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23.09.2026
17:16 Uhr
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Lehrstücke über den Umgang mit der Macht: Der Regisseur Frank Castorf inszeniert in Berlin mit Jens Harzer den »Mephisto« und feiert seinen 75. Geburtstag.

Zuletzt hat Jens Harzer am Berliner Ensemble – in Oscar Wildes De Profundis und in Peter Handkes Schnee von gestern, Schnee von morgen – zwei Figuren gespielt, die mit jedem Wort um Wahrhaftigkeit kämpften und unablässig den gültigen Begriff für die eigene Empfindung suchten. Er hatte als Sprecher von Kunstheiligen agiert, von Männern, die ihrer Kunst alles andere unterordnen und die höchste Meinung vom eigenen Werk haben. Jetzt stellt er am Berliner Ensemble wieder einen Künstler dar, allerdings einen von ganz anderem Kaliber. Zum ersten Mal arbeitet er mit dem Regisseur Frank Castorf zusammen, und in dessen Stück Mephisto (nach Klaus Manns gleichnamigem Roman) spielt er einen von Zweifeln gerittenen Kunsthochstapler, ein wendiges Fluchtwesen, das seine eigene Standpunktlosigkeit als geistige Beweglichkeit und Weitsicht verkauft – nicht zuletzt an sich selbst. Er spielt Hendrik Höfgen, Klaus Manns Protagonisten, einen von Gustaf Gründgens inspirierten, im deutschen Faschismus mit den Machthabern sich nicht nur arrangierenden, sondern ihnen auch noch gefallen wollenden Großschauspieler und Karrieristen.