Krisen, Kriege, volatile Märkte: 2025 war für viele Menschen ein Jahr der Verunsicherung. Während Unternehmen Investitionen verschoben, wollten Privatkunden wissen, wie sie ihr Geld stabil durch diese Zeit bekommen. Haspa‑Chef Harald Vogelsang erklärt, wie die Bank ihre Kundschaft in der weiter unsicheren Lage begleitet – und warum persönliche Beratung für ihn unverzichtbar bleibt. WELT: 2025 war ein Jahr äußerer Krisen – Krieg in der Ukraine, Unsicherheiten im Handel seit der Rückkehr Trumps. Wie navigiert die Haspa durch so ein Umfeld? Harald Vogelsang: Die größte Herausforderung war, in dieser hochvolatilen Zeit Ruhe zu bewahren und gleichzeitig aufmerksam zu bleiben. Unsere Kunden hatten viele Fragen: Privatkunden wollten wissen, ob sie Gold aufstocken sollten, wie sie ihr Depot anpassen oder ob sich ein Immobilienkauf lohnt. Firmenkunden beschäftigten sich mit Absatzmärkten, Dollarkurs oder China. Dabei haben wir sie begleitet. Und das haben wir meines Erachtens sehr gut gemeistert. Parallel haben wir viel dafür getan, wirtschaftlich stabil zu bleiben und ein attraktiver Arbeitgeber zu sein – das gehört in so einem Umfeld zwingend dazu. WELT: Unternehmen halten Investitionen zurück. Wie stark hängt das Zögern an der internationalen Lage? Vogelsang: Unternehmer investieren nur, wenn sie ihre Auftragslage einschätzen können. Wenn das nicht möglich ist, wird ein Lkw eben länger gefahren, statt ihn neu zu bestellen – solche Muster sehen wir gerade deutlich. Viele Branchen senden unsichere Signale. Manche warten ab, ob Preise oder Zinsen weiter fallen, andere überlegen, welcher Standort überhaupt noch sinnvoll ist. Und viele sagen offen: In Deutschland sei Investieren besonders schwer, weil Regulatorik und Auflagen sehr hoch sind. WELT: Spüren Firmenkunden die globalen Spannungen auch konkret? Vogelsang: Ja. Viele halten Liquidität zusammen, weil sie nicht wissen, welche Märkte stabil bleiben. Und die Frage, in welche Produktsparte oder in welches Land man jetzt investieren sollte, ist komplizierter geworden. WELT: Und wie reagieren Privatkunden? Entsteht dort Unsicherheit – etwa seit den jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten? Vogelsang: Ein großflächiges Angstphänomen sehen wir nicht. Aber wir gehen sehr aktiv auf unsere Kundschaft zu. Unsere Berater erhalten laufend Lageeinordnungen, damit sie wissen, was relevant ist und wie unsere Experten die Situation einschätzen. Das nimmt unseren Kunden Unsicherheit, weil sie wissen: Wir melden uns, wenn es etwas zu besprechen gibt – und sie können jederzeit zu uns kommen. Dichtes Filialnetz als Alleinstellungsmerkmal WELT: Während viele Banken Filialen schließen, haben Sie auch 2025 an 103 Standorten festgehalten. Warum? Und: Wird es so bleiben? Vogelsang: Weil sich unsere Filialen wirtschaftlich rechnen: Eine Filiale betreut im Schnitt rund 15.000 Kunden. Digital müssen wir alles können, was andere auch können. Aber unser Alleinstellungsmerkmal ist der persönliche Kontakt. Den geben wir nicht auf. Komplexe Entscheidungen – Vorsorge, Vermögensaufbau, der Schritt vom Mieten ins Eigentum – lassen sich im Gespräch besser klären. Und wir sind eine der wenigen Banken, die dieses Angebot großflächig aufrechterhalten – mit doppelt so viel Filialen wie der gesamte Wettbewerb in Hamburg zusammengerechnet. WELT: Sie haben im vergangenen Jahr Personal aufgebaut und stellen weiter ein. Welche Profile suchen Sie besonders? Vogelsang: Wir sind als Arbeitgeber sehr attraktiv und haben stark am Kunden eingestellt: Servicekräfte, Finanzberater und Experten für das Private Banking und Firmenkundengeschäft. Teilweise kommen diese auch von anderen Instituten, die gerade abbauen. Und wir brauchen Spezialisten in der Zentrale – für unsere IT, das Risikomanagement, regulatorische Themen