Ein Erdbeben hat am frühen Donnerstagabend die Region an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erschüttert. Das Beben hatte nach ersten Angaben des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung und des Landeserdbebendienstes Baden-Württemberg eine Stärke von 3,3 beziehungsweise 3,4. Von größeren Auswirkungen berichtete die Polizei aber nicht. Auf Katwarn schrieb der Erdbebendienst Südwest von einem „schwachen Erdbeben“ um 17.27 Uhr bei Worms in Rheinland-Pfalz. Das Erdbeben sei vermutlich im Umkreis von etwa 20 Kilometern um das Epizentrum herum spürbar, hieß es auf Katwarn und beim Landeserdbebendienst. Die Angaben seien aber nicht geprüft und basierten auf automatischen Messungen, hieß es in der Warnung. Eine Sprecherin der Polizei Ludwigshafen verwies auf Anfrage ebenfalls auf die Katwarn-Meldung. Nach Angaben einer Pressesprecherin der Feuerwehr Worms lag das Epizentrum am Stadtrand von Worms. Die vom GFZ als Epizentrum veröffentlichten Koordinaten liegen weniger als einen Kilometer von der Autobahn 61 südlich von Worms und etwas mehr als acht Kilometer von der Landesgrenze zu Baden-Württemberg entfernt. Die Tiefe des Erdbebens gab das GFZ mit zehn Kilometern an. Das wenige Sekunden lange Beben war offenbar deutlich zu spüren. Die US-Denkfabrik Zentrum für Strategische und Internationale Studien veröffentlichte ebenfalls Daten zu der Erschütterung und Hinweise von Menschen aus der Region, darunter „Kurz, aber mächtig“ und „Mein Sessel hat ganz schön vibriert“. Viele berichten von einem „lauten Knall“, gefolgt von einer kurzen Vibration. „Das war beängstigend“, lautet ein weiterer Kommentar. Auch in den sozialen Medien tauschen sich Bürger aus der Region darüber aus, wie sie das Erdbeben wahrgenommen haben. „Das Haus hat gebebt. Beängstigend!“, schreibt ein Nutzer in einer lokalen Facebook-Gruppe (verlinkt auf https://www.facebook.com/groups/426590938430846/posts/1711028123320448/) . „Wir dachten, ein Lkw wäre gegen unser Haus gefahren!!“, berichtet eine Frau. Eine andere erinnert sich, dass es vor 40 Jahren bereits ein Erdbeben in der Region gegeben habe. „Ich hab mich an der Küchenzeile festgehalten.“ Nach ersten Erkenntnissen (fast) keine Schäden Ein Polizeisprecher in Worms sagte: „Es gab definitiv mehr Anrufe aufgrund der Erschütterung.“ Er selbst habe das Erdbeben auf der Dienststelle auch wahrnehmen können. Es sei eine kleine bis mittlere zweistellige Anzahl an Anrufen wegen des Bebens eingegangen, sagte er. In einem Wormser Stadtteil sei ein Baum umgefallen. „Das kann aufgrund des Erdbebens gewesen sein“, sagte der Sprecher. Sicher sagen könne man das aber nicht. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) sagte, „es gab keine Personenschäden, es muss sich keiner weiter sorgen“. Die Stadt Worms schrieb auf Instagram: „Spürbare Nachbeben sind in den kommenden Tagen möglich, aber nicht sicher.“ Ein Sprecher der Polizei Mannheim berichtete, dass die Erschütterungen auch im Präsidium zu spüren gewesen seien: „Es war ein bisschen befremdlich.“ Wie weit die Ausläufer in der Region zu spüren gewesen seien, konnte er zunächst nicht einschätzen. Hinweise auf Verletzte oder Schäden gebe es bislang nicht. Worms liegt im Süden von Rheinland-Pfalz in der Nähe zur baden-württembergischen Grenze und hat etwa 88.000 Einwohner. In Gebäuden im Stadtzentrum war das Beben laut einer dpa-Reporterin deutlich zu spüren. In den Häusern wackelte es für mehrere Sekunden. Betroffene berichteten, sie dachten, dass etwas gegen das Gebäude gefahren sei, in dem sie sich befanden. Ansonsten blieb die Lage auf den Straßen der Stadt nach dem Ereignis ruhig. Starke Erdbeben in Deutschland selten Immer wieder bebt in Deutschland die Erde. Nur sehr selten fallen dabei aber Häuser in sich zusammen. Minimale Beben dagegen zeichnen die Erdbebenforscher ständig auf. Damit ein Beben spürbar wird, müssen Besonderheiten hinzukommen: entweder eine besonders große Stärke oder ein Erdbebenherd, der nahe der Oberfläche liegt. Erdbeben (verlinkt auf https://www.welt.de/wissenschaft/article6a55f40704bf7e616bda7ee9/erdbeben-forschern-gelang-erstmals-aufnahme-wie-meeresboden-rasant-um-mehrere-meter-absackt.html) im Südwesten sind kein seltenes Phänomen: Baden-Württemberg ist das seismisch aktivste Bundesland Deutschlands. Durchschnittlich einmal pro Monat bebt die Erde hier spürbar. Die meisten dieser Erschütterungen sind aber harmlos, kaum mehr als ein kurzer Schrecken. Nach Angaben des Erdbebendienstes Südwest konzentriert sich die Erdbebentätigkeit in Deutschland zu einem großen Teil in den Regionen entlang des Rheins und angrenzenden Gebieten. „Als Nahtstelle Mitteleuropas stellen der Oberrheingraben, das Mittelrheingebiet und die Niederrheinische Bucht eine geologische Schwächezone dar, an der vermehrt Erdbeben auftreten“, heißt es. Auch wenn es immer mal wieder zu Beben kommt: Ein Trend etwa zu mehr oder stärkeren Bodenbewegungen ist laut Experten nicht zu erkennen. Die Erdbeben heutiger Zeit sind auch eine Klimafolge: Während der letzten Eiszeit drückten Eisschilde auf die Erdkruste. Seit sie geschmolzen sind, steigen die Erdplatten langsam wieder nach oben – auch das macht sich bisweilen in Form von Erdbeben bemerkbar.