Der Kampf um den letzten verbliebenen Platz in der zweiten Liga mündete in einigen Geschichten, die weit über das Spiel zwischen Greuther Fürth und Rot-Weiss Essen hinausgingen. Zum einen stellten Fans der Franken trotz des Verbleibs in der Klasse (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article6a1603d8823d67a04207dde1/greuther-fuerth-rot-weiss-essen-versager-raus-titeln-fuerths-fans-trotz-des-klassenerhalts.html) ihrem Klub ein mieses Saisonzeugnis aus und teilten diese Meinung auch auf einem Banner mit. „Auf dem Platz und in den Gremien: Versager raus. Neuanfang jetzt“, titelten einige Anhänger auf einem großen Plakat. Die Aktion erfolgte unmittelbar nach Abpfiff des Duells, das Fürth mit 2:0 (1:0) gewonnen und nach dem 0:1 im Hinspiel schließlich die Oberhand behalten hatte. Und dann war da ja noch das Privatduell zwischen Noel Futkeu und Ben Hüning. Der Abwehrchef der Essener jedenfalls war nach dem Relegationsrückspiel mächtig sauer auf den Torschützenkönig der zweiten Liga. Hüning zufolge provozierte Futkeu am Dienstagabend nach seinem Treffer zum 1:0 in der 29. Minute mehr als unnötig. „Für mich komplett daneben, komplett lächerlich, das geht einfach nicht“, schimpfte er bei Sky über den Kontrahenten. „Es ist einfach unsportlich.“ Futkeu hatte nach seinem Führungstreffer Hüning wohl etwas entgegengerufen, anschließend war er an der Essener Bank entlanggelaufen und hatte mit seiner Hand eine „Blablabla“-Geste gemacht. „Wenn er meint, dann soll er das machen. Aber ehrlich gesagt, ist das nicht das, was ich hier zeigen will“, sagte Hüning zu der Aktion. „Ich finde, gegenseitig Respekt zu zeigen, ist immer nötig und wichtig. Wir haben uns ein super Duell, ein hartes Duell geliefert“, meinte der Abwehrboss über seine direkten Zweikämpfe mit dem Stürmer. Alles Weitere von Futkeu aber sei verfehlt gewesen. Rudelbildung nach dem Schlusspfiff Der Fürther Angreifer, der in Essen geboren wurde und von 2019 bis 2021 auch zwei Jahre lang für RWE spielte, wollte lieber nicht zu viel über seinen Kontrahenten sagen. „Ich gehe nicht auf ihn ein, möchte ich nicht. Wir haben gewonnen, Klassenerhalt, fertig“, meinte Futkeu. „Er weiß genau, was er im Hinspiel gemacht hat. Die wissen genau, was sie im Hinspiel gemacht haben. Mehr brauche ich nicht sagen.“ Für Futkeu selbst geht es nun nicht in der zweiten Liga bei der Spielvereinigung weiter, sondern sogar in Deutschlands Eliteklasse. Eintracht Frankfurt machte von seiner 2024 beim Wechsel nach Fürth vereinbarten Rückholklausel Gebrauch und zahlt nun 1,3 Millionen Euro für den Angreifer, dessen Marktwert laut transfermarkt.de bei aktuell fünf Millionen Euro steht. „Noel hat in Fürth (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/fuerth/) eine starke Entwicklung genommen. Die regelmäßige Spielpraxis in der zweiten Liga hat ihm sichtbar gutgetan – sowohl sportlich als auch persönlich. Wir freuen uns, dass er nach der Saison zu uns zurückkehrt“, erklärte Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche. In seinem letzten Einsatz für Fürth traf Futkeu zum 20. Mal in dieser Saison. Und nicht zuletzt das Rückspiel war am Ende extrem hitzig. Nach dem Schlusspfiff gab es auch noch eine Rudelbildung – unter anderen um den Essener Ruben Reisig. Der herbeigelaufene frühere Fürther Profi Dickson Abiama stieß dann auch noch Fürths Spieler Paul Will, der zu Boden fiel. „RWE hat Eindruck in Deutschland hinterlassen“ Bei den Essenern blieb viel Frust, einige Spieler vergossen sogar Tränen auf dem Platz. Nach dem 1:0 im Hinspiel verpassten sie die erhoffte Rückkehr in die zweite Fußball-Bundesliga (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/zweite-fussball-bundesliga/) nach 19 Jahren – obwohl sie beste Chancen auf einen Auswärtstreffer besessen hatten. Hüning, der Essen beim 3:2 in Ulm am 38. Spieltag der dritten Liga auf den letzten Drücker erst in die Relegation geschossen hatte, fühlte sich am Ende „komplett leer“. Torwart Jakob Golz – Sohn des früheren HSV-Keepers Richard – räumte ein: „Es tut unfassbar weh.“ Für Essens Trainer Uwe Koschinat hingegen war trotz aller sportlicher Enttäuschung auch ein bisschen Stolz zu spüren: „RWE hat Eindruck in Deutschland hinterlassen. Wir haben viele Menschen in diesen beiden Relegationsspielen (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/relegationsspiele/) mitgenommen. Das bleibt irgendwann, wenn der Schmerz vorbei ist“, sagte er. „Am Ende war es in den 96, 97 Minuten wie in der gesamten Saison ein Auf und Ab.“ Und Fürth nahm am Tag nach dem glücklichen Sieg indirekt Bezug auf das Fanbanner – und stellte sich im sportlichen Bereich neu auf. Daniel Meyer übernimmt den Posten als Geschäftsführer bei der Spielvereinigung. Der 46-Jährige war bislang Sportdirektor des Halleschen FC in der vierten Liga.