Welt 27.05.2026
15:45 Uhr

Sadistisch wie White Tiger – das Mitglied des „Com-Netzwerks“ und seine Taten


Ein heute 18-Jähriger soll zahlreiche Mädchen über soziale Medien manipuliert, erpresst und zu sexuellen sowie selbstverletzenden Handlungen gezwungen haben. Nun beginnt der Prozess vor dem Landgericht Hamburg.

Sadistisch wie White Tiger – das Mitglied des „Com-Netzwerks“ und seine Taten

Vor dem Landgericht Hamburg beginnt der Prozess gegen ein weiteres mutmaßliches Mitglied des weltweiten sogenannten Com-Netzwerks. Der inzwischen 18-Jährige muss sich vor der Großen Strafkammer 14, einer Jugendkammer, verantworten. Das Gericht hat das Hauptverfahren eröffnet und die Anklage der Staatsanwaltschaft nahezu unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen. Der Prozess soll am 16. Juni 2026 um 9 Uhr starten. Weil der Angeklagte zur Tatzeit noch Jugendlicher gewesen sein soll, findet die Verhandlung zwingend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch ein Akkreditierungsverfahren für Medien ist deshalb nicht vorgesehen. Die Vorwürfe wiegen schwer. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es insbesondere um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft. Der Angeklagte soll zwischen Mai 2023 und März 2024 über soziale Medien auf sieben Mädchen eingewirkt haben. Die Opfer waren den Ermittlern zufolge zwölf bis 15 Jahre alt. In 37 Fällen soll der Jugendliche die Mädchen teils allein, teils gemeinsam mit weiteren Tätern emotional manipuliert und unter Druck gesetzt haben. Ziel sei es gewesen, sie vor laufender Kamera zu sexuellen und selbstverletzenden Handlungen zu bringen. Nach Darstellung der Anklage soll der Beschuldigte dabei nach dem Vorbild der Gruppierung „764“ eigene Gruppen gegründet haben. Genannt werden die Namen „the espada“ und „A.L.I.C.I.A“. Mit zuvor erlangten persönlichen Informationen und kompromittierenden Aufnahmen soll er die Mädchen erpresst und zu immer gravierenderen Handlungen gezwungen haben. In einem Fall soll er ein Mädchen dazu gebracht haben, sich seinen Namen beziehungsweise den Namen einer von ihm gegründeten Gruppe in die Haut zu ritzen. Bei weiteren Opfern soll er Ähnliches versucht haben. Der Fall weist damit Ähnlichkeiten zu anderen sadistischen Online-Komplexen auf, insbesondere zum Tatkomplex „White Tiger“, der ebenfalls in Hamburg verfolgt wurde. Eine Verbindung dorthin besteht nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft jedoch nicht. Es handelt sich also um vergleichbare Muster digitaler Manipulation und Erpressung, nicht aber um einen nachgewiesenen Zusammenhang der Verfahren. Homosexuelle bei Treffen angegriffen Zusätzlich wirft die Staatsanwaltschaft dem 18-Jährigen weitere Taten außerhalb des mutmaßlichen Online-Komplexes vor. Zwischen Sommer 2024 und Frühjahr 2025 soll er in elf Fällen über Dating-Portale für homosexuelle Männer Treffen in Hamburg vereinbart haben. Dort soll er die Männer unvermittelt angegriffen und körperlich verletzt haben. Die Ermittler gehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft von vermutlich homophoben Motiven aus. Nach Informationen von „Bild“ kam der entscheidende Ermittlungsimpuls aus den USA: Eine Verdachtsmeldung der US-Meldestelle NCMEC, ein sogenannter CyberTipline-Report, soll Anfang 2024 beim Bundeskriminalamt eingegangen sein. Darin seien Hinweise auf einen Discord-Nutzer aus Deutschland enthalten gewesen, der junge Mädchen bedroht und erpresst haben soll. Die Ermittlungen wurden demnach später an Hamburger Spezialisten des Landeskriminalamts abgegeben. Diese Informationen gehen über die Mitteilungen von Staatsanwaltschaft und Gericht hinaus. Für die Hauptverhandlung sind insgesamt 16 Termine bis zum 16. September 2026 angesetzt. Verhandelt werden mehr als 50 angeklagte Straftaten, die der heute 18-Jährige noch als Jugendlicher begangen haben soll. Der Angeklagte befindet sich seit dem 23. Dezember 2025 in Untersuchungshaft. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.