Bei der am Donnerstag in einem Getreidesilo in einer Ortschaft bei Toulouse entdeckten Kinderleiche handelt es sich um die seit einer Woche vermisste Lyhanna, teilte Staatsanwalt Olivier Naboulet nach einer Obduktion in einer Erklärung mit, aus der französische Medien zitierten. Zur Bestimmung der Todesursache seien weitere Untersuchungen nötig. Nach dem Fund der ermordeten Elfjährigen hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Missstände im französischen Justizsystem zugegeben. „Es ist offensichtlich, dass es ein Versagen gibt, und das ist inakzeptabel“, sagte Macron am Freitag beim EU-Gipfel in Montenegro. Die Verantwortlichkeiten müssten geklärt und der Schutz von Kindern müsse verbessert werden. Er sprach der Familie sein Beileid aus. Der Fall der elf Jahre alten Lyhanna, deren Leiche am Donnerstag, sechs Tage nach ihrem Verschwinden, gefunden worden war, hat in Frankreich Entsetzen und Empörung ausgelöst. Als mutmaßlicher Täter gilt der 41 Jahre alte Vater einer Freundin der Schülerin. Dessen Vorgeschichte hätte nach Ansicht von Kinderschützern schon lange die Alarmglocken läuten lassen müssen. Er war in der Vergangenheit mehrfach wegen Vergewaltigung Minderjähriger angezeigt worden, ohne dass dies juristische Folgen hatte. Der Mann befindet sich in Untersuchungshaft und verweigert die Aussage. Leiche in Getreidesilo entdeckt Am Donnerstag war in einem Getreidesilo im südfranzösischen Ort Puycasquier die Leiche der elfjährigen Lyhanna gefunden worden. Die Identität des Mädchens wurde nach Angaben des Staatsanwalts von Agen, Olivier Naboulet, inzwischen durch einen DNA-Abgleich bestätigt. Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus. Das Kind hatte sich nach dem Ende der Schule am Freitagnachmittag vergangener Woche in der kleinen südfranzösischen Gemeinde Fleurance bei Toulouse nicht mehr gemeldet. Später wurde der 41-jährige Mann festgenommen, in dessen Auto das Mädchen nach Aufnahmen von Überwachungskameras am Nachmittag mitgefahren war. Der Mann sagte, das Kind auf dessen Bitte hin am Schwimmbad abgesetzt zu haben, verstrickte sich aber in Widersprüche. 170 Gendarmen waren bei der Suche im Einsatz gewesen. Eine Reiterstaffel aus Freiwilligen habe zudem bei der Suche in einem Waldgebiet nahe der Ortschaft Fleurance geholfen, wo die Schülerin zuletzt gesehen worden war. „Völlig inakzeptabel“, urteilt Justizminister Wie sich herausstellte, lagen mehrere Hinweise und Anzeigen gegen den Verdächtigen Jérôme B. (verlinkt auf https://www.leparisien.fr/faits-divers/disparition-de-lyhanna-le-suspect-vise-par-une-plainte-pour-viols-sur-mineure-depuis-aout-dernier-mais-pas-entendu-par-la-police-02-06-2026-UQ3BQ4UKYVH77DI5FE42TDQDJI.php) vor, insbesondere wegen Vergewaltigung von Minderjährigen. Ein Ermittlungsverfahren nach einer Anzeige 2022 wurde mangels Beweisen eingestellt. Eine weitere Strafanzeige vom Sommer 2025 hatte bislang nicht zu Vernehmungen des Verdächtigen oder der mutmaßlichen Zeugen geführt. Am Mittwoch wurde B. erneut wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen angezeigt. Dabei handelt es sich vermutlich um den Fall einer Elfjährigen, die an einer Übernachtungsparty einer seiner Töchter teilgenommen hatte. Die Eltern von Lyhanna waren nach einer solchen Übernachtungsparty im Haus des Verdächtigen auf Distanz zu dem Mann gegangen. Vor fünf Jahren hatte der Verdächtige seinen Hausmeisterjob an einer Schule verloren – wegen Fehlverhaltens gegenüber einer Schülerin. Laut Recherchen der Zeitung „Le Monde“ folgte er im Onlinedienst TikTok – mit einem Foto seiner beiden Töchter als Profilbild – etwa 600 jungen Mädchen, von denen viele Fotos von sich in Unterwäsche veröffentlichten. Justizminister Gérald Darmanin sagte, der Umgang der Justiz mit den Hinweisen auf den Verdächtigen sei „völlig inakzeptabel“. „Wir sind alle entsetzt über dieses Versagen, das unsere schlechte Organisation offenbart und zweifellos im Justizministerium wie auch anderswo darauf hindeutet, dass wir die Aussagen von Kindern nicht ernst nehmen“.