Am 51. Verhandlungstag im Verfahren gegen Christina Block vor dem Landgericht Hamburg stand erneut die Aussage der israelischen Zeugin Keren T. im Mittelpunkt, die unter dem Decknamen „Olga“ schon zu Beginn des Verfahrens bekannt geworden war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll sie an der Entführung des Jungen und des Mädchens in der Silvesternacht 2023/24 aus Dänemark beteiligt gewesen sein. Ihr wurde freies Geleit zugesichert, ein gesondertes Verfahren gegen die Israelin ist wahrscheinlich. In ihrer Vernehmung am Mittwoch berichtete die Zeugin auch von internen Spitznamen, die Mitarbeiter der israelischen Sicherheitsfirma für Christina Block verwendet hätten. Sie hätten sie intern „Ladybug“ (Marienkäfer) oder „Lady C“ genannt, sagte die 51‑Jährige laut Übersetzung auf Nachfragen der Vorsitzenden Richterin. Die Zeugin schilderte zudem ihre eigene Tarnung während der Zeit in Hamburg: Sie habe den fiktiven Namen „Olga“ genutzt und im zur Block‑Gruppe gehörenden Luxushotel Grand Elysée unter dem Alias‑Namen „Doris White“ gewohnt. Laut Anklage sei sie „die rechte Hand“ des Chefs der Sicherheitsfirma gewesen, die für die Entführung verantwortlich gewesen sein soll. „Frohes Neues Jahr“ als Chiffre Vor Gericht ging es ausführlich um eine Nachricht in der Tatnacht. Die Richterin fragte: „Sie sagten, Sie hätten in der Nacht Frau Block eine Nachricht geschickt. „Erinnern Sie sich noch an den Wortlaut?“ Die Zeugin antwortete: „Ja, das war ,Frohes Neues Jahr‘ – das hat zwei Bedeutungen: Einmal geh zu dem Zimmer und nimm das Mobiltelefon und zweitens wir haben die Kinder.“ Auf Nachfrage erklärte sie, das Telefon sei „in einem Raum platziert worden, bevor wir los sind“. Warum ein neues Telefon nötig gewesen sei, begründete sie so: „Der gleiche Grund, warum wir an einen isolierten Ort gefahren sind: Dass wir Christina von der Presse isolieren.“ Zu der Darstellung der Angeklagten Christina Block, sie sei am Neujahrsmorgen „von dem Mobiltelefon in einer Box vollkommen überrascht“ gewesen und die Zeugin habe ihr „plötzlich … Anweisungen gegeben“, sagte Keren T., dass sie sich daran nicht erinnern könne. Zeitpunkt und Wissen über den Plan Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, ob und was Christina Block über Ablauf und Zeitpunkt gewusst habe. Die Richterin fragte – nach Umformulierung – nach Gesprächen über den „genauen Zeitpunkt“. Die Zeugin antwortete: „Ja. Das war ein Gespräch mit David, dem Team und Christina. Zu dem Zeitpunkt, wo sie ihren Kram gebracht hat am 28. Dezember. Wir haben ihr gesagt, wenn alles in Ordnung sein wird, wird sie eine Nachricht erhalten, in ein Zimmer zu gehen und dort ein Mobiltelefon zu holen.“ Zur Frage, ob Christina Block Einzelheiten zum Zielort der Aktion in Süddeutschland kannte, sagte die Zeugin: „Nein, das denke ich nicht.“ Die Richterin hielt ihr ihre frühere Aussage bei der Polizei vor: Christina Block habe „allgemein“ gewusst, „dass es ein zurückgezogener, isolierter Ort sein sollte“, aber „nicht genau, wo dieser sein würde“. Die Zeugin ergänzte: „Erst nachdem wir sicher wären, dass wir die Kinder hätten, erst dann wollten wir sie anzurufen und ihr sagen, wohin sie kommen soll.“ Der „isolierte Ort in Süddeutschland“ sei von David Barkay, dem Kopf der israelischen Gruppe, ausgewählt worden. Kleidung, Masken, Dunkelheit – und Fragen zu Fesselung Die Zeugin schilderte, sie habe nicht gesehen, „wie die Kinder in der Silvesternacht genau ins Auto gekommen sind“: „Es war laut wegen des Feuerwerks, es war dunkel und ich musste aufpassen, dass keiner von den Teammitgliedern zurückgelassen wurde.“ Auf die Frage nach dem dänischen Kindsvater Stephan Hensel, der in der Silvesternacht niedergeschlagen worden sein soll, sagte sie, das habe sie nicht sehen können. Sie habe nur beobachtet, „als sich die Autos in Bewegung gesetzt hätten“, sei „ein israelisches Teammitglied noch hinterhergerannt“ und sie habe gesehen, „wie Stephan Hensel sich aufgesetzt habe“. „Your Mama“ Aufgegriffen wurde auch eine von Christina Block in einer früheren Einlassung geschilderte Szene: Sie habe die Zeugin gefragt, „was los sei und was mit den Kindern sei“, und die Zeugin habe „Your Mama“ geantwortet – was später „zu der Annahme“ geführt habe, „dass die verstorbene Mutter von Christina Block den Auftrag … gegeben haben könnte“. Dazu sagte Keren T., dass sie sich „an so etwas“ nicht erinnere. Als die Richterin ergänzte, Christina Block habe gesagt, die Zeugin könne auch Geld von ihrer Mutter bekommen haben, antwortete Keren T.: „Nein.“ Sie habe die Mutter „einmal im Hotel gesehen, aber nie mit ihr gesprochen.“ Taschen mit Geruch, Kissen und Teddybär Vor Gericht ging es auch erneut um Gegenstände, die Christina Block der Zeugin am 28. Dezember, also kurz vor der Rückholaktion, übergeben haben soll. Der Staatsanwalt: „Ich würde gerne nochmal auf die Tüten zurückkommen, die Frau Block Ihnen am 28. Dezember übergeben haben soll.“ Die Zeugin antwortete, eine Tasche mit Reißverschluss sei genutzt worden, „damit in einem Kleidungsstück der Geruch von Frau Block aufbewahrt wurde“. So sollten „die Kinder erkennen, dass sie zu ihrer Mutter kommen“. Außerdem seien „noch ein Kissen von der Tochter“ und „ein Teddybär“ eingepackt worden. Auf die Nachfrage „Wurde darüber geredet oder ist das eine Schlussfolgerung von Ihnen?“ antwortete die Zeugin: „Es wurde zwischen Christina, mir und David besprochen.“