Welt 10.08.2026
13:39 Uhr

Fälle der „Avocado-Hand“ nehmen zu – Klinik warnt vor schweren Handverletzungen


Wer den Kern mit dem Messer entfernt, riskiert gravierende Schäden an Nerven, Sehnen und Blutgefäßen. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein registriert einen deutlichen Anstieg der Fälle. Vor allem Frauen sind betroffen.

Fälle der „Avocado-Hand“ nehmen zu – Klinik warnt vor schweren Handverletzungen

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) steigt die Zahl von Fällen der sogenannten „Avocado-Hand“. Dabei handelt es sich um spezifische Schnittverletzungen der Hand, die auf die unsachgemäße Zubereitung von Avocados zurückzuführen sind, wie eine Sprecherin des Klinikums mit den Standorten in Kiel und Lübeck mitteilte. Die Auswertung der Notaufnahmedaten von Anfang 2020 bis Mitte 2026 zählt 83 Behandlungsfälle. Im vergangenen Jahr registrierte das Klinikum 21 Fälle – 2020 waren es noch acht. Zudem waren Frauen überproportional häufig betroffen. So verletzten sich zu 81,9 Prozent Frauen beim Schneiden einer Avocado. Ebenso zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der Verletzten zwischen 20 und 29 Jahre alt war (44 Fälle). Die medizinisch als „Avocado-Hand“ bekannte Verletzung erfordert den Angaben nach in vielen Fällen eine operative, teils mikrochirurgische Versorgung. Verletzung und Folgen Die sogenannte „Avocado-Hand“ entsteht laut UKSH, weil die Anatomie der Handinnenfläche und die Beschaffenheit der Frucht ungünstig zusammenspielen. Typischerweise hält man die Avocadohälfte in der hohlen, nicht-dominanten Hand und schneidet mit der dominanten Hand das Fruchtfleisch ein oder hebelt den harten, glatten Kern mit der Messerspitze heraus. Rutscht die Klinge dann vom Kern ab oder gleitet sie unerwartet leicht durch die weiche Schale, trifft das Messer mit Wucht auf die Handinnenfläche oder die Fingerbeugen. Dort verlaufen wichtige Strukturen wie Beugesehnen, Fingernerven und Arterien dicht unter der Haut. Verletzungen reichen oft von starken Blutungen bis hin zu einem Funktionsverlust der Finger. Selbst nach einer erfolgreichen Operation bleibt die Hand meist wochenlang ruhiggestellt und braucht intensive Physiotherapie, hieß es. Wie man sich schützt Um das Risiko von dauerhaften Funktionseinschränkungen der Hand zu minimieren, rät das Klinikum Folgendes: So sollte die Avocado beim Halbieren nicht in der Hand gehalten, sondern flach auf ein stabiles Schneidebrett gelegt werden. Ebenso sollte der Kern nicht mit der Messerklinge aus der Frucht gehebelt, sondern etwa ein Löffel genutzt werden. Sollte zudem das Fruchtfleisch gewürfelt werden, müsse die Avocado zwingend auf dem Schneidebrett liegen bleiben, hieß es.