Der Krieg läuft nicht so, wie Moskau es sich vorgestellt hat. Das zumindest ist die Einschätzung von Kaupo Rosin, dem Chef des estnischen Auslandsgeheimdienstes, der sich im Gespräch mit dem US-Sender CNN (verlinkt auf https://edition.cnn.com/2026/05/22/world/video/russia-ukraine-estonia-spy-chief-intldsk) dazu äußerte. Von Siegesgewissheit sei im Kreml nichts mehr zu spüren. „Ich höre kein Gerede mehr von einem totalen Sieg“, sagte er. Auf dem Schlachtfeld laufe es für Russland schlicht nicht gut. Rosins Prognose: In vier bis fünf Monaten könnte Russland nicht mehr aus einer Position der Stärke heraus verhandeln – ein Zeitfenster, das Druck auf den Kreml ausüben würde. Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugen (verlinkt auf https://eur01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2Fpreferences%2Fsource%3Fq%3Dwelt.de&data=05%7C02%7Ckarin.haswani1%40axelspringer.com%7C44af305d5278420455bc08deb7f97c31%7Ca1e7a36c6a4847689d653f679c0f3b12%7C0%7C0%7C639150479324659315%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=DcI06DcXe0Iw7eS4vUCp9jwyL2uML8T5znFrXhu0MEU%3D&reserved=0) Hinter dieser Einschätzung steckt ein handfestes militärisches Dilemma. Russland verliere an der Front schneller Soldaten, als neue nachkommen würden. Bislang hat Putin auf Freiwillige gesetzt – eine Zwangsmobilisierung wie im Herbst 2022 wurde vermieden. Doch für eine weitere Eskalation in der Ukraine reiche das nicht aus, so Rosin. Ohne eine erneute Teilmobilisierung fehle schlicht das nötige Personal. Das Problem: Eine neue Mobilisierungswelle hätte nicht nur militärische, sondern auch gesellschaftliche Folgen. Der Kreml wisse das und fürchte die Auswirkungen auf die innere Stabilität des Landes. Männer fehlten nicht nur an der Front, sondern auch in der Wirtschaft – der Druck auf die russische Gesellschaft wachse von beiden Seiten. Rosin spricht noch ein weiteres Problem an: Heimkehrende Soldaten würden mehr als nur Kriegserinnerungen mitbringen. Gewalt, psychische Erkrankungen, Kriminalität – all das kehre mit ihnen zurück. Zahlen untermauern das: Laut Focus (verlinkt auf https://www.focus.de/politik/ausland/bedrohung-fuer-die-heimat-mordraten-unter-russischen-soldaten-steigen-drastisch_id_259897423.html) zeigen Daten der Moskauer Justizabteilung, dass 113 aktive Militärangehörige im Jahr 2023 wegen Mordes verurteilt wurden – ein Anstieg von fast 900 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das britische Verteidigungsministerium führt dies auf kriegsbedingte psychische Probleme sowie auf begnadigte Straftäter zurück, die nach dem Frontdienst in die Gesellschaft entlassen wurden. Eine unmittelbare Revolution erwarte Rosin dennoch nicht. Aber, so sagt er: „Manchmal sind solche Systeme innen sehr hohl. Und wenn etwas passiert, dann passiert es sehr schnell. Dann werden wir alle überrascht sein.“