Welt 22.03.2026
11:09 Uhr

Ermittlungen wegen rassistischen Gesängen bei Kinder-Disco – Politiker und Kirche „fassungslos“


Kinder und Jugendliche grölen bei einer Teenager-Party im brandenburgischen Falkenberg zu „L'Amour toujours“ ausländerfeindliche Gesänge – ein Instagram-Video sorgt für Empörung. Vertreter aus Politik und Kirche zeigen sich entsetzt. Nun ermittelt auch die Polizei.

Ermittlungen wegen rassistischen Gesängen bei Kinder-Disco – Politiker und Kirche „fassungslos“

Auf einer Teenager-Party in einem Club im brandenburgischen Falkenberg (Landkreis Elbe-Elster) haben mehrere Jugendliche rassistische Gesänge zum Partyhit „L'Amour toujours“ angestimmt. Jetzt ermittelt die Polizei. Man habe „von Amts wegen“ eine Anzeige aufgenommen, sagte ein Sprecher der Polizei. Der Sachverhalt wurde aufgenommen, nun werde ermittelt und der Vorfall später an die Staatsanwaltschaft übergeben. In einem auf Instagram veröffentlichten Video ist zu hören, wie mehrfach gerufen wird: „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus.“ Im Netz sorgt das Video für Empörung, auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke zeigte sich erschüttert. Woidke schrieb dazu im Portal Instagram, er sei „fassungslos“ angesichts solcher „Nazi-Parolen“ und: „Wir dürfen dazu niemals schweigen.“ Zur Teenie-Disco am vergangenen Samstag hätten etwa 100 bis 150 Kinder und Jugendliche ab elf Jahren gefeiert, sagte der Betreiber des „Blue Velvet“, Tino Veit der Deutschen Presse-Agentur. Er bedaure, was aus dem Lied gemacht wurde, betonte Veit, „gerade bei einer Kinderveranstaltung“. Künftig wolle er DJs besser auf solche Situationen vorbereiten, um schneller reagieren zu können. Er sei offen und gegen jede radikale Haltung, sagte Veit. Von Reaktion der Jugendlichen überrascht Das Lied wurde dem Betreiber zufolge zweimal abgespielt. Er verwies auf eine „schwierige Situation“ am vergangenen Samstag. Der geplante DJ sei nicht erschienen und auf der Suche nach Ersatz habe er zunächst eine Playlist abgespielt. Dort ertönte dann das Lied „L'Amour toujours“ – und dazu die Parolen. In dieser Zeit sei er mit der Suche nach einem Ersatz-DJ beschäftigt gewesen. Dieser habe das Lied später ein weiteres Mal abgespielt und sei von der Reaktion der Jugendlichen überrascht gewesen. Als der Clubbetreiber merkte, dass die Situation eskaliere, sei er auf die Bühne gegangen und habe die Musik leiser gedreht und darauf hingewiesen, dass der Text nicht in das Lied gehöre. Entsetzen in Kirche und Politik Ministerpräsident Woidke kritisierte auf Instagram, dass es zwei Liedschleifen gedauert habe, bis jemand eingeschritten sei. „Jugendliche grölen Naziparolen und keiner greift ein. Ich bin fassungslos. Wir dürfen dazu niemals schweigen!“, so der SPD-Politiker. Der Landrat des Kreises Elbe-Elster übte ebenso scharfe Kritik. Er verurteile die „rassistischen Parolen“ auf das Schärfste, sagte Christian Jaschinski (CDU) laut einer Mitteilung. „Solche Äußerungen sind inakzeptabel und haben in unserer Gesellschaft keinen Platz.“ Von den Brandenburger Grünen hieß es dazu: „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein alarmierendes Zeichen dafür, wie sehr rechtsextreme Parolen inzwischen normalisiert werden – selbst unter Jugendlichen.“ Wenn Jugendliche auf Partys rassistische Parolen grölten, sei das kein Randphänomen, sondern Ausdruck eines Problems, das viel zu lange unterschätzt worden sei. Auch Vertreter der Kirche zeigten sich entsetzt. „Dass auf einer Feier mit Kindern und Jugendlichen in Falkenberg in Brandenburg rassistische Parolen gerufen wurden, erschüttert mich“, sagte der evangelische Bischof Christian Stäblein. „Wir alle tragen Verantwortung, hinzuschauen und einzugreifen“, führte Stäblein aus. Das umfasse auch die Verantwortung, „Jugendlichen und Kindern Beispiel zu sein für ein Miteinander in Respekt und Achtung“. Der Partyhit „L'Amour toujours“ ist mehr als 20 Jahre alt, sein Refrain hat keinen Text. Der Song wird immer wieder für rassistische Parolen missbraucht (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article251762582/Nach-Sylt-Eklat-Wachleute-singen-Auslaender-raus-in-Fluechtlingsheim-Mitarbeiter-entlassen.html) . Für große Empörung sorgte 2024 ein Video, das Besucher einer Bar (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article251686008/Sylter-Bar-stellt-nach-Auslaender-raus-Gegroele-Strafanzeige-Zwei-Party-Gaeste-verlieren-ihre-Jobs.html) auf der Nordsee-Insel Sylt zeigt, die zu der Melodie „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“ riefen. Die Diskothek „Blue Velvet“ gab auf Facebook zusätzlich eine ausführliche Stellungnahme ab, in der noch einmal geschildert wurde, wie es zu dem Vorfall kam. Der Inhaber betonte zudem, sein Laden stehe „für Neutralität“. Die Landesvorsitzende der Brandenburger Grünen, Juliana Meyer, kritisierte am Samstag wiederum diese Stellungnahme. „Neutralität ist keine Antwort“, erklärte sie. Überdies müsse bewusst sein, dass der ursprünglich harmlose Song von Rechtsextremen umgetextet und missbraucht wird.