|
28.09.2026
05:35 Uhr
|
Wann man in einer Scheidung nachgeben sollte und wann kämpfen, erklärt die Anwältin Helene Klaar in dieser Folge. Und antwortet auf Kritik an ihrer letzten Kolumne

ZEITmagazin: Frau Dr. Klaar, in der letzten Kolumne sprachen wir über die größten Fehler, die man bei einer Scheidung machen kann. Dazu gab es viele Leserkommentare. Klaar: Ja, und da waren ein paar dabei, zu denen ich gern etwas sagen würde. ZEITmagazin: Geht es um die Kommentare, die in die Richtung gingen, dass Anwälte die Gewinner der Scheidung seien und sie deshalb gern hinauszögerten, um möglichst viel zu verdienen? Klaar: Dazu kann ich gerne ganz zum Schluss etwas sagen. Doch meine Punkte sind andere. Zunächst etwas Persönliches: Seit dem 3. August dieses Jahres bin ich tatsächlich 50 Jahre als Rechtsanwalt eingetragen. Und ich bin immer noch aktiv. Nicht mehr so wie früher, aber in Teilzeit. Und so sind die Vorstellungen von einigen Lesern, ich würde von 50 Jahre alten Fällen erzählen, nicht richtig. Alle Beispiele, die ich bringe, ereignen sich nach wie vor so, auch im Jahr 2026. Auch wenn ich meinen Beruf schon mal mit dem Produzieren von Eiern verglichen habe, von denen jeder sagen würde, die sehen alle gleich aus – in Wirklichkeit gibt es aber nie zwei gleiche, und bei den Scheidungen ist es ähnlich. Es ist nie etwas ident und meine Beispiele sind immer aktuell. Damit komme ich schon zu einer hoffnungsvollen Leserin, die geschrieben hat, dass eine Frau nicht wisse, was der Mann verdient, das gäbe es doch heutzutage hoffentlich nicht mehr! Dieser Leserin möchte ich gerne mitteilen, dass es nach wie vor eher die Regel als die Ausnahme ist, dass Frauen nicht wissen, was der Mann verdient. Ich stelle ja nicht als Erstes die Frage: »Hat Sie der Mann betrogen und mit wem?« Sondern ich frage immer mal als Erstes: Was haben Sie für einen Beruf ausgeübt? Wie viele Versicherungsjahre haben Sie? Was verdienen Sie? Und dann frage ich das Gleiche den Mann. Und es ist ganz üblich, dass Frauen nicht wissen, was der Mann verdient. Und ich muss dann immer zurückgehen auf die Fragen: Was brauchen Sie zum Leben? Was kostet die Wohnung? Was kostet das Auto? Wie viel geben Sie aus für einen Urlaub? Um daraus Rückschlüsse ziehen zu können, was die Männer verdienen. Einmal hatte ich an einem Nachmittag vier Erstbesprechungen. Und alle vier Frauen, die bei mir waren, aus ganz unterschiedlichen Milieus, haben auf die Frage, was denn der Mann verdient, schuldbewusst gesagt: Frau Doktor, Sie werden es nicht für möglich halten, aber ich weiß es nicht. Mag sein, dass es in Deutschland anders ist, aber in Österreich ist es so. Also da muss ich leider diese Leserin desillusionieren. Ich muss aber der Fairness halber sagen, wenn ich einen Mann vertrete, ist mein Fragenschema genau das gleiche, und auch Männer wissen nicht, was ihre Frau verdient.