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24.03.2026
18:29 Uhr
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Die Gynäkologin Alicia Baier engagiert sich für sichere Schwangerschaftsabbrüche. Im Podcast erzählt sie, wie schwer es ungewollt schwangere Frauen in Deutschland haben.

"Seit 2003 ist die Zahl der Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, fast auf die Hälfte zurückgegangen", sagt die Gynäkologin Alicia Baier im Podcast Frisch an die Arbeit . Dabei gebe es grundsätzlich genug medizinische Infrastruktur. "Aber zu viele Praxen und Krankenhäuser entziehen sich der Versorgung." Baier, 34, stammt aus Heidelberg und hat ihr Medizinstudium ursprünglich begonnen, um Psychiaterin zu werden. Wegen der politischen Debatte um das deutsche Abtreibungsrecht entschied sie sich aber für die Gynäkologie als Fachgebiet. Dass viele Ärztinnen keine Schwangerschaftsabbrüche mehr anbieten, hat aus Baiers Sicht mehrere Gründe: "Es ist ein stigmatisiertes Thema und der Schwangerschaftsabbruch ist der einzige medizinische Eingriff, der im Strafgesetzbuch steht", sagt sie. Für Ärztinnen könne das weitreichende Folgen haben: "Wenn man Fehler macht, droht im schlimmsten Fall nicht nur ein Berufsverfahren, sondern eine Haftstrafe." Medizinisch sei ein Schwangerschaftsabbruch wenig kompliziert. "Das ist ein sehr sicherer und einfach durchzuführender Eingriff", sagt Baier. Um die Versorgungslage in Deutschland zu verbessern, gründete Baier schon während des Studiums eine studentische NGO, die sich für das Recht auf einen sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch einsetzt. Heute ist Baier Vorsitzende der Gruppe Doctors for Choice. Baier selbst wurde oft angezeigt Dieses Engagement habe allerdings auch persönliche Konsequenzen, erzählt sie. "Ich habe oft Anfeindungen erlebt", sagt Baier. Im Internet gebe es Seiten, auf denen Ärztinnen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, öffentlich angegriffen würden. "Da werden Bilder mit blutigen Händen verbreitet und man wird als Mörderin bezeichnet", berichtet die Ärztin. Sie sei auch schon mehrmals von radikalen, meist fundamentalistisch-christlichen Aktivisten angezeigt worden. Von ihren Patientinnen hört Baier hingegen einen Satz besonders oft. "Danke, dass Sie so nett zu mir waren." Baier findet es erschreckend, dass sich Frauen dafür bedanken, anständig behandelt zu werden. "Im medizinischen Alltag sollte das eigentlich selbstverständlich sein", sagt sie. Im Podcast erzählt Baier außerdem, wie viel liberaler Schwangerschaftsabbrüche in den meisten anderen europäischen Ländern geregelt sind, warum 80 Prozent der Menschen in Deutschland für ein weniger restriktives Abtreibungsrecht sind und weshalb sich politisch dennoch so wenig tut.