seien für so viele Menschen zu einer Art Lebenspartner geworden, zu engen Freunden. Sie zu töten, den Menschen wegzunehmen, ist belastend für viele Tiermedizinerinnen und -mediziner. So sehr, dass Christina Becker fürchtet: Der Berufsstand ist in Gefahr. Becker ist Fachtierärztin für Pferde und Pferdechirurgie. Aber sie behandelt auch kranke Walrösser in Hagenbeck, einen Tiger mit Darmverschluss und hat auch schon einen Elefanten eingeschläfert. Pferde stehen ihr besonders nahe. "Schon als Kind liebte ich die sanfte Seele dieser Tiere", sagt sie. Becker ist in Blankenese groß geworden, hat immer geritten, auch eigene Pferde gehabt. Nach ihrem Studium hat sie in den USA und den Niederlanden geforscht und gelehrt, ist 1997 nach Hamburg zurückgekommen. Dort hat sie ihre Pferdepatienten erst noch selbst operiert. Heute betreibt sie eine Gemeinschaftspraxis in Osdorf. Wie Christina Becker gelernt hat, mit dem Druck umzugehen , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? Zurück in die Zeit, als wir noch Hoffnung hatten Vier Jahrzehnte nach dem Film gibt es "Zurück in die Zukunft" nun auch in Deutschland als Musical. In der Premiere geraten Raum und Zeit ordentlich durcheinander, findet ZEIT-Redakteur Florian Zinnecker in seiner Rezension. → Zum Artikel (Z+) Darauf können Sie sich freuen Morgen gibt es in der Zentralbibliothek wieder die Möglichkeit, an der "Human Library" teilzunehmen. Organisiert wird sie von Shirley Hartlage und Katharina Bloemberg. Das Besondere: Hier leiht man keine Bücher aus, sondern Menschen als "lebendige Bücher" – und damit ihre Erfahrungen und Lebensgeschichten. In einem Katalog kann man unter Stichworten wie zum Beispiel "spielsüchtig" ein "menschliches Buch" auswählen. Danach folgt eine circa 30-minütige Begegnung: ein persönliches Gespräch, in dem Fragen gestellt und Perspektiven geteilt werden können. Die Gespräche finden vor Ort in einem geschützten Rahmen statt, sodass ein ruhiger, ungestörter Austausch möglich ist. Human Librar , 28.3., 12-16 Uhr; Bücherhalle Hühnerposten 1, Hauptdeck E1 Meine Stadt Hamburger Schnack In einem Café in Eimsbüttel. Draußen gibt es Schneeregen, Ende März. Ein Stammkunde zum Inhaber: "Hast du noch Glühwein? Könnte man jetzt eigentlich wieder …" Gehört von Wiebke Neelsen Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .