Zeit 02.10.2026
09:13 Uhr

(+) Drachen: Sie sind wie wir


Große Gefahr, noch größere Wunder: Ohne Drachen ist die Geschichte des Menschen nicht zu denken. Eine Würdigung der vielseitigen Kreaturen.

(+) Drachen: Sie sind wie wir
Natürlich gibt es Drachen. Wenn Menschen etwas anderes behaupten, dann lügen sie. Und belügen sich selbst über ihr Menschsein. Denn Menschen, die nicht an Drachen glauben, die würden auch nicht an die Fantasie glauben. Und nicht daran, dass fantastische Dinge eine eigene Wirklichkeit haben können. Dieser Glaube aber gehört zum Wesen des Menschen dazu. Und unterscheidet ihn vom Drachen. In dem fantastischen Roman Das ferne Ufer von Ursula K. Le Guin sagt ein Magier zu einem jungen Prinzen: »Drachen träumen nicht. Sie sind Träume. Sie zaubern nicht, sondern der Zauber liegt in ihrem Wesen. Sie tun nicht: Sie sind.« Bei Le Guin sind die Drachen weise Wesen, die in der uralten Sprache der Magie reden; in einer Sprache, in der die Worte noch nicht von den Dingen geschieden sind. Sie entstammen einer Zeit, in der die Kultur und die Natur, die symbolische Ordnung und das Reale, noch ungeschieden waren. Erst bildeten sie mit den Menschen ein gemeinsames Geschlecht. Danach trennten sich die beiden voneinander. Seither gehen sie geschieden, aber doch aufeinander bezogen durch die Geschichte.