Welt 21.09.2026
10:31 Uhr

„Glückwunsch an die CDU. Wir haben sie als Volkspartei abgelöst“, sagt Weidel mit heiserer Stimme


Nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern treten Weidel und Chrupalla vor die Presse. Die beiden Vorsitzenden sehen die AfD als neue „Volkspartei“ – und können sich einen ironischen Seitenhieb auf die CDU nicht verkneifen.

„Glückwunsch an die CDU. Wir haben sie als Volkspartei abgelöst“, sagt Weidel mit heiserer Stimme

Es war ein historisches Wahlergebnis. In Mecklenburg-Vorpommern scheitert die CDU erstmals an der 5-Prozent-Hürde. Die AfD gewinnt im Nordosten deutlich vor der SPD. In Berlin erzielt die Linke einen deutlichen Wahlsieg vor der CDU, die AfD landet mit Zugewinnen vor den Grünen auf Rang drei. Die SPD stürzt ab. Die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sprachen der CDU ​die Existenzberechtigung ab und erwarten Bundestagswahlen vor 2029. „Wir haben die CDU ⁠als Volkspartei abgelöst“, sagte Weidel mit heiserer Stimme in der AfD-Pressekonferenz nach den Landtagswahlen. Dies sei das Ergebnis einer rein linken Politik und einer „sehr unintelligenten Brandmauer-Politik“, also des Zusammenarbeitsverbots mit ⁠der AfD. „Die ​CDU wird Richtung ‌fünf Prozent gehen. Und die CDU wird nie mehr wieder in ihrer Parteigeschichte eine Bundestagswahl gewinnen“, wiederholte Weidel eine frühere Aussage. Sie gehe fest davon aus, dass die nächsten Bundestagswahlen vor 2029 stattfinden und die schwarz-rote Regierung zerbrechen werde. Chrupalla ‌sprach davon, dass die CDU nur ⁠noch „scheinkonservativ“ ​sei. Für SPD-Chef Lars Klingbeil sei „das Signal der Wähler in allen drei Landtagswahlen (gemeint war neben Berlin und Mecklenburg-Vorpommern auch Sachsen-Anhalt) gewesen: ‚Wir sind nicht zufrieden. Wenn Bürger Reformen als Bedrohung und Verschlechterung wahrnehmen würden, dann müsse das besser kommuniziert werden.‘“ „Wir können nicht einfach so weitermachen“, sagte auch Arbeitsministerin Bärbel Bas. Die Menschen seien mit den anstehenden Reformen nicht zufrieden. „Wir sind in dieser Koalition und wir wollen das auch beibehalten“, betont sie. SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig nutzte das Wahlergebnis für eine Verbalattacke auf Friedrich Merz: „Dieser Bundeskanzler sollte sich selbstkritisch fragen, was er vielleicht falsch gemacht hat.“ Alle News zu den Wahlen und die Folgen für Merz lesen Sie in unserem Liveticker (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6aafd698b1857e86757a8482/wahlen-in-berlin-und-mv-schwesig-attackiert-merz-klingbeil-fordert-aenderungen-an-rentenreform-liveticker.html) Das sagen die Parteien zum Wahlergebnis in Berlin Bezogen auf die Wahlergebnisse sprach Weidel von „hervorragenden Wahlergebnissen“ in beiden Ländern. In Berlin zeichne sich ein „klarer“ Trend ab. „Wir werden die CDU ablösen.“ Mit Brinker habe man in Berlin die „richtige Kandidatin“, fügt Weidel an. Sie fügte mit ironischem Unterton an: „Herzlichen Glückwunsch an die CDU, die das genau möglich gemacht hat, dass die Linke hier durch die Decke gegangen ist.“ Das sei „alles Ausfluss einer Politik, die das eine verspricht, aber am Ende linke Politik“ betreibe. SPD-Chefin Bärbel Bas sagte zum Ergebnis ihrer Partei (12,1 Prozent) in der Hauptstadt: „Das ist nicht unser Anspruch.“ SPD-Kandidat Steffen Krach ergänzte: „Die Aufholjagd ist uns nicht gelungen, das Ergebnis ist katastrophal.“ Das sagen die Parteien zu Mecklenburg-Vorpommern Mit Blick auf Mecklenburg-Vorpommern sprach Bas SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig „großen Respekt“ aus. Schwesig sei eine „wahnsinnige Aufholjagd“ gelungen. Schwesig ergänzte: „In normalen Zeiten würden 35 Prozent ausreichen. Wir sind aber in Zeiten, in denen wir es mit einer großen AfD zu tun haben.“ Gleichzeitig machte sie deutlich, dass es für die Partei nicht möglich sein werde, den Ministerpräsidenten zu stellen. Schwesig strebt nach der Landtagswahl die Bildung einer rot-rot-grünen Landesregierung an. Am Abend würden die Parteigremien tagen, und sie werde vorschlagen, mit Linken und Grünen Gespräche zu führen. Besonderen Wert legte Schwesig auf das Wahlkreisergebnis in Schwerin, in dem sie mit deutlichem Abstand (54,4 Prozent) gegen AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm (28,1 Prozent) gewann. „Herr Holm wird das machen, was viele Wähler nicht gut finden werden: Erst groß antreten – und dann in den Bundestag verschwinden“, sagte sie mit Blick auf sein Bundestagsmandat. Weidel hatte zuvor von einem „gigantischen Ergebnis“ gesprochen. Die CDU könne nicht so weitermachen. „Deutschland braucht dringend Reformen, die umgesetzt werden müssen.“ Deutschland sei im Stillstand. AfD-Chef Tino Chrupalla ergänzte: „Wir haben die Amtsinhaberin verdrängt und die CDU pulverisiert.“ Die „blaue Welle“ sei nicht zu stoppen. Das starke Ergebnis der AfD in Mecklenburg-Vorpommern sei ein „fulminanter Sieg, den man durchaus mit Sachsen-Anhalt gleichstellen kann.“ WELT-Redakteur Frederik Schindler fragte AfD-Chefin Weidel, ob sie erwarte, dass CDU-Politiker in Sachsen-Anhalt nun nach der verheerenden Niederlage in Mecklenburg-Vorpommern zur AfD überlaufen. „Das kann schon ein Impuls sein, dass die CDU grundsätzlich in Ostdeutschland die Strategie der Brandmauer überdenkt“, sagte Weidel. Nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin treten heute alle Parteien in Berlin zu Gremiensitzungen zusammen. Nach der Pressekonferenz der AfD folgt um 11 Uhr die SPD sowie um 12.45 Uhr die Linke. Um 13.30 Uhr will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor die Presse treten. Alle Pressekonferenzen können Sie bei WELT TV live mitverfolgen. Alles zur Wahl in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern • Alle Ergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern im Überblick finden Sie hier. (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a86dcf9260b7d1d2f7954fc/wahl-mecklenburg-vorpommern-alle-wahlergebnisse-daten-und-grafiken-aus-mv.html) • Alle Ergebnisse in Berlin im Überblick finden Sie hier. (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a86c7543e2ba7edf221f8b7/berlin-wahl-2026-alle-wahlergebnisse-daten-und-grafiken-im-ueberblick.html) • „ Flucht nach vorn ins Nichts (verlinkt auf https://www.welt.de/debatte/plus6ab0cbfb4607f89d76e3c5c3/friedrich-merz-flucht-nach-vorn-ins-nichts.html) “: Kommentar von Anna Schneider zu Friedrich Merz Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert.