Welt 13.05.2026
14:13 Uhr

WS Finanzen Wero 24.5.


WS Finanzen Wero 24.5.

Haupttext: 1600 Zeichen 4 Kästen: Bezahlen ohne Umweg 1830 Einrichtung in Minuten 1250 Noch nicht überall 2000 Schutz ohne Rückruf 2470 Bezahlen ohne Amerika Ein Bündnis europäischer Banken baut mit Wero eine Alternative zu PayPal, Visa und Mastercard auf – und gewinnt Millionen Nutzer. Was Verbraucher jetzt wissen müssen. Thomas Heuzeroth Wer in den vergangenen Jahren online bezahlt hat, tat das meistens über Dienste aus den USA: PayPal, Visa, Mastercard, Apple Pay, Google Pay. Die Infrastruktur, über die täglich Millionen europäischer Verbraucher ihren Einkauf abschließen, gehört mehrheitlich Konzernen, deren Zentrale, Plattformlogik und Datenverarbeitung jenseits des Atlantiks liegen. Was lange als technische Selbstverständlichkeit galt, wird angesichts wachsender geopolitischer Spannungen zunehmend als Risiko wahrgenommen – auch von den europäischen Banken selbst. Ihre Antwort heißt Wero. Hinter dem Dienst steht die European Payments Initiative (EPI), die 2020 von 16 europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern gegründet wurde und inzwischen auf rund 45 Mitglieder angewachsen ist. In Deutschland können Kunden der Sparkassen – mit mehr als 300 Instituten – und der Volksbanken Raiffeisenbanken – mit mehr als 600 Banken – Wero bereits nutzen, ebenso Kunden von ING, Deutsche Bank, Postbank und Revolut. Weitere Institute wie N26, Consorsbank und Targobank sollen im Laufe des Jahres folgen. „Ziel von Wero ist es, den europäischen Zahlungsverkehr langfristig unabhängiger von außereuropäischen Anbietern zu machen“, sagt EPI-Chefin Martina Weimert gegenüber WELT AM SONNTAG. Im Frühjahr 2026 ist Wero als Privattransfer-Dienst bereits etabliert, im Onlinehandel aber noch im Aufbau. Fünf Monate nach dem offiziellen E-Commerce-Start haben erst wenige der großen deutschen Onlineshops die neue Zahlungsmethode eingeführt. Was der Dienst heute schon leistet, wo er noch hakt – und was Verbraucher beim Umstieg beachten sollten. Bezahlen ohne Umweg Der grundlegende Unterschied zu anderen Bezahldiensten liegt in der Architektur. Wero ist kein eigenes Konto, sondern eine Schicht über dem bestehenden Girokonto. Jede Zahlung ist eine direkte Echtzeitüberweisung von Bank zu Bank – autorisiert per PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Ein separates Guthaben, das erst aufgeladen werden muss, gibt es nicht. Statt einer IBAN reicht eine Mobilfunknummer oder E-Mail-Adresse. Das Geld verlässt das eigene Konto erst im Moment der Zahlung und landet beim Empfänger in weniger als zehn Sekunden. Für Privatnutzer ist der Dienst kostenlos: keine Transaktionsgebühren, keine App-Kosten. Pro Zahlung sind bis zu 100.000 Euro möglich, innerhalb von sieben Tagen gilt ein zusätzliches Mengenlimit von 100 ausgehenden Zahlungen. Einzelne Banken können je nach Kontomodell eigene Obergrenzen festlegen. Weil das Geld in Sekunden den Besitzer wechselt, ist Sorgfalt geboten: Empfängerdaten vor der Freigabe prüfen, größere Beträge nie unter Zeitdruck bestätigen. Anders als Paypal bietet Wero derzeit keinen integrierten Käuferschutz bei Problemen mit dem Händler – ein bewusster Unterschied, der den Dienst günstiger macht, aber das Risiko stärker auf den Kunden verlagert. Wero eignet sich heute