Ein 25-Meter-Swimmingpool, zwei Hubschrauberlandeplätze und aus Teakholz gefertigte Decks: Als „weltweit größte maßgeschneiderte Superyacht“ bewirbt die Bremer Lürssen-Werft die „Dilbar“ auf ihrer Website. Seit März 2022 liegt die Luxus-Yacht in einem Dock von Lürssen – und kann nicht weg. Als der Ukraine-Krieg begann und Sanktionen gegen russische Oligarchen verhängt wurden, hatte das auch Folgen für die „Dilbar“. Lange galt sie als Eigentum des russischen Unternehmers Alischer Usmanow. Doch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) machte zur Vorgabe, dass das Schiff nicht an seinen Eigner zurückgehen dürfe. Darüber hinaus erklärte sich das BAFA aber für unzuständig. Für die Lürssen-Werft ergab sich eine kuriose Situation: Fortan lag das Luxus-Schiff eingefroren auf dem Gelände und musste dennoch gewartet und gepflegt werden. Es handelt sich um dieselbe Werft, in der die „Dilbar“ im Jahre 2016 von Lürssen gebaut wurde. Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ recherchierte, dass sich die Kosten für die Instandhaltung der Yacht auf 50.000 Euro beliefen – pro Tag. Bis es der Werft in diesem Schwebezustand offenbar reichte und sie Klage vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt einreichte. In einem Verfahren wurde nun entschieden: Lürssen ist nicht verpflichtet, die Yacht einzufrieren. Das ist dem XXXYY zu entnehmen, der WELT vorliegt. Denn es gelang XXYY nicht, den Eigentümer des Schiffs ausreichend nachzuweisen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Gericht entwirrt die komplexen Eigentumsverhältnisse in seinem Urteil wie folgt: Rechtliche Eigentümerin der Luxus-Yacht ist die auf den Cayman Islands registrierte Gesellschaft A-Ltd. Diese wird über eine Holding- und Treuhandstruktur gehalten – bis 2017 war Oligarch Usmanow dort Begünstigter. Anschließend übernahm seine Schwester Gulbakhor Ismailova diese Rolle. Die EU stufte Ismailova deshalb zeitweise als wirtschaftliche Eigentümerin der Yacht ein und setzte sie auf die Sanktionsliste. Von dieser wurde sie im März 2025 jedoch wieder gestrichen. Überhaupt waren die Eigentumsverhältnisse immer umstritten: Anfang 2025 meldete das Bundeskriminalamt (BKA) auf X, man habe durch „aufwendige Ermittlungen trotz Offshore-Verschleierung“ Ismailova als Eigentümerin ermittelt. Später wurde das Posting gelöscht, mehrere Medien zogen ihre Berichterstattung zurück. All das führte zu der aktuellen Entscheidung, dass sich nicht gesichert feststellen lasse, wer die Yacht eigentlich kontrolliert. Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel, der sowohl Usmanow als auch Ismailova vertritt, sagt gegenüber WELT: Ein ähnlicher Fall spielte sich am Tegernsee ab. Dort hatte die Generalstaatsanwaltschaft im Jahre 2023 mehrere Villen durchsuchen lassen, die Usmanow nutzte. Das Frankfurter Landgericht erklärte die Razzien schließlich für rechtswidrig, ebenso wie die Durchsuchung einer Anwaltskanzlei, die den Oligarchen vertritt. Zudem hatte die Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung (ZfS) den Insolvenzverwalter der Tegernsee (IOM) Ltd in einem Schreiben vor einem Verkauf des Hauses unter Strafandrohung gewarnt. In dem Dokument wurde die Immobilie dem unter Sanktionen stehenden Milliardär Usmanow zugeordnet, ohne jedoch eine Begründung dafür abzugeben. Doch was passiert nun mit dem Schiff? Die Lürssen-Werft antwortet auf Anfrage von WELT: BAFA: Wie bewertet das BAFA das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt? Wird das BAFA gegen die Entscheidung Berufung einlegen oder ein Rechtsmittel unterstützen? Welche unmittelbaren Folgen hat das Urteil für den Umgang mit der „Dilbar“? Das Gericht kommt zu dem Schluss, dass das BAFA für die beantragte Feststellung zuständig ist. Das BAFA hatte dies bestritten. Warum? Die Lürssen-Werft hat die „Dilbar“ über Jahre gewartet und verwahrt, während die Eigentums- und Sanktionslage ungeklärt war. Ist ein Unternehmen in einer solchen Situation letztlich auf sich allein gestellt? Lürssen: Wie bewerten Sie das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt? Was geschieht nun mit dem Schiff? Wer ist Eigentümer der „Dilbar“? Wie hoch waren die Kosten für Wartung und Verwahrung der Yacht seit März 2022? Waren Sie dazu verpflichtet, die Yacht auf eigene Kosten zu warten? Werden Sie angesichts des Urteils auf Schadenersatz klagen? Steinhöfel: Wem gehört die Yacht? Was passiert jetzt mit dem Schiff? Wie hoch waren die Kosten für Wartung und Verwahrung der Yacht seit März 2022? War die Lürssen-Werft dazu verpflichtet, die Yacht auf eigene Kosten zu warten?