Dort, wo sich früher zwei Häuser die Rücken zudrehten und ein lang gezogenes Gebäude den Empfangsbereich bildete, liegt nun ein Hinterhof in der Frühlingssonne. Zwei Jahre lang wurde das in 1913 als erste Obdachlosenunterkunft in Deutschland eröffnete Pik As in Hamburg kernsaniert. Was früher verschachtelt und verschattet dastand ist heute ein lichter Bau, der mit einem großzügigen Eingangsbereich aufwartet, dem Check-In. Der Tresen ist einer jener Orte in Hamburg, an dem niemand abgewiesen wird. Täglich werden hier künftig wieder hunderte Menschen Zuflucht suchen. Männer ohne Wohnung, viele ohne Perspektive, manche leben schon seit Jahren auf der Straße. Die Obdachlosenunterkunft ist eine der letzten Anlaufstellen im städtischen Hilfesystem. Hier zeigt sich wie unter einem Brennglas, wie eng Hamburgs soziale Netze geknüpft sind. „Aber auch wie wichtig es ist, dass wir die Unterbringung von Obdachlosen und Gesundheitsschutz nicht trennen, sondern zusammenführen. Dass wir dies in Hamburg tun, dafür ist das Pik As einmal mehr ein Beleg“, sagte Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD). (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/article244675382/Hamburgs-Sozialsenatorin-Etwas-tun-damit-Menschen-Lust-haben-nach-Deutschland-zu-kommen.html) Ein Beispiel hierfür ist die Schwerpunktpraxis, die früher in einem Pavillon auf dem Hof untergebracht war. Sie wurde im Rahmen der Sanierung und des Umbaus in das Pik As integriert. Wie zuvor können akut erkrankte Personen im Gesundheitsflur ambulant pflegerisch versorgt werden. Es gibt barrierefreie Sanitäranlagen sowie einen Aufzug, der es möglich macht, gehbehinderte Klienten in oberen Stockwerken unterzubringen. Das Pik As versteht sich als erste Anlaufstelle. „Hier geht es zunächst darum, obdachlose Menschen so zu stabilisieren, dass im zweiten Schritt geprüft werden kann, welche gesetzlichen Ansprüche vorliegen. Basierend darauf können Perspektiven erarbeitet werden“, so Sozialsenatorin Schlotzhauer bei der Begehung der neuen Räumlichkeiten. Im Fall ausländischer Obdachloser werde die Beratungsstelle Plata hinzugezogen, die die Betroffenen dabei unterstützt, Perspektiven im jeweiligen Heimatland zu entwickeln. Knapp 30 Millionen Euro hat der Umbau der bestehenden Unterkunft sowie der Bau eines weiteren Gebäudes insgesamt gekostet. Finanziert hat ihn die Sozialbehörde. Da der Keller von der Innenhofseite freigelegt wurde, konnte ein zusätzliches Stockwerk gewonnen werden. Die Gesamtkapazität, die zwischen 290 und 330 Plätze liegt, ist gleich geblieben. Allerdings ist der Standard ein anderer. Die Betten verteilen sich nun auf zwei bis drei-Bett-Zimmer. Es gibt spezielle Räume, in denen obdachlose Menschen mit Hund unterkommen. Sowie Einzelzimmer für hochbelastete Bewohner, deren psychische oder körperliche Verfassung eine Unterbringung im Mehrbettzimmer ausschließt. Viele der Bewohner sind suchtkrank. Die Hausordnung sieht vor, dass Klienten an ihrem Schlafplatz trinken dürfen, jedoch nicht in den Gemeinschaftsräumen. Neu sind die 33 sogenannten Lebensplätze. Sie sind im Neubau an der Frontseite des Komplexes zur Neustädter Straße hin entstanden. „Dieses Angebot ermöglicht jenen obdachlosen Menschen einen geschützten Lebensabend, von denen wir realistischerweise nicht mehr erwarten können, dass sie eine öffentlich-rechtliche Unterkunft je wieder verlassen werden“, erklärt Arne Nilsson, Sprecher der Geschäftsführung von Fördern & Wohnen. Diese Menschen wechseln bereits oft seit Jahren von einer temporären Übergangssituation in eine andere. Hier können sie ankommen, und bleiben – ein völlig anderes Lebensgefühl.“ Die Lösung des Obdachlosenproblems in der Stadt sei dies nicht, so Nilsson. „Aber es wird schon zu einer deutlichen Entlastung am unteren Rand führen, davon gehen wir aus.“