Zeit 25.03.2026
09:49 Uhr

Bildungsungerechtigkeit: Mehr als 270 Millionen Kinder gehen weltweit nicht zur Schule


Die Zahl der Kinder weltweit, die keinen Zugang zu Bildung haben, ist erneut gestiegen. Laut Unesco war im Jahr 2024 jeder sechste Minderjährige ohne Schulbildung.

Bildungsungerechtigkeit: Mehr als 270 Millionen Kinder gehen weltweit nicht zur Schule
Die weltweite Zahl der Kinder und Jugendlichen, die keinen Zugang zu Schulbildung haben, ist das siebte Jahr in Folge gestiegen . Im Jahr 2024 besuchten laut einem Bericht der UN-Organisation für Kultur und Bildung (Unesco) rund 273 Millionen Kinder und Jugendliche keine Schule. Nach Angaben der Unesco-Kommission wurde damit zuletzt durchschnittlich jeder sechste Minderjährige von Bildung ausgeschlossen. Gründe sind demnach Krisen, Bevölkerungswachstum und geringere finanzielle Mittel. Die Unesco warnt deshalb vor wachsender Bildungsungerechtigkeit . Unesco-Chef Khaled El-Enany sprach von einem beunruhigenden Trend. An lokale Gegebenheiten angepasste Lösungen notwendig Besonders ausgeprägt sei der Trend in stark von Konflikten betroffenen Regionen, etwa in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Mehr als jedes sechste Kind lebe dort in einem Gebiet, das von Konflikten betroffen sei. Auch im sogenannten Nahen und Mittleren Osten hätten die regionalen Spannungen zahlreiche Schulschließungen nach sich gezogen. Um mehr Kindern Schulbildung zu ermöglichen, müssten in den Staaten laut Unesco politische Strategien verfolgt werden, die benachteiligte Gruppen gezielt erreichen und Bildung gerechter finanzieren. Zwar hätten deutlich mehr Länder in den vergangenen 25 Jahren finanzielle Umverteilungsmechanismen im Bildungsbereich eingeführt, selten sei der Fokus auf die benachteiligten Gruppen jedoch ausreichend. Eine einheitliche Lösung, die unabhängig von lokalen Gegebenheiten funktioniere, gebe es zudem nicht. In einigen Ländern hätten aber eine Schulpflicht und Gesetze gegen Kinderarbeit geholfen. In anderen Staaten wiederum sei ein Zusammenhang zwischen Schulessen beziehungsweise Stromversorgung und längerer Schulbildung von Kindern und Jugendlichen beobachtet worden. Bildungsgerechtigkeit als politische Aufgabe Die Unesco verweist in ihrem Bericht jedoch auch darauf, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Primar- und Sekundarschulen zwischen 2000 und 2024 auf weltweit 1,4 Milliarden und damit um 30 Prozent gestiegen sei. In Madagaskar und Togo etwa sei der Anteil der Kinder, die nicht zur Schule gingen, seit 2000 um 80 Prozent zurückgegangen. In Marokko und Vietnam treffe dies auf Jugendliche zu. Auch in der Elfenbeinküste, der Türkei und Georgien seien die Zahlen stark zurückgegangen. Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, bezeichnete den Weltbildungsbericht insgesamt dennoch als "Weckruf", auch für Deutschland. "In Deutschland erreicht weiterhin ein erheblicher Teil der Jugendlichen keinen Abschluss der Sekundarstufe II oder einen Berufsabschluss." Es sei eine Aufgabe der Politik, Schulen mit besonderen Herausforderungen zu unterstützen – etwa im Rahmen des Startchancen-Programms. Bildungsgerechtigkeit entstehe nicht von selbst, sondern sei politische Aufgabe.