Welt 17.10.2026
15:36 Uhr

Schindler stoppt seinen Absturz im wichtigsten Moment, dann brechen alle Dämme


Martin Schindler kämpft seit Monaten mit Formproblemen und dem Absturz in der Weltrangliste. In Maastricht hält Deutschlands bester Dartsspieler dem enormen Druck stand. Danach brechen die Emotionen aus ihm heraus.

Schindler stoppt seinen Absturz im wichtigsten Moment, dann brechen alle Dämme

Für Deutschlands besten Dartsspieler läuft die Saison bislang bescheiden. Nachdem es zwei Jahre lang für Martin Schindler fast nur bergauf gegangen war, schlichen sich in dieser Saison massive Probleme in das Spiel des Strausbergers ein. Vermehrte Würfe in das Fünfer-Segment, Probleme beim Check-out, Nervenflattern in entscheidenden Situationen – all das führte dazu, dass Schindler in knapp einem Jahr von Rang 13 auf 23 der Weltrangliste abrutschte. Tendenz fallend. Vielleicht aber konnte der 30-Jährige genau diesen Trend am Samstag stoppen. Da gewann Schindler ein extrem wichtiges Spiel gegen Karel Sedlacek beim letzten Turnier dieser Saison auf der European Tour, wo er zuletzt reihenweise Niederlagen erlitten hatte. Bei den Dutch Darts (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/darts/) Championships in Maastricht besiegte der Deutsche den zuletzt extrem starken Tschechen mit 6:4 und zeigte dabei vor allem eines: Dass er doch noch mit großem Druck umgehen kann. Der war nämlich massiv. In diesem Duell ging es vor allem auch um einen Startplatz bei der in der kommenden Woche in Dortmund stattfindenden Europameisterschaft. 32 Spieler qualifizieren sich, Schindler stand vor dem Spiel auf Rang 32 der Rangliste, Sedlacek auf Platz 30. Der Sieger würde einen riesigen Schritt Richtung EM machen, der Verlierer das genaue Gegenteil. Am Ende durfte Schindler sein Ticket nach Dortmund buchen. Knackpunkt des Spiels war das siebte Leg. Beim Stand von 3:3 kam der Tscheche zuerst auf den Doppeln an. Die beiden Kontrahenten verpassten es, unter dem Gejohle des Publikums aber abwechselnd, den finalen Wurf zu setzen. Als Sedlacek schließlich zehn Pfeile verpasst hatte, traf Schindler die Doppel-5 und zog das Match auf seine Seite. Das finale Leg eröffnete er dann mit einer 180 und brachte das Spiel sicher nach Hause – und das im ersten Versuch auf der eher ungewohnten Doppel-9. Schindler verhindert deutsches Debakel Im Anschluss brach es aus Schindler regelrecht heraus. Er ballte die Faust, sprang über die Bühne und rannte in den Innenraum zu seiner Frau. Immer wieder zeigte er mit beiden Zeigefingern auf seinen Kopf. Im Interview auf der Bühne, das der übertragende deutsche Sender DAZN wegen einer Werbepause einfach ignorierte, fiel es ihm schwer, seine Emotionen (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/emotionen/) in (englische) Worte zu fassen. Er habe immer an sich geglaubt, sagte Schindler und dass ihm dieser Erfolg sehr viel bedeute. Das war auch kaum zu übersehen. Mit seinem Erfolg wendete er auch ein deutsches Debakel in den Niederlanden ab. Am Freitag hatten mit Max Hopp, Ricardo Pietrecko und Nico Springer die anderen drei deutschen Teilnehmer jeweils extrem knapp verloren. Sie alle unterlagen mit 5:6. Hopp gegen den Engländer Andrews Gilding, Pietrecko gegen den überraschend starken niederländischen Qualifikanten Heine Uuldriks und Springer gegen Scott Williams (England).