oder unseren Personalbereich. Besonders freuen wir uns auch, dass die Zahl unserer Auszubildenden auf 430 gewachsen ist. Aktuell suchen wir rund 60 verschiedene Jobprofile. WELT: Auffällig ist, dass Sie auch Menschen aus Gastronomie, Hotellerie oder Handel holen. Warum passen diese Profile so gut zur Haspa? Vogelsang: Weil sie eine ausgeprägte Serviceorientierung mitbringen und das nach wie vor ein großer Bestandteil unseres Geschäfts ist. An unseren Nachbarschaftstischen in der Filiale geht es oft darum, Hilfestellung beim Online-Banking zu geben. Bargeld abholen und Papierüberweisungen werden seltener, aber der Bedarf an digitalem Support steigt massiv. Da sind Quereinsteiger aus serviceorientierten Branchen besonders wertvoll – sie haben einfach Freude am Kundenkontakt, und das spüren die Menschen sofort. WELT: Sie sagen, Bargeld spiele im Alltag eine kleinere Rolle, werde in Krisen aber plötzlich wieder wichtig. Welche Bedeutung hat das für eine Bank, die selbst eine große Bargeld-Logistik betreibt? Vogelsang: Bargeld ist durch die Möglichkeiten, digital zu bezahlen, seltener geworden. Aber Szenarien wie Cyberrisiken oder Stromausfälle erhöhen seinen Wert als Absicherung. In Schweden mussten Händler zuletzt wieder verpflichtet werden, Bargeld anzunehmen, damit die Versorgung im Krisenfall funktioniert. Unsere Tochter HLS betreibt im Norden die größte Bargeld-Logistik – für Sparkassen, Volksbanken, Einzelhandel, den Nahverkehr. Darüber stellen wir die Bargeldversorgung auch für Hamburg sicher. WELT: Auch Gold erlebt eine Renaissance. Ebenfalls aus Unsicherheit? Vogelsang: Gold war immer eine sinnvolle Beimischung. Besonders in Zeiten negativer Zinsen war es der natürliche Gegenspieler zu Aktien. Heute kommt die geopolitische Komponente hinzu: Einige Notenbanken wollen unabhängiger vom Dollar werden und kaufen Gold. Wir haben unseren Kunden fünf bis zehn Prozent empfohlen – das hat sich für sie ausgezahlt. 2025 hatten wir einen Rekordumsatz und die Nachfrage ist weiterhin sehr hoch. In unserem eigenen Edelmetallhandel in unserer Zentrale am Gänsemarkt und in jeder Filiale kann man physisches Gold erwerben. WELT: Der Immobilienmarkt war lange schwach. Wie hat sich das auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Vogelsang: Wir haben den Rückgang deutlich gemerkt – bei unserem Marktanteil ist das logisch. 2025 ist das Neugeschäft aber klar angestiegen, absolut und prozentual, auch wenn es vom niedrigen Niveau kommt. Wir glauben, dass der Markt weiter anzieht, bei Wohnobjekten schneller als bei gewerblichen. Die Preise für private Immobilien steigen wieder, die Zinsen stabilisieren sich auf einem günstigen Niveau und die Mieten ziehen deutlich an. WELT: Was bedeutet das für Ihr Gesamtfazit 2025? Vogelsang: Es war ein sehr erfreuliches Jahr. Unser Vorsteuerergebnis liegt bei 312 Millionen Euro. Wir haben netto 42.000 Haspa-Joker-Girokonten sowie weitere Kundeneinlagen gewonnen und wieder Zuwächse beim Wertpapiersparen verzeichnet. Als erstes deutsches Institut haben wir einen 500 Mio. Euro Social Bond platziert zur Finanzierung von sozialen Projekten wie Kitas, Schulen und Hochschuleinrichtungen oder der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Hamburg. Das passt perfekt zu unserer DNA als Sparkasse. Entscheidend ist für mich: Je stärker die Haspa ist, desto besser können wir die Region unterstützen – und genau das hat 2025 gezeigt. Harald Vogelsang wurde 1959 in Hamburg geboren und wuchs in Reinbek auf. Nach dem Abitur absolvierte er eine Banklehre bei der Commerzbank. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg und promovierte dort. Nach einem Aufenthalt bei einer Bank in London wechselte er 1991 zur Haspa. 2000 wurde er Privatkundenvorstand und übernahm 2007 die Position des Vorstandssprechers.