Welt 22.05.2026
10:58 Uhr

„Pamphlet ist voll von Lüge“ – AfD-Politiker geht in CDU-Zentrale und schimpft über Broschüre


„Abstieg für Deutschland. Keine Alternative“ ist der Titel des Infoblattes: Auf 34 Seiten führt die CDU aus, wie verheerend die AfD-Politik für Deutschland wäre. Die Partei reagierte empört.

„Pamphlet ist voll von Lüge“ – AfD-Politiker geht in CDU-Zentrale und schimpft über Broschüre

CDU und AfD zoffen sich wegen einer von den Christdemokraten herausgegebenen Infobroschüre über die Rechtsaußen-Partei. Das 34-seitige Büchlein unter der Überschrift „Abstieg für Deutschland. Keine Alternative.“ liegt in der CDU-Parteizentrale in Berlin aus und steht auch zum Download im Internet bereit. (verlinkt auf https://www.cdu.de/app/uploads/2026/05/AfD_Abstieg-fuer-Deutschland_Broschuere.pdf) Die CDU wirft der AfD darin vor, eine Gefahr für die Demokratie zu sein und an ihrer Abschaffung zu arbeiten, und ergänzt das zur Untermauerung mit Zitaten prominenter AfD-Vertreter. Verwiesen wird auch auf Einstufungen einzelner Landesverbände der Partei als rechtsextremistisch durch Verfassungsschutzbehörden der Länder. Die AfD bezeichne andere Parteien als „Altparteien“ und spreche ihnen ihre Legitimität ab. „Wer so spricht, ist eine Gefahr für unsere Demokratie; der will den Ein-Parteien-Staat so wie in der DDR oder im Nationalsozialismus“, heißt es in der Broschüre. Der AfD wird auch vorgeworfen, „demokratieschädlich“, „völkisch“ sowie „antisemitisch“ zu sein und jüdisches Leben gegen Muslime auszuspielen. Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugen (verlinkt auf https://www.google.com/preferences/source?q=welt.de) Die Partei wehrt sich vehement dagegen, auch juristisch. Der Münchner Bundestagsabgeordnete Tobias Teich reichte nach eigenen Angaben bei der Berliner Polizei eine Anzeige wegen übler Nachrede und Verleumdung ein. „Dieser beschämende Vorgang zeigt vor allem, wie panisch die CDU auf die guten Umfragewerte der AfD reagiert“, sagte er. AfD-Bundesschatzmeister Carsten Hütter hatte „t-online“ gesagt, (verlinkt auf https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101262746/afd-prueft-juristische-schritte-gegen-die-cdu-unsaegliche-broschuere-.html) die Partei prüfe ein juristisches Vorgehen. AfD-Politiker Baumann stattet CDU-Zentrale einen Besuch ab Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, veröffentlichte auf der Plattform X ein Video, das ihn beim Betreten des Vorraums der CDU-Zentrale in Berlin zeigt. Aus einem Infostand nimmt er dort eine der Broschüren mit und sagt anschließend: „Dieses Pamphlet ist voll von Lügen und Falschmeldungen.“ Es sei die AfD, die seit Jahren im Bundestag politische Initiativen zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland einbringe, sagt Baumann. Eingeblendet werden zur Untermauerung entsprechende AfD-Anträge aus dem Parlament. Außerdem, so schreibt Baumann bei X weiter, „wärme das Merz-Papier eins zu eins die widerlegte ‚Correctiv-Lüge‘ über angebliche Deportationspläne deutscher Staatsbürger auf. ARD und ZDF wurden diese Falschbehauptungen gerichtlich untersagt – die CDU druckt sie trotzdem munter weiter.“ Sein Fazit: „Wer solche ‚Oberstrategen‘ hat, braucht keine Feinde mehr.“ Die CDU ließ sich die Vorlage nicht entgehen. Sie reagierte auf das Video in den sozialen Medien, mit einem Videoposting unter der Überschrift: „Panik-AfD schickt Baumann zur CDU“. Dieser sei „wutschnaubend vor der Tür des Adenauer-Hauses“ erschienen, „wegen einer Broschüre, die zusammenfasst, was längst bekannt ist“ und was jeder auch online recherchieren könne. Aber, so heißt es dann in dem Instagram-Video (verlinkt auf https://www.instagram.com/p/DYkN0u8oSz1/?hl=de) weiter, „(...) wenn man zur Sprache bringt, wie eng das AfD-Netzwerk direkt zu Putin ist, wie völkisch der Flügel rund um Björn Höcke daherredet, wie antisemitisches Gedankengut einen festen Platz in der AfD hat, bricht Unruhe bei Baumann und seinen Kollegen aus“. Abschließend sagt der Sprecher: „Die AfD ist der Abstieg für Deutschland“. Aktuell hat das CDU-Video bereits über 30.000 Likes, unter anderem auch einen von Grünen-Co-Chefin Franziska Brantner.