Welt 16.05.2026
16:22 Uhr

Tracker bestätigt – Toter Wal vor dänischer Insel ist „Timmy“ aus der Ostsee


Die Trackerdaten bringen traurige Gewissheit. Der vor Dänemark entdeckte tote Wal ist „Timmy“, dessen umstrittene Rettungsaktion wochenlang Schlagzeilen machte. Was mit dem Tier passieren soll.

Tracker bestätigt – Toter Wal vor dänischer Insel ist „Timmy“ aus der Ostsee

Bei dem vor der Küste von Anholt gestrandeten Wal handelt es sich um den Buckelwal „Timmy“. Dies bestätigte die dänische Umweltschutzbehörde am Samstagnachmittag dem dänischen Nachrichtensender „TV2 Østjylland“ (verlinkt auf https://www.tv2ostjylland.dk/norddjurs/hval-strandet-ved-anholt-8d7be) . Es handle sich bei dem Tier um denselben Wal, der zuvor in Deutschland gestrandet sei und den man zu retten versucht hatte, heißt es in einer schriftlichen Antwort von Abteilungsleiterin Jane Hansen. Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern und die dänische Umweltbehörde teilten außerdem mit, man habe den an dem Ostsee-Wal angebrachten Tracker gefunden. Nach Angaben der privaten Initiative ist es jener Sender, der im Zuge des Rettungsversuchs des vor der Insel Poel gestrandeten Wals angebracht worden ist. Die Seriennummer des GPS-Senders stimme überein, teilte die Initiative mit, nachdem bestätigt worden war, dass es sich bei dem toten Tier um den als „Timmy“ bekannten Wal handelt. Die Initiative dankte den dänischen Tauchern für ihre Unterstützung. „Ebenso gilt unser Dank allen Helfern, Unterstützern, Fachkräften und Einsatzteams, die in den vergangenen Wochen alles dafür getan haben, diesem Tier eine Überlebenschance zu ermöglichen“, so eine Sprecherin. „Letzte Sicherheit hat heute der Fund eines Trackers an dem Wal gegeben“, sagte auch Mecklenburg-Vorpommerns Landesumweltminister Till Backhaus (SPD). Er bedauere, dass der Wal den Rettungsversuch der privaten Initiative letztlich nicht überlebt habe. Er habe die Hoffnung vieler Menschen geteilt, „dass es gelingen würde, den Wal wieder in die Freiheit zu entlassen“, betonte der Minister. Leider habe das Tier seine Chance nicht nutzen können. Backhaus verteidigte den Versuch der privaten Initiative zur Rettung von „Timmy“. „Es ging immer darum abzuwägen, welche Option die schlechteste ist: Den sicheren Tod des Tieres unter Qualen abzuwarten oder ihm eine letzte Chance zu geben und ihn dabei möglichem Stress auszusetzen.“ Nachdem der in der Ostsee gestrandeter Buckelwal in Deutschland wochenlang die Schlagzeilen (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article69fb4d0978a5e02b5e7a64e9/buckelwal-haette-ich-mal-lieber-nicht-geholfen-kapitaen-bereut-wal-rettungsaktion.html) beherrscht hatte, war zwei Wochen nach seinem riskanten Abtransport Richtung Nordsee vor der dänischen Küste ein toter Wal aufgetaucht. Taucher der dänischen Naturschutzbehörde Naturstyrelsen und eine deutsche Tierärztin hatten sich am Samstag – nach ersten Begutachtungen am Freitag – ein Bild von dem Tier gemacht. Am Freitag hieß es von der Behörde zunächst, es sei kein Sender an dem Tier gefunden worden. Morten Abildstrøm von der Behörde erklärte später, dass ein an der Rückenflosse angebrachter Sender gar nicht hätte entdeckt werden können, weil der tote Wal zunächst auf der Seite und mittlerweile auf dem Rücken lag. Die erneute Begutachtung brachte nun die Klarheit. Die eigentlich auf Pferde spezialisierte deutsche Tierärztin Anne Herrschaft gehört zu der privaten Initiative, die den vor der Insel Poel gestrandeten Wal per Lastkahn Richtung Nordsee transportiert hatte – eine Aktion, von der viele Experten zuvor abgeraten hatten. Der mehrmals an der Küste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns liegende Wal war von der privaten Initiative mithilfe eines Lastkahns ins offene Meer gebracht und am 2. Mai etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak ausgesetzt worden. Nach seiner Freilassung blieb bislang unklar, was mit dem Wal geschah. Experten von Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt. Große Anteilnahme am Schicksal des Wals Viele Menschen hätten großen Anteil an dem Schicksal des Tieres genommen und gehofft, dass es gelingen würde, den Wal wieder in die Freiheit zu entlassen, betonte Umweltminister Backhaus. Wissenschaftler hätten nicht ausschließen können, dass der Wal trotz seines sicher schlechten Gesundheitszustandes überleben könnte. Die Duldung des Rettungsversuchs sei keine Wissenschaftskritik gewesen, betonte Backhaus. „Ich halte es für absolut menschlich, auch die geringste Chance zu nutzen, wenn es um ein Leben geht. Wer das kritisieren will, möge das tun.“ Jetzt gelte es, aus dem Geschehen die bestmöglichen Lehren zu ziehen und das Handeln in Zukunft danach auszurichten, so der Minister. „Der Tod des Wals sollte uns mahnen, Natur, Artenschutz und Klimaschutz noch ernster zunehmen. Denn wir Menschen sind Teil des gesamten Ökosystems.“ Backhaus dankte der dänischen Umweltbehörde, die geholfen habe, das Schicksal des Wals endgültig zu klären. Nun müsse mit den dänischen Behörden geklärt werden, was weiter mit dem toten Tier geschehen solle. Mehrere Dutzend Möwen fressen sich satt Von der dänischen Naturschutzbehörde hieß es zuvor, es gebe momentan keine Pläne, den Wal-Kadaver zu entfernen. Da er weit vom Strand entfernt liege, störe er niemanden, meinte Behördenvertreter Abildstrøm und fügte hinzu, dass sich derzeit mehrere Dutzend Möwen an dem toten Tier satt äßen. Zahlreiche Möwen tummelten sich seit der Strandung am Donnerstag um das Tier und pickten an dem etwa 75 Meter vor dem Strand liegenden Kadaver herum. „Es behindert niemanden und nichts da draußen, also muss eine Verlegung auf Kosten der Deutschen erfolgen“, sagte er gegenüber TV2 Østjylland. Die dänische Umweltschutzbehörde schreibt in einer E-Mail an TV2 Østjylland, dass es derzeit „keine konkreten Pläne zur Bergung und Autopsie des Wals gibt und dass er in dem Gebiet nicht als Belästigung angesehen wird“.