Obwohl die hölzerne Biberburg von Menschenhand nachgebaut wurde und dabei Werkzeuge und Schrauben zum Einsatz kamen, gehört der begehbare Bau zu den Höhepunkten der naturkundlichen Ausstellung „Naturraum Hafencity – Zwischen Elbe und Asphalt“. Im Innern der Burg finden sich spannende Informationen über die größten heimischen Nagetiere, die in Hamburg lange als ausgestorben galten und erst in den vergangenen Jahrzehnten zurückgekehrt sind: Rund 60 Biber leben heute in der Region, auf einer Karte sind alle Reviere verzeichnet. Neuer Naturraum am Versmannkai Mit dem Naturraum am Versmannkai im Quartier Baakenhafen hat auch die Loki-Schmidt-Stiftung einen Standort dazugewonnen: Neben dem Boberger Dünenhaus und dem Fischbeker Heidehaus eröffnete sie in der Hafencity ihr drittes Infozentrum. Der neue Ausstellungsraum liegt in Sichtweite der Erlebniswelt Botschaft der Wildtiere und nicht weit entfernt vom künftigen Naturkundemuseum im Elbtower, sodass sich in der östlichen Hafencity derzeit ein Naturkundeviertel entwickelt. Im schön gestalteten Naturraum bildet die Lebensader Elbe den roten Faden der Schau, durch die eine kleine Comicfigur der Botanikerin und Naturschützerin Loki Schmidt (1919–2010) die Besucher geleitet – und ebenso wie ihr reales Vorbild zum genauen Hinsehen auffordert. Der Rundgang führt am Strom entlang, erzählt von gefährdeten Lebensräumen wie etwa den Auenwäldern und stellt die Tiere und Pflanzen vor, die dort leben: zum Beispiel den Schierlings-Wasserfenchel, der nur an den Ufern der Tide-Elbe gedeiht. Per Schiff eingewanderte Arten Ein weiteres Ausstellungskapitel widmet sich dem kleinen Schwarmfisch Stint, der früher so häufig vorkam, dass er als Arme-Leute-Essen galt und als Viehfutter verwendet wurde. Heute gehen die Bestände durch menschlichen Einfluss stark zurück, was sich auf das gesamte Ökosystem des Flusses auswirkt. Andere Arten kamen als blinde Passagiere auf den Handelsschiffen nach Hamburg und breiten sich hier seither aus: etwa das giftige Schmalblättrige Greiskraut aus Südafrika, das überall im Hafengebiet zu finden ist, oder die asiatische Tigermücke, der es aufgrund des Klimawandels bei uns inzwischen warm genug ist. Das große Modell eines Schiffsrumpfes wird im Naturraum zum Erlebnisort: Die eingewanderten Tiere und Pflanzen können durch Bullaugen betrachtet werden. Am Ende geht es um die Stadtnatur, die ihren Platz zwischen Häusern und Asphalt behauptet, um Stadtbäume, Balkonoasen, Gründächer und entsiegelte Flächen. Überall im Naturraum sind Mitmach-Stationen zu finden: ein Blumentelefon, durch das dem Geplauder von Pflanzen wie dem Bittersüßen Nachtschatten oder dem Kanadischen Berufkraut gelauscht werden kann, ein Balkonkasten, der mit Holzblumen bestückt werden will, oder ein Puzzle, mit dem das empfindliche Gleichgewicht von Nahrungsketten verdeutlicht wird. Langer Tag der Stadtnatur am 13./14. Juni Der Naturraum fördert durch anschaulich aufbereitetes Umweltwissen die Neugier auf die Natur in der Nachbarschaft. Als ideale Fortsetzung des Ausstellungsbesuchs bietet sich der Lange Tag der Stadtnatur an, der seit 2011 jährlich von der Loki-Schmidt-Stiftung organisiert wird. In diesem Jahr finden am 13. und 14. Juni mehr als 250 Veranstaltungen unter dem Motto „Alles fließt“ statt, die das Leben am und im Wasser in den Blick rücken. Das Programm bietet an den beiden Tagen Touren zu Wasser und zu Lande, Spaziergänge und Naturführungen entlang der Alster, Elbe, Bille und Wandse. Die Metropolregion, die im Rahmen des Aktionswochenendes erkundet werden kann, reicht von der sonst unzugänglichen Vogelschutzinsel Scharhörn bis zum Schweriner See, der sich für den Spezialkurs „Tauchen für den Naturschutz“ anbietet. Im Hamburger Stadtgebiet selbst gibt es unter anderem die Möglichkeit, an einem Algenworkshop im Universitätsmuseum teilzunehmen oder den Spuren Chinas im Stadtpark zu folgen. Im Inselpark Wilhelmsburg wird ein Klimastreifzug unternommen, der Tide-Urwald auf der Elbinsel Kaltehofe will mit seinen einzigartigen Baumbiotopen entdeckt werden und die Pilzvielfalt des Flottbektals wird während einer Führung im Jenisch Park erforscht. Auch ein Rundgang durch den privaten Garten von Loki und Helmut Schmidt in Langenhorn gehört zum Programm. Kanutour rund ums Biberrevier am Eichbaumsee Während einer Kanutour rund um das Biberrevier am Eichbaumsee oder einer Paddelexkursion auf der Dove- und Gose-Elbe bietet sich die Chance, die Spuren der dämmerungs- und nachtaktiven Nagetiere auszumachen. Dazu gehören Fußabdrücke im Ufersand oder angespitzte Baumstümpfe – vielleicht sogar eine oberirdische Knüppelburg, die der im Naturraum Hafencity nachgebauten Behausung ähnelt. Solche Burgen bestehen aus Ästen und Stämmen, die der Biber aus den Auenwäldern am Ufer holt, und die er mithilfe seiner Zähne und Vorderfüße kunstvoll aufschichtet. Informationen: tagderstadtnaturhamburg.de