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26.03.2026
09:30 Uhr
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Deeskalieren reicht nicht mehr: Zugbegleiter können mit Kampftrainern üben, wie sie sich gegen aggressive Passagiere verteidigen. Wir waren dabei.

"Wenn ihr nervös seid", sagt Jörg Aschemann, "dann schaut auf die Nase und nicht direkt in die Augen." Der potenzielle Angreifer würde das gar nicht merken. Aber es helfe, um ruhig zu bleiben. Wichtig außerdem: Nicht die Arme verschränken! Das koste wertvolle Zeit, wenn man sie später zur Abwehr benötigt. Aschemann, ein muskulöser Mann, die Haare zum Zopf gebunden, war mal Türsteher. Inzwischen lehrt er die chinesische Kampfkunst Wing-Tsun. Die Deutsche Bahn hat ihn beauftragt, deswegen steht Aschemann an diesem Montag in einem kargen Seminarraum unweit des Essener Hauptbahnhofs. Um ihn herum fünf Männer und drei Frauen in der Arbeitskleidung der Deutschen Bahn. Jeder kennt diese Outfits ja, die roten Westen, die blauen Blazer. Eine von ihnen hat ihr Kontrollgerät um die Schulter hängen. Die Zugbegleiter arbeiten im Nahverkehr, in S-Bahnen und Regionalzügen. Wie sie Situationen deeskalieren, pöbelnde Gäste wieder beruhigen, wissen sie längst. Aber weil das inzwischen oft nicht mehr reicht, sollen sie heute lernen, sich im Fall eines Angriffs selbst zu verteidigen, mit ihren bloßen Händen.