Unter dem Eindruck des stark gestiegenen Antisemitismus ist auch in Deutschland an die Opfer des Angriffs der Hamas am 7. Oktober 2023 erinnert worden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach von einem tiefen Schmerz und den Wunden, „die dieser Tag, die diese monströsen, barbarischen Taten geschlagen haben“. In Israel kamen am Mittwoch Überlebende und Hinterbliebene an Orten des Terrors zusammen, etwa auf dem Gelände des Nova-Musikfestivals nahe dem Gazastreifen. Für den Abend war eine Veranstaltung in Tel Aviv geplant, zu der Zehntausende erwartet wurden. Vor drei Jahren hatten die Terroristen israelische Orte und Armeestützpunkte nahe dem Gazastreifen angegriffen. Etwa 1200 Menschen wurden getötet, rund 250 Geiseln verschleppt. Etliche kamen später frei, aber viele ums Leben. Die palästinensische Seite beklagt Zehntausende Todesopfer infolge des Gazakriegs, der auf den Terrorangriff der Hamas folgte. „Genug Sonntagsreden gehört“ In Deutschland fand die zentrale Gedenkfeier am Nachmittag auf dem gut besuchten Berliner Bebelplatz statt. „Der 7. Oktober war ein Genozid an Juden und Israelis“, sagte dabei Israels Botschafter Ron Prosor . „Wir haben genug Sonntagsreden über tote Juden gehört. Jetzt braucht es Taten – eine Offensive gegen Antisemitismus.“ Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte, jeder Politiker in Deutschland habe die Verantwortung, dass Antisemitismus bekämpft werde. „Antisemiten dürfen nie wieder an die Macht kommen.“ Für den Abend war ein interreligiöser Gedenkgottesdienst in der Berliner Gedächtniskirche geplant. Vorab hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in sozialen Medien antisemitische Hetze angeprangert, die „auf unerträgliche Weise aufgeflammt“ sei. Die Terroristen hätten mit unvorstellbarer Grausamkeit Frauen, Männer und Kinder ermordet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte die Zwei-Staaten-Lösung, damit Israelis, Palästinenser und ihre Nachbarn in Frieden und Sicherheit leben könnten. Außenminister Johann Wadephul (CDU) nannte den „entsetzlichen Anstieg von Antisemitismus“ in vielen Ländern, auch in Deutschland, beschämend. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) sagte im Bundestag, es liege an jedem, Antisemiten im eigenen Alltag in die Schranken zu weisen, „vor der Haustür, am Arbeitsplatz, in der Freizeit“. Wer „Nie wieder!“ sage und damit nur die Vergangenheit meine, der sei nicht glaubwürdig, wenn er das „Nie wieder!“ nicht auch für heute und auch für morgen meine. Der Zentralrat der Juden in Deutschland erinnerte in den sozialen Medien daran, dass der Terrorüberfall 2023 das größte Massaker an Jüdinnen und Juden seit der Schoah war: „Niemals vergessen. Niemals schweigen.“ Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, unterstrich die Solidarität der Kirche mit Jüdinnen und Juden und betonte: „Mit Nachdruck setzen wir uns dafür ein, dass Juden, Christen und Muslime in unserem Land einander im Geist der Geschwisterlichkeit begegnen.“ Viel Geld für Sicherheitsmaßnahmen Der Präsident der orthodoxen Europäischen Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt , betonte: „Juden und Israelis sind weiterhin konkrete Ziele von Terror und Gewalt.“ Diese Gefahr präge den Alltag jüdischer Gemeinden in Europa. „Synagogen und Schulen brauchen massiven Schutz. Geld, das für Bildung, Jugendarbeit oder die Unterstützung älterer Menschen gebraucht würde, fließt in Sicherheitsdienste, Kameras und Schutzmaßnahmen.“ EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte in sozialen Medien, die EU sei weiterhin bereit, dazu beizutragen, dass aus dem derzeit brüchigen Waffenstillstand ein dauerhafter Frieden werde, auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung.