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27.03.2026
16:31 Uhr
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Israels Armee nimmt Dörfer und Städte im Libanon unter Beschuss. Rund eine Million Menschen sind auf der Flucht. Doch nicht alle haben den Süden verlassen.

Es war Mitternacht, und Mohammed Fesai saß mit Freunden in einem Café, in ein Kartenspiel vertieft, als sein Handy klingelte. Er kannte die Nummer nicht. "Der israelische Staat warnt Sie", sagte eine Stimme, als er abnahm. "Sie müssen sofort das Gebiet verlassen." Fesai sprang auf, rannte zu seinem Motorrad und raste nach Hause. Von unterwegs habe er seine Frau angerufen, erzählt er. "Pack schon einmal alles zusammen", habe er ihr gesagt. Der Krieg ist zurück im Libanon. Am 2. März hat die proiranische Hisbollah Raketen auf Israel geschossen, um die Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei durch die USA und Israel zu vergelten. Seither nimmt die Miliz Israels Norden immer wieder unter Beschuss. Die israelische Armee wiederum attackiert täglich Ziele im Libanon, vor allem Viertel und Dörfer, in denen die Hisbollah besonders stark ist: in den südlichen Vororten von Beirut, in der östlichen Bekaa-Ebene und im Süden des Landes, nahe der Grenze. In diesen Gebieten hat Israel die Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Rund eine Million Menschen sind auf der Flucht. Am Dienstag sagte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz, sein Land wolle im Libanon südlich des Litani-Flusses eine "Sicherheitszone" einrichten und dieses Gebiet kontrollieren, "bis die Sicherheit im nördlichen Israel garantiert ist". Erst dann könne die Bevölkerung zurückkehren. Faktisch liefe das auf eine Besatzung hinaus.