Welt 26.03.2026
11:01 Uhr

Jeder fünfte junge Deutsche hat Pläne zum Auswandern


Junge Menschen fühlen sich in Deutschland zunehmend gestresst und perspektivlos, heißt es in einer Studie. Zugleich können sich immer mehr von ihnen vorstellen, das Land zu verlassen.

Jeder fünfte junge Deutsche hat Pläne zum Auswandern
Sicher leben im Alter: Künftig soll es ein öffentlich verwaltetes Standarddepot geben. Arne Dedert/dpa

Ein Fünftel der jungen Generation gibt an, konkrete Pläne zu haben, aus Deutschland wegzuziehen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden. Das ist eine Erkenntnis aus der Studie „Jugend in Deutschland 2026“, die am Dienstag vorgestellt wurde. Die Studie wird seit 2020 regelmäßig wiederholt und unter anderem von dem selbstständigen Jugendforscher Simon Schnetzer herausgegeben. WELT hat sie an dieser Stelle ausführlich ausgewertet. (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/plus69c16423af187d606b810681/generation-z-und-arbeitsmarkt-ausbildung-wird-wieder-als-echte-alternative-gesehen-eine-stille-revolution.html) Vom 9. Januar bis zum 9. Februar dieses Jahres wurden 2012 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 29 Jahren online befragt. Der Studie zufolge plant mit 21 Prozent der Befragten jeder fünfte junge Mensch, ins Ausland zu ziehen. Das bedeute nicht, dass eine Auswanderung nächste Woche passiere, aber dass man sie in Erwägung zieht, sagte Co-Autor Kilian Hampel, Sozialforscher an der Universität Konstanz. 41 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, auszuwandern. Hampel resümiert: „Die Studie unterstreicht, wie dringend junge Menschen verlässliche Perspektiven für Arbeit, Wohnen und finanzielle Sicherheit benötigen.“ Zwar bleibe die Leistungsbereitschaft junger Menschen trotz der Krisen hoch, gleichzeitig gebe es aber Zweifel, ob sich Leistung in Deutschland noch lohne. Wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten bewerteten junge Menschen ihre beruflichen Chancen schlechter als in vorherigen Umfragen. Dadurch gewinne eine Berufsausbildung gegenüber einem Studium an Attraktivität. Zudem ist die psychische Belastung bei jungen Menschen der Befragung zufolge auf einen Höchststand gestiegen. „Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit“, betont Studienleiter Simon Schnetzer.