Die Bilder von seinem Fabelrennen bei der Challenge Roth sind bei Jan Frodeno auch zehn Jahre danach noch sehr präsent. In einer Ein-Mann-Show hatte er bei dem Kult-Triathlon in Franken (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/triathlon/) nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen das Triathlon-Stadion erreicht und in 7:35:39 Stunden eine Weltbestzeit über die Langstrecke aufgestellt. Das Besondere dabei: Frodeno hatte zuvor angekündigt, die von Andreas Raelert fünf Jahre zuvor ebenfalls in Roth aufgestellte Bestzeit von 7:41:33 Stunden unterbieten zu wollen. Und der gebürtige Kölner hielt Wort. Das Rennen wurde zu einem der Höhepunkte in seiner ohnehin an Höhepunkten reichen Karriere. „Es war das erste Mal, dass ich so wirklich die Klappe aufgemacht und nicht nur das Ergebnis, sondern auch noch die Zeit dazu definiert habe“, sagt der dreimalige Ironman-Weltmeister und Olympiasieger. „Das war alles in allem ehrlicherweise eine extra Dimension, die zusätzlich noch einen Stress auflegt.“ Das Krasse sei gewesen, „dass es während des Rennens keinen Moment gab, in dem ich mir erlauben konnte, einfach nur präsent zu sein“, sagt Frodeno weiter. Immer sei es auch um die Zeit gegangen. „Ich dachte mir, ich kann doch nicht einmal die Zielgerade so richtig genießen.“ Großer Leistungssprung im Triathlon seit Rrodenos Bravourstück Sein Ergebnis von damals ist auch heute noch Weltklasse – Weltrekord ist die Zeit längst nicht mehr. In den vergangenen zehn Jahren wurden die Zeiten – wie in vielen Ausdauersportarten – regelmäßig und bisweilen deutlich unterboten. Auch Frodeno war bis zu seinem Karriereende 2023 noch schneller als 2016 in Roth. Der Norweger Kristian Blummenfelt, aktuell einer der weltbesten Triathleten, drückte die Weltbestzeit am 18. April dieses Jahres beim Ironman Texas auf 7:21:24 Stunden. Er war mehr als 14 Minuten schneller als Frodeno zehn Jahre zuvor. Auch bei den Frauen gab es in den zurückliegenden Jahren einen enormen Leistungssprung. Anne Haug, die vor einem Jahr ihre Karriere beendete, kratzte 2024 bei ihrem Sieg in Roth mit ihrer Weltbestzeit in 8:02:38 Stunden schon an der Acht-Stunden-Marke. „Ich meine, der Riesenleistungssprung im Triathlon kommt mit Sicherheit durch die Ernährung“, (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/ernaehrung/) sagt der seit einigen Jahren in Andorra lebende Frodeno. Während im Schwimmen die Leistungen auf ähnlichem Niveau geblieben sind, sind gerade beim Radfahren und im Laufen deutliche Verbesserungen zu verzeichnen. Dort herrsche „eine höhere Leistungsstabilität“. Er erinnerte sich beispielhaft an einen Ironman in Frankfurt. Damals habe er für die erste Hälfte des abschließenden Marathonlaufs 1:16 Stunden benötigt, für die zweite dann 1:25 Stunden. „Der Einbruch war gigantisch, und diese Einbrüche finden nicht mehr statt.“ Laidlow siegt in Roth mit Weltbestzeit vor Blummenfelt Die Athleten sind weg vom Training des Fettstoffwechsels hin zu einer verbesserten Aufnahme und Verarbeitung von Kohlenhydraten. (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fitness/plus68835429c1ef6365168b9de0/Sport-und-Ernaehrung-Kohlenhydrate-muessen-sich-meine-Patienten-verdienen.html) Früher lagen die Werte bei 60 bis 90 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde. Mittlerweile können 150 Gramm und mehr in der Stunde verdaut und in Energie umgewandelt werden. Bei einer Rennzeit von 7:30 Stunden wären das mehr als ein Kilogramm. Möglich macht das die Entwicklung von hochkonzentrierten Kohlenhydratprodukten wie Hydrogelen durch ein bestimmtes Glukose/Fructose-Verhältnis. Sie liefern dem Körper mehr Zucker (Kohlenhydrate) und damit mehr Energie, ohne den Magen-Darm-Trakt zu belasten. „Es ist Wahnsinn, was da abgeht. Man merkt es überall, an allen Leistungen“, sagt Frodeno. „Ich sehe es selbst jetzt beim Hobbysport, wenn ich so einen Ultramarathon laufe oder auf dem Rad unterwegs bin, das macht einfach einen Unterschied wie Tag und Nacht.“ Für diese Entwicklung steht unter anderem Blummenfelt. Der 32-Jährige ist derzeit das Maß beim Ausdauer-Dreikampf. An diesem Sonntag kam es zum Gipfeltreffen zwischen dem Olympiasieger und dem französischen Vorjahressieger Sam Laidlow, aber der Favorit hatte das Nachsehen. Laidlow gewann erneut und stellte zugleich eine Weltbestzeit über die Langstrecke auf. Der 27-Jährige benötigte 7:21:04 Stunden. Laidlow verbesserte damit die bisherige Marke von Blummenfelt. Der norwegische Favorit wurde bei seiner Roth-Premiere nach einer Aufholjagd noch Zweiter und kam mit einem Rückstand von 5:20 Minuten ins Ziel. Der Leipziger Rico Bogen beeindruckte bei seinem ersten Langstrecken-Triathlon mit Platz drei in 7:27:53 Stunden. Kein Triathlet war bislang schneller bei seinem Debüt auf der Langstrecke. Bei den Frauen gewann Alanis Siffert aus der Schweiz in 8:09:09 Stunden. Zweite wurde Lucy Charles-Barclay aus Großbritannien (+ 7:32 Minuten) vor ihrer Landsfrau Daisy Davies (+ 18:10 Minuten).