Welt 25.05.2026
14:29 Uhr

Diese Stadt führt Deutschlands Infrastruktur-Ranking an


Eine kleine Stadt bei München gilt laut einer neuen Studie als die am besten versorgte Gemeinde Deutschlands. Der Vergleich fördert dabei nicht nur überraschende Gewinner zutage, sondern auch deutliche Unterschiede bei der Wahrnehmung der Lebensqualität.

Diese Stadt führt Deutschlands Infrastruktur-Ranking an

Das 23.000-Einwohner-Städtchen Haar am Rande Münchens ist die am besten versorgte Gemeinde in Deutschland. Das zeigt der neue IW-Gemeindecheck Daseinsvorsorge des Instituts der Deutschen Wirtschaft (verlinkt auf https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/matthias-diermeier-konrad-doliesen-melinda-fremerey-hendrik-boehmer-jan-felix-engler-jan-wendt-iw-gemeindecheck-wie-gut-ist-meine-gemeinde-versorgt.html) , der im Auftrag des Unternehmens Philip Morris alle 10.817 Gemeinden bundesweit verglichen hat. Haar überzeugte in vier von fünf Kategorien – beim öffentlichen Nahverkehr sowie der Dichte an Praxen, Schulen und Freizeitangeboten. Einzig beim schnellen Internet hat die bayerische Stadt noch Nachholbedarf. Bemerkenswert ist der starke Auftritt Hessens : Auf den Plätzen zwei bis vier folgen die hessischen Städte Offenbach, Frankfurt und Eschborn. Die Bundeshauptstadt Berlin schafft es auf Rang sechs. Insgesamt erhielten 2164 der 10.817 untersuchten Kommunen die Bewertung „sehr gut“. Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugen (verlinkt auf https://eur01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2Fpreferences%2Fsource%3Fq%3Dwelt.de&data=05%7C02%7Ckarin.haswani1%40axelspringer.com%7C44af305d5278420455bc08deb7f97c31%7Ca1e7a36c6a4847689d653f679c0f3b12%7C0%7C0%7C639150479324659315%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=DcI06DcXe0Iw7eS4vUCp9jwyL2uML8T5znFrXhu0MEU%3D&reserved=0) Jenseits der Metropolen schnitten einige Mittel- und Kleinstädte überraschend stark ab. Memmingen im Allgäu kommt auf Platz fünf, Friedrichroda im Thüringer Wald auf Rang zehn. Umgekehrt enttäuschten einige Großstädte: Würzburg landete auf Rang 1705, Oldenburg auf 1462. Schlusslicht des gesamten Rankings ist Hirschthal in der Südwestpfalz . Im Vergleich der Flächenländer liegt Nordrhein-Westfalen vorn: Mehr als jede zweite NRW-Gemeinde ist „sehr gut“ versorgt, insgesamt 86 Prozent fallen in eine der beiden Top-Kategorien. Am anderen Ende steht Mecklenburg-Vorpommern – dort gilt mehr als jede zweite Gemeinde als „sehr schlecht“ versorgt. Ein interessantes Paradox zeigt sich beim Ost-West-Vergleich: Ostdeutsche Städte schneiden besser ab als westdeutsche. 30 Prozent von ihnen werden als „sehr gut“ versorgt eingestuft, unter den westdeutschen Städten sind es nur knapp 20 Prozent. „Pessimismusfilter“ bei AfD-Anhängern Eine begleitende repräsentative Umfrage unter mehr als 5000 Menschen zeigt: 53 Prozent der Deutschen bewerten die Infrastruktur vor Ort positiv, nur ein Viertel ist unzufrieden. Doch es gibt einen auffälligen Ausreißer: Allein bei AfD-Anhängern überwiegt die Unzufriedenheit – 39 Prozent halten ihre Daseinsvorsorge für nicht zuverlässig, nur 26 Prozent für zuverlässig. Bei Anhängern von SPD, Union und Grünen hält dagegen rund jeder Zweite die Versorgung vor Ort für zuverlässig. IW-Studienautor Matthias Diermeier erklärt das Phänomen: „AfD-Anhänger nehmen selbst die unmittelbare Versorgung in ihrer Gemeinde durch einen Pessimismusfilter wahr.“ Für ihn hat das eine politische Dimension: „Will man der politischen Entfremdung entgegenwirken, reicht Geld allein nicht. Entscheidend sind nicht nur die tatsächlichen öffentlichen Angebote, sondern vielmehr wie diese wahrgenommen werden.“ Für den Gemeindecheck untersuchte das IW alle 10.817 deutschen Gemeinden anhand von 17 Indikatoren in fünf Bereichen: Digitales, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Bildung. Die Erreichbarkeiten wurden auf Basis von 100-mal-100-Meter-Zellen des Zensus berechnet. Ergänzt wurde die Analyse durch eine repräsentative Befragung von 5455 Personen, die das Marktforschungsinstitut Bilendi im Sommer 2025 durchführte.