Welt 21.05.2026
13:33 Uhr

„Wer betreut IHN eigentlich?“ – Schauspieler empört sich über Aussage von Merz


Mit einem emotionalen Video reagiert Schauspieler André Dietz auf den Vorschlag von Kanzler Merz, dass in der Schule eine Person mehrere Menschen mit Behinderung betreuen könnte. Dietz, selbst Vater einer behinderten Tochter, warnt vor Einsparungen.

„Wer betreut IHN eigentlich?“ – Schauspieler empört sich über Aussage von Merz

Es ist keine nette Einladung, sondern die Reaktion eines wütenden Vaters einer behinderten Tochter auf die aktuelle Debatte um Pflege und Inklusion. Direkt an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gerichtet, sagte Schauspieler André Dietz auf seinem Instagram-Account: (verlinkt auf https://www.instagram.com/reel/DYiCLCFMfNc/?igsh=MTluaGx2Z3d1a3Bucg==) „Ey Friedrich, komm doch einfach mal vorbei und verbring einen halben Tag mit uns – ach quatsch, vier Stunden, und erzähl mir das noch mal. Und erzähl mir nichts davon, dass wir ein Einzelfall sind.“ Auslöser für seine Kritik war ein Vorschlag des Kanzlers. Merz hatte die geplanten bei den staatlichen Hilfen für Kinder, Jugendliche und behinderte Menschen verteidigt. Bei einer Veranstaltung mit Bürgerfragen in Salzwedel sagte der Regierungschef: Derzeit habe jedes einzelne Kind mit Behinderung den Rechtsanspruch, durch eine Person in die Schule begleitet zu werden. „Ist das eigentlich unbedingt notwendig, oder kann es nicht auch sein, dass die Betreuung in den Schulen von mehreren Kindern mit Behinderung durch eine Person gewährleistet wird?“, fragte Merz. In der Jugendhilfe fielen Kosten von 10.000 Euro und mehr im Monat pro Person an. „Das können wir auf Dauer nicht finanzieren.“ „Friedrich Merz hat ja allen Ernstes gefragt, ob nicht eine Person mehrere Leute mit Behinderung betreuen könnte. Was sagst du dazu Mari? Gar nix, oder?“, fragte Dietz das neben ihm sitzende Mädchen. Und er weiß, wovon er redet. Seine 13-jährige Tochter lebt mit dem Angelman-Syndrom. Wegen des seltenen Gendefekts sind Betroffene dauerhaft auf Unterstützung und intensive Pflege angewiesen. Dietz hält sich mit seiner Wut nicht zurück und schrieb unter das Video: „Ich frage mich: Wer betreut IHN eigentlich?“ Dietz, bekannt aus RTL-Serien wie „Unter uns“ und „Alles was zählt“, warnt deutlich vor möglichen Einsparungen bei der staatlichen Hilfe für Pflege von Menschen mit Behinderung. „Wenn man bei Pflege und Inklusion Gelder kürzt, dann spart man nicht. Man verlagert die Last einfach zurück in die Familien, auf Menschen mit Behinderung, auf die Schultern der Eltern, Großeltern, Onkel, Tante und ganz konkret auch auf die Schultern der Geschwister.“ Eine Sache, die ihm besonders aufstößt: „Das macht mich dann extra sauer, weil damit auch meine anderen drei Kinder betroffen sind, die das echt nicht verdient haben, so einen Druck zu spüren, der echt nicht sein müsste, nur weil die Bundesregierung ein Ei am Kreisen hat und an der falschen Ecke spart.“ Gemeinsam mit seiner Frau zeigt er auf Instagram den Alltag mit einem behinderten Kind – und die Belastungen. In einem Beitrag heißt es: Inklusion und Pflege sei nichts, was nur die anderen betreffe. „Früher oder später wird jede Familie im engsten Kreis mit Behinderung konfrontiert. Durch Krankheit, Unfall, Alter oder Entwicklung.“ Der Appell: „Beschäftigt euch damit, setzt euch ein!“