besonders gut für private Geldtransfers. Ob geteilte Restaurantrechnung, Wochenmarkteinkauf oder gemeinsamer Urlaub – Geld lässt sich in Sekunden versenden, ohne Bankverbindung, ohne Wartezeit. Ergänzt wird das Angebot durch „Wero PRO“ für Kleingewerbetreibende: Handwerker, Marktstände oder Vereine können per QR-Code Zahlungen direkt aufs Geschäftskonto empfangen – ohne teures Kartenterminal. Für Händler liegt die reguläre Transaktionsgebühr bei rund 0,77 Prozent des Umsatzes. „Wero ist für den Handel deutlich günstiger als die amerikanischen Systeme“, betont EPI-Chefin Weimert. Einrichtung in Minuten Ob Wero in der eigenen Banking-App verfügbar ist oder als eigenständige App installiert werden muss, hängt von der Bank ab. Den bequemsten Weg bieten Sparkassen und Volksbanken, die – wie auch die ING – Wero direkt in ihre App integriert haben. Dort genügt es, die App zu aktualisieren, den Wero-Bereich aufzurufen und die Freischaltung zu starten: Mobilfunknummer hinterlegen, per SMS-Code bestätigen, Girokonto verknüpfen – fertig. Die Autorisierung läuft über das gewohnte Sicherheitsverfahren der Bank. Voraussetzung ist mindestens das Apple-Betriebssystem iOS 16 oder das Google-System Android 9. Wer die eigenständige Wero-App benötigt, lädt sie aus dem App Store oder bei Google Play, wählt seine Bank aus und verknüpft das Girokonto. Wichtig: Eine Mobilfunknummer lässt sich nur mit einem einzigen Konto verbinden. Wer mehrere Bankverbindungen nutzt, braucht für jedes Konto eine eigene Kennung, also eine Mobilfunknummer oder E-Mail-Adresse. Ohne verifizierte Kontaktdaten lässt sich zwar Geld senden, aber nicht zuverlässig empfangen – ein Detail, das bei der Einrichtung leicht übersehen wird. Frühere Nutzer des Sparkassen-Dienstes Kwitt mussten ohnehin wechseln: Die alte Infrastruktur wurde Ende 2025 vollständig durch Wero ersetzt. Noch nicht überall Bei privaten Überweisungen hat Wero in Deutschland bereits eine solide Nutzerbasis: Allein bei den Sparkassen sind mehr als drei Millionen Kunden registriert, bei den Genossenschaftsbanken über eine Million. Europaweit zählt der Dienst laut EPI inzwischen 53 Millionen Nutzerinnen und Nutzer – der Großteil davon in Frankreich, wo Wero den nationalen Vorgänger Paylib ablöst. In Deutschland sind es acht Millionen Nutzer. Aktiv ist der Dienst derzeit in Deutschland, Frankreich und Belgien; die Niederlande und Luxemburg sollen in diesem Jahr noch folgen. „Die Nutzerzahlen steigen kontinuierlich, da immer mehr Banken den Service integrieren und ausrollen“, sagt Weimert. „Auch durch die geopolitische Lage sehen wir ein wachsendes Interesse an einer europäischen Lösung.“ Im Onlinehandel dagegen kommt Wero nur schleppend voran. Unter den zehn größten deutschen Onlinehändlern hat lediglich Media-Markt-Saturn die Anbindung angekündigt – ohne konkretes Datum. Otto verhandelt noch, Zalando und Ikea prüfen die Einführung, H&M sieht sie derzeit nicht vor. Immerhin sind bereits mehr als 300 Händler angebunden, darunter Eventim, Lidl, DPD, Veepee, Hornbach, CEWE und Decathlon. Ein schneller Blick in den Checkout des jeweiligen Shops bleibt der zuverlässigste Weg, um zu prüfen, ob Wero dort schon verfügbar ist. Die Zahlung direkt an der Ladenkasse – per QR-Code oder NFC – soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten. Stephanie Heise, Bereichsleiterin Verbraucherfinanzen bei der Verbraucherzentrale NRW, sieht Wero als vielversprechenden Ansatz mit einer klaren Voraussetzung: „Um sich zu etablieren, muss Wero bei den Online-Shops in die Fläche kommen. Dabei spielen auch die Händlerkosten eine Rolle.“ Und tatsächlich dürfte der Kostenaspekt für viele Händler das stärkste Argument sein: Weil Wero-Zahlungen zudem in Echtzeit gutgeschrieben werden, verbessert sich auch die Liquidität spürbar – ein Vorteil gegenüber Kartenzahlungen, bei denen die Verrechnung oft mehrere Tage dauert. Schutz ohne Rückruf Weros Sicherheitsarchitektur setzt auf zwei Säulen: die strengen EU-Vorgaben zur Kundenauthentifizierung und das Prinzip, keine eigene Datenschicht zwischen Bank und Transaktion einzuziehen. Biometrische Daten wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung verbleiben ausschließlich auf dem Gerät des Nutzers. Zusätzlich prüft das sogenannte „Verification of Payee“-Verfahren vor jeder Zahlung, ob Name und Kennung des Empfängers übereinstimmen – das erschwert Phishing und versehentliche Fehlüberweisungen erheblich. Wichtig: Echte Zahlungsaufforderungen erscheinen ausschließlich in der Banking- oder Wero-App, niemals als Link in einer SMS. Jede angebliche Wero-SMS sollte daher als verdächtig gelten. Beim Datenschutz punktet Wero mit einem klaren Heimvorteil. Die EPI unterliegt als belgisch lizenziertes Zahlungsinstitut der Datenschutzgrundverordnung, alle Daten werden auf europäischen Servern verarbeitet. „Die Daten bleiben mit der Nutzung von Wero innerhalb Europas und es gilt europäisches Datenschutzrecht“, sagt Heise von der Verbraucherzentrale NRW. Sie mahnt jedoch zur Vorsicht: „Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass sie auch bei Wero Echtzeit-Überweisungen tätigen. Sie sollten also genauso umsichtig zu Werke gehen wie beim Onlinebanking.“ Heise fasst das Potenzial des Dienstes dabei grundsätzlich positiv. „Wero kann ein erster Schritt zu einem eigenständigen europäischen Zahlungssystem sein als Alternative zu den dominierenden US-amerikanischen Zahlungsdiensten wie PayPal, Visa oder Mastercard.“ Einen Schatten auf das Datenschutzversprechen wirft allerdings eine Recherche des Portals netzpolitik.org. Demnach greift die EPI bei ihrer Infrastruktur nicht ausschließlich auf europäische Anbieter zurück, sondern nutzt auch Dienste von AWS – also der Cloud-Tochter des US-Konzerns Amazon. Als US-amerikanisches Unternehmen unterliegt AWS dem seit 2018 bestehenden Cloud Act und muss daher US-Behörden Zugriff auf Daten gewähren, auch wenn diese nicht in den USA gespeichert werden. AWS betreibt zwar inzwischen eine sogenannte European Sovereign Cloud, bei der Daten innerhalb der EU verbleiben sollen – doch das ändert nichts an der grundsätzlichen Rechtslage. EPI hat aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt, welche Infrastruktur- und Plattformanbieter Wero im Detail nutzt. Die EPI betont, die Kontrolle über das Sicherheitsmodell und den Betrieb liege bei Wero selbst, und Maßnahmen wie Verschlüsselung sorgten für zusätzlichen Schutz. Zudem sei man bestrebt, den Einsatz europäischer Anbieter schrittweise zu erhöhen. „Derzeit ist Wero jedoch in bestimmten Bereichen noch auf Dienste von außerhalb Europas angewiesen“, heißt es in einer Mitteilung.